Mit zusammengekniffenen Augen schaut Anna in die tosende Brandung. Es sechs Uhr in der Früh, die Tropensonne scheint schon kräftig. "Die Wellen sehen gut aus", sagt die blonde Münchnerin, das Surfbrett unter dem Arm. Gleich, drei Stunden vor ihrem Arbeitsbeginn für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Fortaleza, wird sie sich ins Wasser stürzen und unter Anleitung von Kakao, dem beleibten Surflehrer, versuchen, den sich auftürmenden Fluten Herr zu werden.

Anna Schumann* ist Entwicklungsstipendiatin des DED und deshalb für ein Jahr in einer der schönsten, aber auch ärmsten Regionen Brasiliens. Die 27-Jährige arbeitet dort bei einer lokalen Partnerorganisation, die Frauen auf dem Weg zu einer Ausbildung unterstützt. "Über einen Professor an meiner Uni in Konstanz, der als Gutachter für die GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) arbeitet, kam ich zu dem Thema Entwicklungszusammenarbeit. Anschließend machte ich Praktika bei der GTZ in Eschborn und Salvador."

Bald darauf kam das Stipendium vom DED und es ging nach Brasilien. "Meine Motivation ist mein Interesse an politischen Prozessen, der Wunsch, die Lebensumstände der Menschen in Entwicklungsländern zu verbessern, und die Lust, im Ausland zu leben und neue Erfahrungen zu sammeln", sagt Anna.

Der DED unterstützt viele solcher regionalen Organisationen in den Bereichen Umweltschutz, Frauenrechte und demokratische Stadtentwicklung. Im Amazonas-Gebiet arbeitet man auch mit indigenen Organisationen zusammen. Mit Seminaren und Kampagnen versucht die Gesellschaft, die weltweit ca. 1000 Entwicklungshelfer im Einsatz hat, die Zivilgesellschaft und die Verwaltung zu stärken.

Heike Friedhoff ist Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet als lokale Koordinatorin des DED in der Stadt Santarém am Amazonas. Über die Perspektiven in der Entwicklungszusammenarbeit sagt sie: "Es ist ein sehr interessantes Berufsfeld, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass Entwicklungshelfer kein Beruf ist, sondern eine Tätigkeit, die man für einige Zeit ausübt, um sich dann nach etwas anderem umzugucken."

Die Verträge beim DED sind zeitlich begrenzt, nach ein paar Jahren geht es für die meisten zurück nach Deutschland. Das Stipendium, das Anne absolviert, ermöglicht jungen Leuten lediglich einen Einstieg in die Entwicklungszusammenarbeit. Außerdem beteiligt sich der DED am Freiwilligendienst "weltwärts", bei dem sich 18 bis 28-Jährige im Ausland betätigen können.

Doch es ist eben nicht nur die tägliche Arbeit, die junge Absolventen ins Ausland zieht: Neben ihrer Arbeit surft Anna drei Mal die Woche und macht Capoeira, abends tanzt sie Samba oder flaniert mit Freunden die Strandpromenade entlang. Trotz dieser exotischen Vergnügen ist das Leben in einem Schwellenland nicht immer einfach. Die 2 Millionen Stadt Fortaleza ist im eine Stadt mit einer gewaltigen Kluft zwischen Arm und Reich - so wie vielerorts in Brasilien. "Ein großer Teil der Bewohner leben in den Favelas in großer Armut. Dieser extreme Unterschied ist sehr belastend, außerdem führt dieses starke Gefälle zu einer hohen Kriminalität und bewaffnete Überfälle sind an der Tagesordnung", sagt Anna.