ZEIT Campus : Herr Bleibtreu, haben Sie am Wochenende ferngesehen?

Moritz Bleibtreu : Ja, aber ich weiß gar nicht mehr, was. Ich habe viel rumgezappt. Ich sehe viel fern und bin auch kein Feind davon, sich ab und an berieseln zu lassen.

ZEIT Campus : Was ist schlecht am Fernsehen?

Bleibtreu : Mich stört, dass viele Programmmacher ihrer Verantwortung dem Publikum gegenüber nicht nachkommen. Man kann sich nicht hinstellen und sagen: "Das verstehen die eh nicht, die sind zu dumm." Aber genau das macht das Fernsehen. Ich mache Unterhaltung, also will ich natürlich, dass das Publikum mir folgt, dass es lacht und weint. Aber ich will nicht an seine niedersten Instinkte appellieren.

ZEIT Campus : In Free Rainer manipulieren Sie die Quoten, die Sender setzen in der Folge auf anspruchsvolle Sendungen – und die Leute gucken sie.

Bleibtreu : Auch in der Realität gibt es Beispiele für gute Fernsehformate. Aber wir brauchen mehr Comedy wie Dittsche , Stromberg oder Mein neuer bester Freund . Diese Serie hatte ProSieben aufgrund schlechter Quoten abgesetzt und nahm sie erst nach Protesten wieder auf. Die Quotenerhebung funktioniert einfach nicht, wenn die Fernsehgewohnheiten von 13.000 Menschen darüber entscheiden, was Millionen in Deutschland zu sehen bekommen. Wenn man sich überlegt, wie viel Geld da umgesetzt wird, was für einen sozialen Einfluss das hat, dann ist das einfach bitter. Free Rainer wehrt sich dagegen, dass Menschen verarscht werden. Dabei steht hinter einem Sendeformat wie Das Model und der Freak garantiert ein hochintelligenter Mensch, der ganz genau weiß, warum er das erzählt.

ZEITCampus : Was erzählt?