Der MBA ist eine Option für Ingenieure, die Managementaufgaben übernehmen wollen. Und auch Firmen binden Fachleute, wenn sie ihnen Entwicklungsperspektiven ermöglichen.

Der Softwarespezialist aus Indien ist aufgeregt. Seine Firma will, dass er regelmäßig nach Deutschland reist, um dort die Kunden über die Produkte des Unternehmens zu informieren. Doch im Vertrieb hatte er als ausgebildeter Ingenieur vorher nicht gearbeitet und kennt sich dort nicht aus. Was also tun?

Francis Bidault, Professor und Direktor des MBA Programmes an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin kennt viele solcher Fälle. In seinen Beratungsgesprächen erfährt er oft, dass den Ingenieuren plötzlich Kundenkontakte, Personalverantwortung oder andere Führungsaufgaben zuwachsen; dann müssen sie lernen, wie sie mit den neuen Herausforderungen umgehen können. Der gebürtige Franzose ist davon überzeugt, dass "90 Prozent der Ingenieure in Managementpositionen enden."

Der MBA ist dann eine Möglichkeit, Techniker auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten. 37 Studenten sind zur Zeit im Vollzeitprogramm an der ESMT eingeschrieben, ein Drittel sind Ingenieure. Einige wurden direkt von ihren Firmen geschickt und erhalten ihren MBA voll und ganz bezahlt. Im gerade gestarteten EMBA-Programm der Business School sind sogar noch mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler vertreten.

In Frankreich sei der Ingenieurtitel und nicht das Jura- oder Wirtschaftsstudium noch immer der Königsweg zur Karriere, erzählt Bidault. Deshalb ist es auch für die französischen Ingenieure selbstverständlicher, fehlendes Wirtschaftswissen an renommierten Schulen wie Insead oder IMD mit einem MBA-Programm zu erwerben.

Antje Lienert, Bildungsexpertin beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sieht in dem MBA für Ingenieure nur eine Option von vielen. Manche Wissensdefizite könne man auch durch E-Learning-Programme oder Seminare abdecken, zumal der MBA-Markt in Deutschland sehr unübersichtlich und das Profil vieler Programme nur schwer zu definieren sei. Die MBA-Interessenten müssten sich vor allem darüber klar werden, ob sie eine Managementposition einnehmen möchten und überlegen, was ihnen an Kompetenzen dazu fehlt. Viele scheinen sich darüber nicht allzu viele Gedanken zu machen: Das Weiterbildungstelefon des VDI wird nur zögerlich angenommen.

Das könnte auch einen anderen Grund haben. Können sich die Ingenieure in Zeiten des Fachkräftemangels überhaupt weiterbilden? Nach einer Studie des VDI konnten 2006 48000 Ingenieurstellen in Deutschland nicht besetzt werden. Welcher Unternehmenschef lässt dann seine unverzichtbaren Experten auch noch ein Studium aufnehmen? Antje Lienert macht deutlich, dass gerade der Mangel an Fachkräften ein Umdenken in den Unternehmen befördert: "Firmen müssen sich bewegen, was die Arbeitsbedingungen betrifft. Sie bieten Weiterbildungsmöglichkeiten an, um Bewerber zu gewinnen und langfristig Ingenieure an sich zu binden."

In Deutschland gibt es einige MBA-Programme, die sich auf Ingenieure und Naturwissenschaftler spezialisiert haben. So bietet die RWTH Aachen seit 2004 zusammen mit der Universität St. Gallen und dem Fraunhofer Institut einen Exekutive MBA für Technologiemanager an. Dieser berufsbegleitende MBA umfasst ein Studium von etwa 22 Monaten. Die Fallstudien, die dort angeboten werden, sind speziell auf das Berufsfeld der Ingenieure zugeschnitten. Die Teilnehmer des MBAs für Technologiemanager kommen aus allen Branchen, aus der Nahrungsmittelindustrie wie der Autoindustrie, sogar eine Firma für Fensterbau ist im neuen Jahrgang dabei.