Die FU Berlin ist seit vergangenem Oktober eine Elite-Universität. Ganz offiziell - ausgewählt von der Jury der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Ein Prädikat, das Geld bringt - über fünf Jahre verteilt gibt es insgesamt 21 Millionen Euro für das prämierte Zukunftskonzept. Und eines, mit dem sich gut werben lässt: Auf der FU-Website wird der Exzellenzstatus seit einigen Monaten gefeiert - und die Universität selbstbewusst als "Leuchtturm der Wissenschaft" beschrieben. Hier kann man unter den bestmöglichen Bedingungen forschen und studieren - so entsteht zumindest der erste Eindruck.

Dennis Lantzberg teilt diesen Eindruck nicht. Für den Politik-Studenten im dritten Semester ist die FU vor allem eine Uni, an der vieles falsch läuft. Eine Uni, an der die Studienbedingungen schlecht sind, an der unabhängige, kritische Wissenschaft nicht mehr möglich ist. Eine Uni, an der nur noch zählt, was sich später auf dem freien Markt verwerten lässt, Rendite bringt. Eine Uni, gegen die er protestieren will.

Deshalb trifft er sich seit mehreren Wochen mit ein paar dutzend anderen Studenten und überlegt, wie man das machen könnte. Sie wollen demonstrieren, informieren und "die Räume unserer Uni, die Mensa, das Foyer und Vorlesungssäle in Beschlag nehmen", sagt Dennis Lantzberg. Am Donnerstag erfolgte der erste Aktionstag, weitere sollen folgen. Aber worum geht es konkret, wo genau liegen die Probleme an der FU?

Ein Problem ist - wie inzwischen an einigen Hochschulen in Deutschland - eine neue Studienorganisationssoftware namens "Campus Management", mit der sich FU-Studenten seit knapp zwei Jahren zu Seminaren und Vorlesungen anmelden müssen. In einer vorgegebenen Frist muss jeder seinen Stundenplan zusammenstellen, danach ist man an seine Entscheidung gebunden. Am Ende des Semester erscheinen die Noten für Hausarbeiten und Klausuren nicht mehr auf einem Schein aus Papier, sondern nur noch online.

Ein System kann durchaus eine Erleichterung sein - für Studenten und Dozenten. Praktisch aber funktioniert "Campus Management" immer noch nicht zuverlässig, auch nicht zwei Jahren nach seinem Start. Erstsemester werden plötzlich zu Langzeitstudenten, Betriebswirtschaftler belehrt das System, dass sie eigentlich Kulturanthropologie studieren. Von Anfang an beklagte zudem etwa der AStA der FU, dass das System unsicher und der Datenschutz nicht gewährleistet sei.

Vor allem störte die Studenten aber die automatisiert vergebenen "Maluspunkte", zum Beispiel, wenn ein Student durch eine Prüfung rasselt. Wer eine festgelegte Zahl dieser Punkte angesammelt hat, muss damit rechnen, von der Uni zu fliegen. Diese computergesteuerte Exmatrikulation war vielen Studenten und Dozenten zuviel - sie protestierten bei der Uni-Leitung. Mit Erfolg. Seit ein paar Semestern ist die Maluspunkte-Regel nicht mehr in Kraft. Doch die technischen Probleme bleiben, so dass die meisten Institute inzwischen wieder auf Papier und Kugelschreiber zurückgreifen.

Aber nicht nur die Software ist für Studenten wie Dennis Lantzberg Grund zur Aufregung. Für sie ist das "Campus Management" nur das Ergebnis einer viel weiter gehenden Entwicklung: Die FU wandelt sich zu einem straff geführten, nach unternehmerischen Kriterien organisierten Wissenschaftsbetrieb. Ende 2006 wurde der FU im Rahmen einer gemeinsamen Studie vom Wirtschaftsmagazin Karriere und dem Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos gar der Titel "Unternehmerischste Hochschule Deutschlands" verliehen.