In ihrem Buch "Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht" (ab März bei Hoffmann und Campe; zusammen mit Susanne Klingner und Barbara Streidl) und in der aktuellen Ausgabe von ZEIT Campus plädiert Meredith Haaf für einen neuen Feminismus, für eine "Haltung, die jung, cool und intellektuell anspruchsvoll ist - und bei der Männer sogar mitmachen können".

Was sagen andere junge Frauen zu einer solchen Forderung? Wir haben hier einige Statements zusammengetragen.

Bernadette La Hengst, Musikerin :
Die Frage ist vielmehr, ob wir eine neue Gesellschaft brauchen. Der neue, so genannte konservative Feminismus ist ein Spiegelbild unserer angeblich emanzipierten Demokratie und manifestiert gleichzeitig die bestehenden neoliberalen Verhältnisse. Die Kita- und Elterngeld-Debatte wurde vor allem deswegen angeschoben, damit Deutschland seine gut ausgebildeten Mütter nicht als nützliche Arbeitskräfte verliert. Ich kann meine Arbeit und mein Leben zwar nicht losgelöst von der Arbeit anderer feministischer Netzwerkerinnen und Künstlerinnen des vergangenen Jahrhunderts sehen, aber dennoch ist mein Weg heute ein anderer - Feminismus ist immer wieder ein Neuanfang. Ich bin mir selbst genauso Role Model wie andere mir waren, als "Rockerbraut & Mutter", in meinem selbst gewählten prekären Leben. Im Gegensatz zu alleinerziehenden prekarisierten Hartz IV EmpfängerInnen in der Provinz ohne Kitaplätze oder MigrantInnen ohne Aufenthaltsrecht ist das aber immer noch ziemlich privilegiert.

Elke Kuhlen und Nicole Rüdiger, Jungsheft-Herausgeberinnen :
Als Macherinnen eines Pornoheftes für Frauen wird uns oft eine gewisse Nähe zum Feminismus angedichtet. Die Anfangsidee hatte aber gar nichts damit zu tun, mit der männlichen Welt gleich zu ziehen und Frauen ein gleichberechtigtes Pendant zu schaffen. Aber der Unterschied zu den meisten Frauenmagazinen ist, dass wir, die Herausgeberinnen, weiblich sind und nicht wie allzu oft männlich: Wir können besser beurteilen, was Frauen schön finden und was ihnen Freude machen kann. Das mag eine Form von Feminismus sein. Unsere Generation profitiert zwar von den Kämpfen der 68er-Frauengeneration, aber der Begriff "Feminismus" hat für uns eher einen negativen Beigeschmack von Latzhose und Biterkeit. Ein neuer Feminismus ist gut und wichtig, aber er sollte wie selbstverständlich behandelt und gelebt werden. Er darf nicht ausgrenzen und auf keinen Fall in einen neuen Weiblichkeitswahn verfallen.

Kristina Koehler, CDU, MdB :
Frauen können nur gemeinsam mit Männern viel erreichen. Die Unterschiede, die es zwischen den Geschlechtern gibt, machen das Leben spannend und wertvoll. Ich glaube (und hoffe), dass sie nicht nur sozial konstruiert sind. Wenn sie sich für Kinder entscheiden, müssen Frauen - aber auch Männer - die Wahlfreiheit haben, sich Vollzeit den Kindern zu widmen oder auch arbeiten zu gehen. Dafür habe ich mich auch im neuen CDU-Grundsatzprogramm eingesetzt. Wir brauchen flexible Arbeitsverhältnisse, Krippenplätze und Tagesmütter. Dabei darf aber kein gesellschaftliches Klima geschaffen werden, in dem Betreuung durch Dritte als wertvoller betrachtet wird als Betreuung durch die Eltern.

Franziska Drohsel, SPD, Juso-Bundesvorsitzende :
Wir brauchen weiterhin eine feministische Politik, weil die Gleichstellung der Frauen noch längst nicht verwirklicht ist. Feminismus heißt für mich der Kampf um die tatsächliche Gleichstellung. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Frauen nicht immer automatisch die alleinige Verantwortung für Kinder zugewiesen wird und dass Voraussetzungen geschaffen werden, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können - für Männer genauso wie für Frauen.

Caren Genthner, Geschäftsführerin Shopping.com GmbH von Ebay :
Frauen werden auch in Deutschland im öffentlichen Leben immer präsenter. Sie regieren das Land, leiten Unternehmen, entwickeln neueste Technologien, engagieren sich für vielfältige Belange. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Dennoch stehen wir hier erst am Anfang. Denn in Führungspositionen sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Es mangelt zum Beispiel an Kinderbetreuungsmöglichkeiten, flexiblen Arbeitszeitmodellen und oft auch an Einsicht, wie wichtig eine gesunde Balance von Arbeits- und Privatleben ist. Was wir daher vor allem benötigen, um Frauen die bessere Vereinbarkeit von Job und Familie zu ermöglichen, sind eine bessere Infrastruktur und fortgesetzter Einstellungswandel. Immerhin passiert auf beiden Ebenen gerade sehr viel.