Selbstbewusst wirkt sie, wenn sie von ihrem Berufsalltag spricht. Obwohl sie von arroganten Chefärzten erzählt, die eine fulminante Karriere hingelegt haben und eigentlich doch nur ihre eigene Unsicherheit überspielen wollen. Von viel zu selbstkritischen Ärztinnen, die ihr Karriereziel aus den Augen verloren haben und denen eine gewisse Arroganz vielleicht gar nicht schlecht zu Gesicht stehen würde. Und von der großen Portion Optimismus, die es bedarf, um dennoch gerne Ärztin zu sein.

Dr. Ina Hadshiew ist Dermatologin am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Die 39-Jährige hält Seminare und Vorlesungen ab, ist Frauenbeauftragte an ihrer Klinik und Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes. Sie möchte Professorin werden und schreibt derzeit an ihrer Habilitation. Aber vor allem möchte sie eines sein: ein Vorbild. Denn Vorbilder, so sagt sie, bräuchten junge Ärztinnen ganz dringend.

Doch warum ist das so? Bleibt die Medizin eine Bastion der männlichen Halbgötter, die Frauen nicht erstürmen können? Die Statistiken lassen zunächst genau den gegenteiligen Schluss zu.

In den letzten Jahren ist der Anteil an Medizinstudentinnen in Deutschland auf rund 65 Prozent gestiegen - der höchste Wert seit der Zulassung von Frauen in die deutschen Medizinhörsäle im Jahr 1899. "Frauen wollen helfen und psychosozial arbeiten - auch wenn sie dabei nicht soviel verdienen", erklärt die Murnauer Ärztin Dr. Astrid Bühren die zunehmende Feminisierung der Medizin. Die Verdienstchancen im deutschen Krankenhaussystem sind im internationalen Vergleich gering - ein Grund, weshalb es männliche Abiturienten vermehrt in prestigeträchtigere Fächer wie BWL oder Jura ziehe.

Astrid Bühren ist Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes - ein Gremium, das es sich zum Ziel gemacht hat, Medizinerinnen auf ihrem Karriereweg zu unterstützen und zu fördern. Diesen Beistand haben sie auch dringend nötig. Denn obwohl immer mehr Frauen Medizin studieren, reduziert sich der weibliche Anteil auf den einzelnen Stufen der Karriereleiter beträchtlich.

Schon mit Abschluss des Studiums kippt die Geschlechterverteilung zu Gunsten der Männer. Während immerhin noch knapp 40 Prozent der Medizinerinnen ihre staatliche Zulassung als Fachärztinnen erwerben, wird nur jede zehnte Chefarztstelle von Frauen besetzt - auf dem Gebiet der C4-Professur sogar nur jede Zwanzigste. In keiner anderen Fachrichtung gibt es so wenige Professorinnen. Die logische Konsequenz: Je weniger Ärztinnen forschen und selbst wissenschaftliche Werke publizieren, desto geringer ist das Mitspracherecht bezüglich der medizinischen Maßnahmen im klinischen Versorgungsalltag.

Auch die Verdienstchancen der Ärztinnen sind geringer als die ihrer männlichen Kollegen: Dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung zufolge liegt das Gehalt einer Ärztin mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung im Schnitt 500 Euro unter dem Einkommen eines männlichen Arztes mit vergleichbarer Berufsausbildung.