Auch in der Finanzkrise bleibt der MBA attraktiv. Die internationalen Business Schools sind gefordert, weil sie ihren Absolventen neue Karriereperspektiven bieten müssen

An den internationalen Business Schools brodelt es. Die komfortablen Zeiten mit garantierten Aufstiegschancen für MBA-Absolventen sind vorbei. Noch bis zum Sommer war die Welt in Ordnung. Die Aussichten schienen rosig, vor allem weil Banken und Versicherungen den MBA-Studenten oft noch während des Studiums gut bezahlte Jobs offerierten.

Beispiel London Business School: Über 45 Prozent der MBA-Zöglinge der renommierten britischen Schule, die zu den besten MBA-Schmieden der Welt zählt, traten 2007 einen Job im Finanzsektor an. 22 Prozent von ihnen wurden Investmentbanker.

Doch seit dem Finanzsektor Massenentlassungen drohen, müssen viele Top-MBA-Schulen in Europa und den USA umdenken und ihren Karriereservice in andere Bahnen lenken. 50.000 Stellen will allein die amerikanische Großbank Citigroup streichen; an der Wall Street in New York könnten bis zu 200.000 Bankangestellte ihren Job verlieren.

Verängstigte Studenten kommen jetzt fast täglich in die Jobberatungen von Camila de Wit, der Leiterin des Career Services der spanischen Business School ESADE in Barcelona, die vom amerikanischen Magazin Business Week gerade zu einer der zehn besten Schulen außerhalb der USA gewählt wurde. "Das Karriereziel Investmentbanker in New York ist erst einmal gestrichen", sagt sie. Die MBA-Studenten müssten jetzt realistisch werden und ihre Jobwünsche in eine andere Richtung ausdehnen. Auf ihren Career Center komme viel Arbeit zu, weil die Mitarbeiter sich auf die Suche nach neuen Karrierechancen für die Absolventen machen müssen.

Camila de Wit sieht mehrere Entwicklungsmöglichkeiten: "Wir sehen verstärkt Karrierechancen in Afrika und Lateinamerika, aber vor allem in Asien und in den arabischen Ländern. Außerdem werden jetzt andere Industrien wichtiger, darunter die Pharmaindustrie oder der Energiesektor." Auch Jobs in den Medien, in der Konsumgüterindustrie und in Non-Profit-Organisationen spielten eine größere Rolle als zuvor.

De Wit gibt sich zuversichtlich. Wichtig sei es vor allem, die MBA-Programme so auszurichten, dass eine solche Finanzkrise künftig verhindert werde und die Führungskräfte ihre Verantwortung wahrnehmen.

ESADE hat die Krise einen Bewerbungsboom beschert. Die Zahl der Bewerber an der spanischen Eliteschule steigt, darunter viele Banker, die sich umorientieren wollen und das MBA-Programm als Sprungbrett für einen Karrierewechsel sehen. 50 Prozent mehr Bewerbungen im Vergleich zum Vorjahr sind in diesem Herbst an der Schule eingegangen.