Der MBA bringt berufliche Karrieren voran, doch er ist auch Teil persönlicher Erfolgsgeschichten. "Der Führerschein für Manager" eröffnete auch Ulrich Steinert, Mitglied des Vorstands beim Baukonzern Strabag AG, neue Perspektiven.

Ein ganzes Jahr ohne Arbeit? Frei sein für 365 Tage? Was fängt man an mit dieser Zeit? Einige entscheiden sich für ein Sabbatical, andere gehen segeln oder lesen die Gesamtausgabe von Schopenhauers Werken. Auch Ulrich Steinert, von Haus aus Bergingenieur, stand vor dieser Frage und einer schier unendlichen Fülle an Möglichkeiten.

Er hatte seinen Job als Geschäftsführer der Norddeutschen Mischwerke GmbH & Co KG in Berlin aufgeben müssen, nachdem das Unternehmen verkauft worden war. Das Management wurde - wie so oft - neu besetzt; Steinert bekam ein Jahr lang Wettbewerbsverbot, er durfte also zwölf Monate lang nicht mehr in seinem angestammten Geschäftsfeld arbeiten. Plötzlich hatte er Zeit. Was anfangen?

Der Ingenieur entschied sich - 24 Jahre nach seinem Diplomabschluss - für ein MBA-Studium an der ESCP-EAP Wirtschaftshochschule Berlin . Recht ungewöhnlich für einen fast 50jährigen, der schon mit 35 Jahren Geschäftführer eines Unternehmens geworden war und eigentlich doch wissen müsste, wie Wirtschaft funktioniert. Während seines ganzen Berufslebens war es immer nur um Baustoffe gegangen, um Baumaschinen, Steinbrüche und Transportwege.

"Ich habe zwar in meiner Karriere viel erreicht, wollte aber immer mehr wissen", sagt Steinert. Mehr wissen über neue Managementmethoden, Organisationsformen, Präsentationsmethoden und interkulturelle Zusammenarbeit. Die Berliner MBA-Schule hat er unter vielen MBA-Programmen ausgewählt, weil ihn das Programm reizte - die Schule hat fünf Campi in Europa, in Paris, London, Turin, Madrid und Berlin; dazu gibt es Auslandsaufenthalte an renommierten Universitäten in Asien und Amerika und Workshops in internationalen Unternehmen.

Stolz zeigt Steinert heute seine Master Thesis vor. Im Juni hat er nach 18 Monaten den European Executive MBA abgeschlossen; gleich zu Jahresbeginn begann er in seinem neuen Job als Vorstandsmitglied bei der Strabag AG in Köln, einem der größten europäischen Baukonzerne mit 57 000 Mitarbeitern. Eine Doppelbelastung, die er managen konnte, weil ihm die Firma entgegen kam, denn Steinert arbeitete Teilzeit, bis er mit dem Studium fertig war.

Vorstandsmitglied wäre er auch ohne den neuen Titel geworden, obwohl der MBA ihm intern schon Respekt einbringe, wie er sagt. Für den Ingenieur, der an der RWTH Aachen studierte, ist der MBA eher eine persönliche Erfolgsgeschichte, die ihn aus eingefahrenen Bahnen herausgeholt hat und ihm neue Perspektiven ermöglichte.

Da hatte einer jahrelang in derselben Branche gearbeitet und fand sich plötzlich in einem Seminarraum wieder mit Kommilitonen aus vielen Nationen, meist jünger als er selbst. Mit Leuten aus der Automobil- und Flugzeugbranche, mit Sportlern, Juristen, Architekten und sogar einem Astronauten. "Da treffen Sie Leute, die fünf Sprachen sprechen." Und ganz anders arbeiten.