Studiengänge für Kreative – Seite 1

Wird jeder Musikstudent später Berufsmusiker? Finden Kunststudenten wirklich nur fachfremde Jobs? Ein Guide für angehende Designer, Fotografen und andere kreative Seelen

Bachelor

Kunst

Was gehört dazu?

Allgemeine Studiengänge wie Freie Kunst und Bildende Kunst, aber auch spezielle wie Malerei, Restaurierung, Bildhauerei, Keramik, Fotografie, Glas- oder Goldschmiedekunst.

Wo studiert man das?

An einer der knapp 30 staatlichen Kunsthochschulen und Kunstakademien, außerdem an privaten Hochschulen. Manchmal gibt es in den ersten vier Semestern ein gemeinsames Grundstudium aller künstlerischen Studiengänge – erst danach konzentriert man sich auf seine Richtung.

Wie bewirbt man sich?

In der Regel muss man eine Mappe mit 15 bis 40 kleinen künstlerischen Arbeiten einreichen. Viele Hochschulen bieten im Vorfeld Sprechstunden zur Mappenberatung an – diese sollte man unbedingt nutzen. Wer dank seiner Mappe zur Aufnahmeprüfung eingeladen wird, muss dort oft gestalterische Aufgaben lösen, zum Beispiel nach Modell zeichnen und seine Mappen-Arbeiten erläutern. Auch ein Gespräch mit Professoren gehört fast immer dazu, beispielsweise darüber, was einen als Künstler inspiriert, womit man sich bisher auseinandergesetzt hat und wohin man sich entwickeln will.

Was wird man damit?

Die meisten versuchen, als selbstständige Künstler ihre Arbeiten auf dem Kunstmarkt anzubieten. Damit genug zu verdienen ist allerdings sehr schwierig. Freie Künstler arbeiten deshalb noch nebenher für Medien, Agenturen, in Galerien oder in der kulturellen Bildung. Oder sie gehen einem kunstfernen "Brotjob" nach. Bei der Wahl der Hochschule kann man darauf achten, ob Kurse angeboten werden, die sich mit Themen wie Selbstmarketing für Künstler befassen.

Hier geht es weiter:

Alle Kunsthochschulen: hochschulen-deutschland.org, dann "Kunsthochschulen" anklicken
Infoplattform: Tipps zu Mappengestaltung und Eignungsprüfung precore.net
Fachblog:
der-kunst-blog.info

Design

Was gehört dazu?

Die klassischen Felder sind das Kommunikationsdesign, wozu auch Grafikdesign gehört, Produkt- und Industriedesign. Durch die Digitalisierung werden Digital Design und Game Design wichtiger. "In 60 Prozent der aktuellen Stellenanzeigen für Designer geht es darum, etwas für das Internet, für Smartphones oder Tablets zu gestalten", sagt Andreas Maxbauer, Bildungsexperte bei der Allianz Deutscher Designer.

Wo studiert man das?

An Unis, FHs oder Kunstakademien. Viele Anbieter sind privat. "An staatlichen Hochschulen wird manchmal sehr theoretisch und etwas praxisfern, aber insgesamt hervorragend ausgebildet", sagt Maxbauer. Bei privaten Schulen komme bisweilen die künstlerische Ausbildung etwas kurz, dafür überzeugten das Netzwerk und die praxisorientierte Vorbereitung auf den späteren Beruf.

Wie bewirbt man sich?

Fast immer muss man eine Mappe mit eigenen Arbeiten vorlegen. "Bei den Studien-Informationstagen der Hochschulen kann man oft einen Professor bitten, einen Blick auf die Mappe zu werfen", sagt Maxbauer. Diese sollte noch keine fertigen Designarbeiten enthalten. Wichtig sei, Ideen zu präsentieren und Gespür für Stilmittel und Raumaufteilungen zu beweisen. Wird man zur Eignungsprüfung eingeladen, muss man zumeist vor Ort zeichnen und im Gespräch zum Beispiel erläutern, was man aus seiner Idee alles entwickeln könnte.

Was wird man damit?

Die meisten arbeiten erst mal als Angestellte in Agenturen oder als Produktdesigner in Fachabteilungen von Unternehmen. Viele Designer machen sich auch selbstständig – aber meist erst mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung.

Hier geht es weiter:

Infoplattform: Tipps für die Mappe und Erfahrungsberichte design-studieren.de
Fachblog:
Trends in Bereichen wie Kommunikationsdesign, Corporate Design und digitalen Medien werden vorgestellt und diskutiert designtagebuch.de

Theater

Was gehört dazu?

Schauspiel und Regie, aber auch Richtungen wie Dramaturgie, Puppenspiel, Tanz, Kostüm- und Maskenbild oder Lichtgestaltung.

Wo studiert man das?

Im deutschsprachigen Raum gibt es etwa 20 angesehene staatliche Schauspielschulen, etwa die Otto-Falckenberg-Schule in München oder die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Bei privaten Akademien sollte man darauf achten, dass das Studium staatlich anerkannt ist. Zur Schauspielausbildung gehört unter anderem die Arbeit an Mimik und Gestik, Sprecherziehung, Improvisation und Gesang und das Spiel vor der Kamera; oft ist sie mit Praktika an Theatern verbunden. Das Studium der Theaterwissenschaft, das viele Unis anbieten, ist keine Schauspielausbildung. Es geht dabei vielmehr um Geschichte, Theorie und Ästhetik des Theaters.

Wie bewirbt man sich?

An Schauspielschulen gibt es mehrstufige Auswahlverfahren, in denen man seine praktischen Fähigkeiten beweisen muss, also zum Beispiel vorspielt oder, wenn man Regie studieren will, Schauspieler anweist. Neben Talent zählen Erfahrung und Hartnäckigkeit – beim ersten Versuch haben die wenigsten Erfolg.

Was wird man damit?

Dramaturgen, Regisseure, Kostümbildner und Schauspieler arbeiten meist frei für verschiedene Theater oder für Film und Fernsehen. Manche sind auch fest in Theater-Ensembles eingebunden. Andere inszenieren eigene Aufführungen und bieten diese kleineren Kulturveranstaltern an. Zwischen den Engagements sind viele immer mal wieder ohne Beschäftigung. Häufig arbeiten Schauspieler nebenher als Sprecher für Hörspiele und Hörbücher oder synchronisieren Filme.

Hier geht es weiter:

Branchenportal: Überblick über die Angebote staatlicher und privater Hochschulen casting-network.com
DVD: Die Prüfung, Dokumentarfilm (2016) über die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule Hannover (16,49 €)

Film, Musik und Mode

Film

Was gehört dazu?

Die größten Einsatzfelder sind Regie und Kamera, aber auch Drehbucharbeit, Ton und Musik, Bildschnitt und digitale Bearbeitung gehören dazu. Erst studiert man die Grundlagen, dann einen Schwerpunkt. Richtungen wie Regie, Kamera oder Produktion werden teilweise auch als eigene Studiengänge angeboten.

Wo studiert man das?

Es gibt in Deutschland acht Filmhochschulen und -akademien, die zum internationalen Filmhochschulverband gehören. Sie haben gemeinsame Ausbildungsstandards. Dennoch gibt es Unterschiede. Das Studium an der Hamburg Media School sei zum Beispiel sehr durchstrukturiert, in Berlin an der DFFB habe man hingegen mehr Gestaltungsspielraum, sagt Janina Sara Hennemann vom Verbund deutscher Filmhochschulstudenten.

Wie bewirbt man sich?

Bei den Filmhochschulen reicht man meist einen eigenen Kurzfilm ein. In der zweiten Runde muss man weitere Aufgaben meistern, etwa in 48 Stunden einen Film zu einem vorgegebenen Thema drehen oder bei einer Regieprüfung etwas mit Schauspielern inszenieren. "Man sollte auf jeden Fall schon Praktika am Filmset gemacht haben", empfiehlt Hennemann. Diese Erfahrung helfe gegen unrealistische Erwartungen. "Manchmal haftet der Arbeit beim Film noch eine falsche Glamour-Vorstellung an."

Was wird man damit?

Im Idealfall arbeitet man für Film und Fernsehen an der Kamera, am Drehbuch oder als Regisseur. Meist startet man mit Assistenten-Stellen und arbeitet sich langsam hoch. Producer sind oft angestellt, im Bereich Regie und Kamera sind die meisten Freelancer.

Hier geht es weiter:

Filmstudenten-Portal: Mit Liste der Filmhochschulen und Infos zu Förderung und Festivals verbund-filmstudenten.de Onlineportal: Hinweise zu Förderung und Filmausbildung mit Linksammlung unter "Adressen", dann "Links" kinofenster.de

Musik

Was gehört dazu?

Alle Instrumente, aber auch Gesang, Dirigieren oder Musik- und Sound-Produktion. Im Musikstudium liegt der Schwerpunkt auf dem Musizieren, es geht aber auch um Musikpädagogik. Davon zu unterscheiden sind musikwissenschaftliche Studiengänge, die Musik und Musikgeschichte wissenschaftlich analysieren.

Wo studiert man das?

In Deutschland gibt es etwa 30 Musikhochschulen, Musikstudiengänge findet man aber auch an manchen Unis und FHs. Zudem gibt es viele kostenpflichtige private Musikakademien. Normalerweise hat man ein Hauptfachinstrument und ein Nebenfachinstrument. Sehr bedeutsam für die Studienwahl ist der Lehrer im Hauptfach, bei dem man Einzelunterricht erhält. Musik auf Lehramt kann man nicht nur an Unis, sondern auch an Musikhochschulen studieren.

Wie bewirbt man sich?

Entscheidend bei Instrumental- und Gesangsstudenten ist das Vorspielen beziehungsweise Vorsingen vor einer Auswahlkommission. Bewerber müssen Stücke aus verschiedenen Epochen vortragen. Für viele Studiengänge muss man zudem Klavier spielen können. Einige Hochschulen testen die Bewerber auch in Gehörbildung, Formenlehre und Musikgeschichte. Dafür gibt es häufig vor Ort Vorbereitungskurse – diese sollte man nutzen.

Was wird man damit?

Nicht jeder Musikstudent wird später Berufsmusiker, dafür gibt es nicht genügend Plätze in Orchestern, Chören, Theatern oder Opernhäusern. Viele arbeiten als private Musiklehrer oder an Musikschulen, einige machen auch Jobs im musiktechnischen Bereich, beispielsweise als Toningenieur, Produzent oder Sounddesigner.

Hier geht es weiter:

Infoplattform: die-deutschen-musikhochschulen.de
Konzerte:
Videos zeigen außergewöhnliche und interdisziplinäre Projekte von Musikhochschulstudenten auf konzertreihe.net

Mode

Was gehört dazu?

Mode- und Textildesign, aber auch Produktgestaltung, Bekleidungstechnik, Modemanagement oder Modejournalismus.

Wo studiert man das?

An Fachhochschulen und einigen wenigen Universitäten und Kunsthochschulen sowie an zahlreichen privaten Akademien. "Leider gibt es im Modebereich keine allgemeinen Ausbildungsstandards, also sollte man sich die Studienschwerpunkte bei jeder Hochschule ganz genau anschauen", rät Mara Michel, die Geschäftsführerin vom Verband Deutscher Mode- und Textildesigner.

Wie bewirbt man sich?

Bewerber für designorientierte Modestudiengänge müssen meist Arbeiten einreichen. Das können Zeichnungen sein (nicht nur zum Thema Mode!), manchmal aber auch andere Werke, etwa eine Häkelmütze oder eine Origamiarbeit. Häufig folgen Eignungsprüfungen, in denen man Aufgaben bearbeitet, zum Beispiel verschiedene Gegenstände in Kombination zeichnet. Zusätzlich gibt es oft Auswahlgespräche, in denen es um die Motivation für ein Modestudium geht.

Was wird man damit?

Manche arbeiten klassisch als Modedesigner – entweder angestellt, oder sie übernehmen als Freelancer Aufträge von Unternehmen. Jobs gibt es aber zum Beispiel auch als Stylist, im Trendmanagement, in der Modeillustration oder dort, wo Schaufenster oder Filmkulissen erstellt werden. Wer einen wirtschaftlichen Schwerpunkt gesetzt hat, kann ins Modemanagement oder den Vertrieb. "Man sollte bereits im Studium überlegen, wo man hinwill, und den Fokus entsprechend wählen", rät Mara Michel.

Hier geht es weiter:

Infoplattform: mode-studieren.de
Buch:
VDMD-Schulbuch vom Verband Deutscher Mode- und Textildesigner mit Auflistung aller Hochschulen (60 Euro; das Buch kann in Berufsbildungszentren kostenlos eingesehen werden)