Was man am Anfang des Studiums braucht: Freunde, Geld, Wohnung, Stundenplan. Was man hat: Panik. Was wir haben: die Antwort auf alle wichtigen Fragen.

Ich habe noch kein Zimmer!

Wer kurz vor dem Semesterstart noch ohne Bleibe ist, kann beim Studentenwerk nachfragen. In Städten mit großer Wohnungsknappheit gibt es Notunterkünfte: In Freiburg beispielsweise kostet die Nacht auf dem Feldbett acht Euro. Kurz vor dem Einzug muss man sich registrieren lassen und eine Kaution bezahlen. So kann man die Zeit überbrücken, bis man etwas Richtiges gefunden hat. Auch über zwischenmiete.de kann man versuchen, ein Zimmer für ein paar Wochen zu bekommen und sich so Luft zu verschaffen. Nicht nur auf großen Portalen suchen: In kleineren Städten läuft viel über Online-Pinnwände auf den Seiten der Hochschulen. Die Wohnungsnot hängt auch damit zusammen, dass alle in die angesagten Viertel ziehen wollen – es lohnt sich also, etwa in Berlin nicht nur in Friedrichshain zu suchen, sondern auch im Wedding. Übrigens: Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Fühlt man sich gar nicht wohl, kann man also schnell wieder ausziehen.

Ich kenne hier keinen!

Das geht vielen so: Abiturienten verlassen für ihr Studium häufig ihre Heimatstadt. Doch schon in der Orientierungswoche lernt man viele Leute kennen, genau wie beim Sport, bei der Studentenzeitung oder im Chor. Besonders schnell findet man Anschluss, wenn man Aufgaben übernimmt, zum Beispiel die Fachschaftsparty mitorganisiert. Im ersten Semester sollte man viel Zeit mit den neuen Mitbewohnern und Kommilitonen verbringen. Verschwindet das Gefühl der Einsamkeit auch nach Monaten nicht, kann man sich an die psychosoziale Beratungsstelle der Hochschule wenden. In manchen Städten gibt es die "Nightline", ein anonymes Zuhörtelefon von Studenten für Studenten.

Ich weiß nicht, wovon die reden!

Dogmatik? Analogie? Positives Interesse? Dass man am Anfang nur Halbsätze versteht, ist normal. Jede Wissenschaft hat ihre Fachsprache mit speziellen Begriffen. Man lernt sie in Einführungsvorlesungen, in Tutorien und mithilfe von Einführungsliteratur. Ist etwas trotzdem nicht klar, kann man ruhig nachfragen – wahrscheinlich interessiert es die anderen auch. Hat man die Wahl, sollte man Veranstaltungen bei Dozenten belegen, die gut unterrichten. Das bekommt man raus, indem man ältere Studenten fragt oder darauf achtet, wer schon Preise für gute Lehre gewonnen hat. Letztlich gilt für die Fachsprache das Gleiche wie für eine Fremdsprache: Man muss die Vokabeln lernen.

Ich habe noch keinen Stundenplan!

Das wird sich schnell ändern. In Fächern wie Medizin oder Physik ist der Stundenplan oft vorgegeben, auch an FHs steht vieles fest. In anderen Fächern, vor allem in den Geisteswissenschaften, haben die Studenten dagegen Spielraum. Ganz frei sind sie aber nicht. In der Studien- und Prüfungsordnung steht, welche Module man bis wann belegt haben sollte. Oft kann man für ein Modul zwischen verschiedenen Veranstaltungen wählen. Im Vorlesungsverzeichnis ist aufgeführt, was alles angeboten wird. Mithilfe dieser Infos baut man den Stundenplan. Dabei helfen oft ältere Studenten und Studienberater in der Orientierungswoche. Bei Fragen rund um die Studien- und Prüfungsordnung kann man das Prüfungsamt fragen. Studienberater empfehlen, sich nicht zu überfordern: Bei zehn Veranstaltungen pro Woche ist man mit Vor- und Nachbereitung schnell bei einer 40-Stunden-Woche.

Das Geld reicht nicht!

Nur noch Dosenravioli zu essen ist keine Lösung. Besser, man wendet sich an die Sozialberatung des Studentenwerks. Dafür muss man nicht erst komplett pleite sein. Die Berater sprechen die Ein- und Ausgaben mit einem durch, klären, ob man Wohngeld oder doch noch Bafög beantragen sollte, ob ein Nebenjob oder ein Studienkredit infrage kämen. Wichtiger, als beim Essen zu sparen, ist es, laufende Kosten zu senken, zum Beispiel indem man sich vom teuren Auto trennt, bei hohen Mietausgaben nach Alternativen sucht, den Strom- und Gasanbieter wechselt und einen günstigen Handytarif wählt. Man kann sich übrigens auch noch während des Studiums für ein Stipendium bewerben. Nicht immer geht es dabei um überdurchschnittlich gute Noten. Viele Stiftungen fördern besondere Zielgruppen wie etwa Frauen in naturwissenschaftlichen Studiengängen.

Mathe macht mich fertig!

Wer Betriebswirtschaft, Maschinenbau oder Physik studiert, wird mit Mathe gerechnet haben, doch auch angehende Psychologen, Politikwissenschaftler und Soziologen müssen sich damit auseinandersetzen, zum Beispiel um Studien anfertigen oder lesen zu können. Mathe zu schaffen ist keine Frage des Talents, sondern der Disziplin. Damit man bei Vektoren oder Statistik dranbleibt, sollte man die Mathe-Veranstaltung regelmäßig besuchen und die Übungsaufgaben wirklich selbstständig lösen. An vielen Universitäten und Fachhochschulen gibt es bereits vor Studienbeginn sogenannte Brücken- oder Vorkurse, in denen man seine Mathe-Kenntnisse auffrischen oder vertiefen kann. Während des Studiums werden oft vorlesungsbegleitende Tutorien angeboten. Darüber hinaus kann man sich mit anderen zu einer Lerngruppe zusammenschließen. Auch Lernvideos auf YouTube, zum Beispiel von The Simple Club, haben mittlerweile jede Menge Fans. Und selbst wenn man einmal durchfällt, ist das noch kein Grund zur Panik: In der Regel hat man drei Versuche, um eine Prüfung zu bestehen. Gerade in Studiengängen wie Psychologie, in denen man nur einige wenige, dafür aber schwierige Klausuren mit Mathe-Bezug hinter sich bringen muss, sollte man sie nicht aufschieben, sondern lieber an den Anfang legen. Dann ist der Mathe-Unterricht aus der Schule noch nicht so lange her.

Womit soll ich anfangen?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2017/18.

Im ersten Semester bekommen Studenten oft Panik, weil sie denken, sie müssten jede Literaturliste komplett durcharbeiten und alles lesen, was der Prof erwähnt. Nach und nach lernt man, welche Texte wirklich wichtig sind und welche man nur querlesen muss, wie man sich auf Klausuren vorbereitet und dass Pausen auch zum Lernen gehören. Vielen hilft es, immer zur selben Zeit anzufangen, sich einen Lernplan zu schreiben und dabei genügend Zeit für Wiederholungen einzuplanen. Eine Zusammenfassung oder Karteikarten mit den wichtigsten Begriffen zu schreiben bringt meist mehr, als einen Text wieder und wieder zu lesen. Um später auch in der Klausurenphase und bei Prüfungen die Nerven zu behalten, ist es sinnvoll, von Anfang an Entspannungstechniken einzuüben. Beim Hochschulsport gibt es dafür Angebote. Viele Unis bieten auch Kurse zum Zeitmanagement und zum wissenschaftlichen Schreiben an – und manchmal sogar eine "Lange Nacht der (aufgeschobenen) Hausarbeiten", bei der man zusammen mit anderen bis in die späten Abendstunden hinein Liegengebliebenes anpackt und sich beraten lassen kann. Es ist sinnvoll, auch fürs gesamte Studium einen groben Zeitplan aufzustellen und sich zu überlegen: Wann mache ich wo ein Praktikum, oder wann ist ein Praxissemester vorgesehen? Möchte ich ins Ausland? Um im Laufe des Studiums keine verpflichtenden Kurse zu verpassen, hilft es, ab und an einen Blick in die Prüfungsordnung zu werfen. Man sollte sich aber nicht verrückt machen lassen und vor allem das soziale Leben nicht vergessen. Es geht beim Studieren schließlich nicht um einen Geschwindigkeitsrekord. Und die Regelstudienzeit halten ohnehin nur rund 40 Prozent aller Studenten ein.