Das Abi ist zu schlecht, ein Studium viel zu teuer? So manche Annahme fühlt sich richtig an, führt aber in die Irre. Stell sie auf den Prüfstand

"Mit meinem schlechten Abi kann ich nicht studieren"

Ein schlechtes Abi kann ein Hinweis darauf sein, dass du dir nicht gern theoretisches Wissen aneignest. Dann ist vielleicht eine Ausbildung die bessere Wahl. Aber: Hochschule ist nicht gleich Schule. An der Uni kannst du ein Fach wählen, das dich wirklich interessiert, vielleicht sogar begeistert. Dafür zu lernen fällt leichter. Wichtiger als ein super Abi-Schnitt ist die Fähigkeit, sich die Zeit und den Lernstoff gut einzuteilen. An den Hochschulen gibt es außerdem Hilfe, "Brückenkurse", die dich in Mathe fit machen, oder Schreibwerkstätten, bei denen du Tipps zum Verfassen von Hausarbeiten bekommst. Finde erst einmal heraus, was genau die Anforderungen deines Wunschfachs sind, sprich mit Studenten und setze dich in Vorlesungen. Für viele Fächer gibt es auch spezielle Eignungstests im Netz.

"Jetzt, wo ich das Abi habe, muss ich auch studieren"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2018/19, der am 8. Mai 2018 erschienen ist.

Es widerstrebt uns, etwas nicht zu nutzen, was uns zusteht – besonders wenn wir so hart dafür gearbeitet haben wie für die Hochschulreife. Frag dich trotzdem: Was passt am besten zu mir? Womit werde ich glücklich? Von vornherein Möglichkeiten auszuschließen ist schade. Schließlich sind auch viele Ausbildungen für Abiturienten interessant. Gut jeder vierte Azubi in Deutschland hat die Hochschulreife, in manchen Berufsfeldern (zum Beispiel Verwaltung, Versicherung, Informatik und Werbung) liegt der Anteil sogar bei mehr als 50 Prozent. Vorteile bringt dir das Abi auch dann, wenn du nicht studierst. So können Azubis mit Abitur ihre Ausbildungszeit häufig verkürzen, außerdem stehen ihnen spezielle Ausbildungen offen, bei denen man Zusatzqualifikationen erwirbt. Und wenn du hinterher doch noch studieren willst, kannst du das immer noch tun.

"Ein Studium kann ich mir nicht leisten"

Eine Wohnung, Essen, Lehrbücher ... was das alles kostet! Ja, was denn? Das solltest du durchrechnen, bevor du aus Geldgründen auf ein Studium verzichtest. Gut 800 Euro gibt ein Student im Schnitt monatlich aus, am meisten davon zahlt er für Miete (323 Euro). Durch die geschickte Wahl des Studienorts lässt sich der Betrag aber senken. WGs sind billiger als eine eigene Wohnung, am günstigsten wohnt es sich im Studentenwohnheim.

Das Geld, das Studieren trotz allem kostet, lässt sich auch aufbringen, wenn deine Eltern dich nicht unterstützen, zum Beispiel mithilfe von Kindergeld, Studentenjobs, Stipendien (nicht nur für Überflieger!) und Bafög. Hast du mit deinem Bafög-Antrag Erfolg, bekommst du sogar Geld geschenkt, denn die Hälfte der Summe musst du nicht zurückzahlen. Übrigens: Du kannst dich von Finanzexperten des Studentenwerks beraten lassen, wie du als Student über die Runden kommst. ("Sozialberatung" nennt sich das, du musst aber kein Sozialfall sein, um den Service zu nutzen.)

"Für mein Wunschfach reicht mein Schnitt nicht"

Das kann natürlich sein. Besonders in Medizin und Psychologie liegt die Latte hoch. Grundsätzlich gilt aber: Schau lieber dreimal hin, ehe du kapitulierst. Das Zulassungssystem in Deutschland ist so verworren, dass man leicht Möglichkeiten übersieht. Es kann zum Beispiel sein, dass dein Schnitt an deiner Heimat-Uni für dein Wunschfach zu schlecht ist, an anderen Unis in Deutschland aber nicht. 

"Die Uni-Welt passt nicht zu mir"

Du hast Angst, dass du dich an der Uni fremd fühlst? Vielleicht möchtest du als Erster in deiner Familie studieren und bist unsicher, weil deine Eltern dich nicht mit ihren Erfahrungen unterstützen können? Das geht vielen ganz genauso! Knapp die Hälfte aller Studenten hat Eltern, die nicht studiert haben. Ob du an der Uni richtig bist, hängt nicht von deinem Elternhaus ab, sondern davon, ob du Dingen auf den Grund gehen willst und dich in den Stoff hineindenken kannst. Austausch mit anderen Studenten aus Nicht-Akademikerfamilien findest du bei arbeiterkind.de.