Haben Geisteswissenschaftler es schwerer als andere?

Zumindest wird ihnen beim Berufseinstieg mehr Tatkraft und Ausdauer abverlangt. Es fängt damit an, dass kaum Stellen speziell für Geisteswissenschaftler ausgeschrieben werden. Ihnen steht zwar eine Fülle von Jobs offen, da sie über wichtige Fähigkeiten verfügen: Sie können sich zum Beispiel schnell in neue Themen einarbeiten und gut kommunizieren. Solche Kompetenzen sind an vielen Stellen nützlich, egal ob in Behörden oder Forschungsinstituten, in Parteien, Nichtregierungsorganisationen oder Unternehmen, etwa in Presse- und Personalabteilungen, im Marketing oder im Projektmanagement. Aber um an die Jobs zu gelangen, müssen die Bewerber den Arbeitgebern erst mal erklären, was sie konkret für sie tun können. Geisteswissenschaftler müssen sich also besonders gut selbst vermarkten.

Studien zeigen überdies, dass es bei vielen einige Jahre dauert, bis sie eine dem Hochschulabschluss entsprechende berufliche Position erreicht haben. Es ist dagegen ein Gerücht, dass Geisteswissenschaftler später alle arbeitslos werden. Bei Historikern zum Beispiel liegt die Arbeitslosenquote bei 4,9, bei Sprach- und Literaturwissenschaftlern bei 2,8 Prozent und damit unter dem Schnitt der Gesamtbevölkerung.

Werden Roboter uns die Jobs wegnehmen?

Irene Bertschek, 52, leitet den Bereich Digitale Ökonomie am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung:

"Fast jeder zweite Job soll durch die Digitalisierung bedroht sein. Das war das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie, die viele aufgeschreckt hat. Es klingt düster, und zum Glück ist es so pauschal auch falsch. Andere Studien kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Arbeitsplätze verloren gehen können, allerdings in deutlich geringerem Umfang. Akademiker sind zudem am wenigsten betroffen, denn ihre Berufsbilder sind besonders komplex. Selbst wenn einige Tätigkeiten aus ihrem Berufsfeld automatisiert werden, verschwindet nicht gleich der ganze Beruf. So können zum Beispiel viele Gegenstände mit Unterstützung eines Softwarealgorithmus automatisch produziert werden. Das Design und die Wahl der Materialien lassen sich aber nur schwer automatisieren, dazu bedarf es der Industriedesigner und Ingenieure.

Gerade für Hochschulabsolventen ergeben sich durch die Digitalisierung auch viele Chancen, denn analytisches Denken und die Fähigkeit, Neues zu lernen, werden wichtiger, und darin sind sie überdurchschnittlich gut. Auch soziale und interkulturelle Kompetenzen gewinnen an Bedeutung, weil wir im Arbeitsalltag immer intensiver mit Kollegen oder Kunden in der ganzen Welt kommunizieren. Ideal für die Arbeitsmarktchancen ist es, wenn man mit großen Datenmengen umgehen kann und die Technologien kennt, um diese zu analysieren. Neben technischem Wissen braucht man dafür auch Methoden- und Fachkenntnisse. Aus der Nachfrage nach Datenexperten heraus ist mit dem Data-Scientist sogar ein neuer Beruf entstanden."