Eine Expertin sagt, ob es hält, was es verspricht.

ZEIT Campus: Frau Krone, ist ein duales Studium besser als ein normales?

Sirikit Krone: Das kann man nicht pauschal beantworten. Wenn man Wert auf Praxis legt und trotzdem einen akademischen Abschluss haben möchte, ist es eine reizvolle Kombination. Wenn man jedoch tiefer in die Wissenschaft einsteigen will, sollte man besser einen herkömmlichen Studiengang belegen.

ZEIT Campus: Warum ist das duale Studium dann derzeit so angesagt?

Krone: Wenn es gut läuft, profitieren beide Seiten: Für die Studenten ist es attraktiv, weil sie Geld verdienen, betreut werden und schon eine Stelle in Aussicht haben. Kleine und mittelständische Unternehmen auf dem Land nutzen es, um guten Nachwuchs zu finden und an sich zu binden.

ZEIT Campus: Weil sich die Studenten verpflichten müssen, nach dem Abschluss zu bleiben. Ist das okay?

Krone: Es verengt natürlich die Perspektive. Bindungsklauseln an sich sind rechtlich auch nicht erlaubt, das Unternehmen kann nur Kosten zurückfordern, wenn jemand frühzeitig gehen will. Die dualen Absolventen sind allerdings so beliebt, dass sie manchmal ein anderes Unternehmen abwirbt und die Kosten übernimmt.

ZEIT Campus: Wie behandeln Unternehmen ihre Studenten?

Krone: Die soziale Kontrolle ist hoch: Viele müssen während des Studiums sogar regelmäßig ihre Noten vorlegen. Aber aus Umfragen wissen wir, dass viele es gut finden, weil sich jemand für sie interessiert und sie nicht in der Masse untergehen.

ZEIT Campus: In aktuellen Studien klagen Studenten, dass sich Firma und Hochschule nicht absprechen.

Krone: Das stimmt, das ist ein großes Problem. Explizit für das duale Studium gibt es keine gesetzlichen Grundlagen. Der Begriff "duales Studium" ist nicht einmal geschützt. Manchmal ist an einer Hochschule gar nicht bekannt, wer dual studiert! Oft werden Theorie und Praxis nicht aufeinander abgestimmt, und die Studierenden müssen selbst sehen, wie sie Lernen und Arbeiten vereinbaren.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2018/19.

ZEIT Campus: Wie erkennt man unter diesen Umständen ein gutes Angebot?

Krone: Indem man andere, die dual studieren, fragt, wie es läuft. Man sollte auch bei der Hochschule nachhaken: Gibt es Kooperationsvereinbarun-gen, einen Studienplan, schriftlich festgehaltene Standards? Und dann beim Unternehmen nach Ablaufplan, Urlaub und Vergütung fragen. Ich würde einen Studiengang wählen, zu dem eine Ausbildung gehört, weil es für Ausbildungen ge-setzliche Standards gibt.

ZEIT Campus: Verdient man als dualer Student ordentlich Geld?

Krone: Wer parallel zum Studium auch eine Ausbildung macht, bekommt meist ein Ausbildungsgehalt. Je nach Branche kann man davon leben oder auch nicht. Wenn zum Studium keine Ausbildung gehört und man nur Praxisphasen macht, kann man seine Vergütung verhandeln und sollte das auch tun. Selbst wenn man wenig verdient, handelt es sich immerhin um ein garantiertes, regelmäßiges Einkommen.

ZEIT Campus: Wie groß sind die Chancen, einen dualen Studienplatz zu bekommen?

Krone: Theoretisch steht das duale Studium jedem offen, praktisch regeln die Unternehmen den Zugang, weil man einen Ausbildungs- oder Praktikumsvertrag von ihnen benötigt, und sie suchen sich die Bewerber mit den besten Abiturnoten aus. Das duale Studium hat daher leider einen elitären Ruf. Wir wissen aber auch, dass die dualen Studenten häufig aus Nichtakademiker-Familien kommen.

ZEIT Campus: Aber duale Studenten mit Migrationshintergrund gibt es kaum. Wie kommt das?

Krone: Es könnte daran liegen, dass die Unternehmen Vorbehalte haben, oder aber daran, dass die Familien das deutsche Ausbildungssystem nicht gut genug kennen und lieber nur ein Studium für ihre Kinder wollen. Hier wäre mehr Offenheit schön.

ZEIT Campus: Wie geht es für duale Studenten weiter?

Krone: Die Absolventen arbeiten häufig an der Schnittstelle zwischen Management und Produktion, weil sie sich in beiden Bereichen auskennen.