Diese Merkmale zeichnen die beiden Hochschultypen aus

Unis und Fachhochschulen haben vieles gemeinsam: An beiden gibt es Bachelor- und Masterstudiengänge. An beiden sitzen die Studenten in Vorlesungen und Seminaren, schreiben Klausuren und Hausarbeiten, bekommen Creditpoints und Noten. An beiden macht man einen akademischen Abschluss – anders als bei einer Ausbildung oder an einer Fachschule. An beiden wird geforscht, an beiden gibt es gemeinsame Projekte mit Unternehmen. Unis wie auch FHs sollen ihren Studenten wissenschaftliches Denken beibringen und sind verpflichtet, sie mit dem Bachelor "beschäftigungsbefähigend" auszubilden.

Was also ist der Unterschied? Das Studium an der Uni ist "theoretisch", das an der FH "praktisch", lautet eine Faustregel. Streng genommen stimmt das nicht. Schließlich gibt es auch an Unis Praxisprojekte, auch an FHs lernen die Studenten theoretische Grundlagen. Als erster Hinweis hilft es aber durchaus weiter.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2018/19.

Professoren aus der Praxis

Zum Beispiel trifft man an der Uni auf Professoren mit einer Wissenschaftskarriere. Nach ihrer Doktorarbeit haben sie weitergeforscht, Tagungen besucht, Aufsätze in Fachzeitschriften veröffentlicht und viel Zeit in eine große wissenschaftliche Arbeit – die Habilitation – gesteckt. FH-Profs haben ebenfalls den Doktortitel, aber sie haben auch mindestens drei Jahre außerhalb der Hochschule gearbeitet, oft in Führungspositionen. Sie kennen also die Welt der freien Wirtschaft, und ihre Kontakte aus dieser Zeit kommen auch ihren Studenten zugute. An den meisten Fachhochschulen gehört außerdem ein Praxissemester zum Studium, das man in einem Unternehmen absolviert. Es zählt als Studienleistung und wird von Veranstaltungen an der Hochschule begleitet.

Anderes Fächerangebot

Fachhochschulen nennen sich selbst meist gar nicht "Fachhochschule", sondern "Hochschule für Angewandte Wissenschaften". In manchen Bundesländern ist das auch die offizielle Bezeichnung. Manche nutzen den Überbegriff "Hochschule". Ebenfalls gängig ist die englische Bezeichnung "University of Applied Sciences".

Normalerweise sind Fachhochschulen kleiner und überschaubarer als Unis, zumal sich die Studenten oft auf mehrere Standorte verteilen. Es gibt aber Ausnahmen. An der Technischen Hochschule Köln etwa lernen 25.000 Studenten, etwa fünfmal mehr als an der Technischen Uni Clausthal.

Ein weiterer Unterschied: Unis dürfen den Doktortitel verleihen. Bei FHs ist das nach wie vor die große Ausnahme. FH-Absolventen können trotzdem promovieren, sie brauchen dafür aber meist eine Uni, die ihr Vorhaben unterstützt.

Fachhochschulen bieten nicht alle Fächer an. Stark vertreten sind Wirtschafts-, Ingenieur- und Informatikstudiengänge, aber auch Architektur, Soziale Arbeit, Wirtschaftsrecht, Medienstudiengänge und Pflegewissenschaft. Naturwissenschaften kann man dort in angewandter Form studieren, also etwa Angewandte Chemie oder Biotechnologie. Klassische Natur- und Geisteswissenschaften findet man dagegen nur an der Universität. Auch wer Arzt oder Anwalt werden möchte, geht dorthin.