Wie Studium und Vorbereitungsdienst ablaufen

Lehrer wird man, indem man "auf Lehramt" studiert und danach einen Vorbereitungsdienst, das Referendariat, absolviert. Jedes Bundesland und jede Hochschule regelt die Ausbildung anders. In Sachsen gibt es Lehramt nur als Studiengang mit Abschluss Staatsexamen, in den anderen Bundesländern zusätzlich oder ausschließlich im Bachelor-Master-Modell. Manche Bachelorstudiengänge sind "polyvalent". Das heißt, sie sind so gestaltet, dass man erst im Laufe des Studiums entscheiden muss, ob man wirklich Lehrer werden will. Falls nicht, kann man auch einen fachwissenschaftlichen Master anschließen. Weil die Ausbildung so uneinheitlich ist, kann es schwierig werden, die Hochschule zu wechseln.

Man studiert in der Regel zwei Fächer: die zukünftigen Unterrichtsfächer. Lehrämtler besuchen die gleichen Kurse wie Studenten, die nicht Lehrer werden wollen, zum Beispiel in Germanistik und Mathe. Wie man den Stoff später Kindern oder Jugendlichen vermittelt, sollen sie in Seminaren zur Fachdidaktik lernen. Im bildungswissenschaftlichen Teil des Studiums beschäftigen sie sich mit Lernprozessen, Entwicklungspsychologie und Lerntheorien.

Unterrichten lernen

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2018/19.

Der Aufbau des Studiums hängt auch von der Schulform ab, in der man später unterrichten will. Jedes Bundesland regelt das etwas anders. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel wählt man Lehramt an Grundschulen, an "Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen", an "Gymnasien und Gesamtschulen", an Berufskollegs oder an Schulen mit sonderpädagogischer Förderung.

Die meisten Studenten entscheiden sich gleich zu Beginn des Studiums für eine Schulform. Davon hängt ab, wie viele Creditpoints sie in den drei Studienbereichen sammeln müssen. Angehende Grundschullehrer hören mehr Pädagogik, künftige Gymnasiallehrer eignen sich mehr Fachwissen an. Wer später eine Fremdsprache unterrichten will, verbringt bis zu ein Semester im Ausland. Bei den anderen Lehramtsstudenten ist ein solcher Aufenthalt eher die Ausnahme.

Fast überall gibt es Schulpraktika – manchmal dauern sie nur ein paar Wochen, manchmal mehrere Monate. Immer mehr Unis führen ganze Praxissemester ein. In Zentren für Lehrerbildung oder "Schools of Education" werden Lehrämtler zusammengeführt, um sie besser auf den Berufsalltag vorzubereiten. Deutsch als Zweitsprache gehört an vielen Unis inzwischen zum Pflichtprogramm für angehende Lehrer, denn an allgemeinen Schulen lernen zunehmend Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Um den angehenden Lehrern zu helfen, Kinder mit Behinderungen zu unterstützen, bieten immer mehr Hochschulen Lehrveranstaltungen zur Inklusion an.

Karriere für Lehrer

Nach dem Studium folgt das Referendariat. Dabei verbringen die künftigen Lehrer meist 18 Monate an einer Schule. Sie schauen sich Unterricht an, geben eigenständig Stunden und besprechen sich im "Studienseminar".

Die Berufschancen stehen gut: Wegen des Lehrermangels wird in bestimmten Fächern und Schulformen derzeit vor allem in Ostdeutschland beinahe jeder eingestellt und meist auch verbeamtet, der auf Lehramt studiert hat (zum Arbeitsmarkt für Lehrer siehe auch Seite 34). Ausnahme: Berlin verbeamtet keine Lehrer.

Sogar ein Quereinstieg in den Lehrerberuf ist möglich: Auch Masterabsolventen mit einem regulären Ein-Fach-Studium können teilweise zum Vorbereitungsdienst zugelassen werden, wenn sie das Studium eines weiteren Fachs nachholen. Fächer und Schulformen, in denen Lehrer gebraucht werden, stehen in den Lehrerbedarfsprognosen der Länder.

Auch Lehrer können Karriere machen: Nach einigen Berufsjahren können sie Stufen- oder Fachleiter werden, sich als Schulleiter bewerben oder im Schulministerium, in der Schulaufsicht oder in der Lehrerfortbildung arbeiten. Manche lassen sich auch an eine Uni abordnen, lehren dort und schreiben eine Doktorarbeit. Oder sie gehen an eine deutsche Schule im Ausland.