Darauf sollte man bei Spezialstudiengängen achten

Von Cybersicherheit über Biomedizintechnik und Automobilwirtschaft bis hin zu Umweltbildung, Gesundheitsökonomie oder Erneuerbaren Energien – es gibt mittlerweile eine große Anzahl spezialisierter Studienangebote. Wer will, kann sich sogar bis ins Detail festlegen und Fächer wie "Logistik und Management Frischprodukte" studieren.

Im Namen von Spezialstudiengängen klingt oft schon ein späteres Berufsfeld an. Wenn du zu den Abiturienten gehörst, die von Anfang an wissen wollen, was sie mit ihrem Studienabschluss einmal werden können, sprechen dich solche Angebote vielleicht besonders an. Zumal die Hochschulen bei Spezialstudiengängen gern mit guten Kontakten in die Berufspraxis werben.

Bevor du dich für ein solches Angebot entscheidest, solltest du jedoch drei Punkte prüfen. Erstens: Bist du sicher, dass du dich so früh auf ein eng umgrenztes Berufsfeld festlegen willst? Zweitens: Gibt es noch andere Wege, um die gewünschte Spezialisierung zu erreichen? Drittens: Entsprechen die Vorstellungen, die der Name des Studiengangs in deinem Kopf auslöst, der Realität?

Es gibt Alternativen

Mit der Wahl eines Spezialstudiengangs hast du von Beginn an ein klares Profil. Beim Berufseinstieg in deine Wunschbranche kann das nützlich sein. Andererseits grenzt du damit auch deine Jobmöglichkeiten ein. Das solltest du nur tun, wenn du überzeugt bist, dass du auch in ein paar Jahren noch unbedingt auf diesem Gebiet arbeiten willst. Überleg dir auch, was du tun würdest, wenn es in deinem Feld am Arbeitsmarkt mal nicht so gut läuft. Zwar ist es durchaus möglich, sich mit einem spezialisierten Studiengang auch in anderen Branchen einigermaßen gut zu schlagen, denn trotz ihres Namens vermitteln die Angebote oft auch Grundlagenwissen. Aber bei der Bewerbung wird es schwieriger: Wer sich mit einem Abschluss in Immobilienwirtschaft auf eine Stelle in der Automobilbranche bewirbt, gerät in Erklärungsnot. Steht dagegen einfach nur "BWL" auf dem Zeugnis, bist du flexibler.

Häufig gibt es alternative Wege zur gewünschten Spezialisierung, die dir mehr Zeit lassen, dich festzulegen. So setzt man in vielen "normalen" Studiengängen in den höheren Semestern des Bachelors ohnehin eigene Schwerpunkte. BWL-Stundenten konzentrieren sich dann zum Beispiel auf Controlling, Marketing, Steuern oder Finance, während Ingenieure unter anderem Luft- und Raumfahrttechnik, Materialwissenschaften oder Transport- und Verkehrstechnik wählen können.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2018/19.

Eine weitere Möglichkeit, sein Profil im Laufe eines regulären Studiengangs zu schärfen, besteht darin, die Praktika und Themen bei Seminararbeiten oder Forschungsprojekten passend zum Wunschgebiet auszuwählen. Und natürlich gibt es viele Masterprogramme, mit denen man sich nach dem Bachelor spezialisiert. Prüf also, ob es außer dem Spezialstudium weitere Möglichkeiten gibt, Experte in deiner Branche zu werden, und wäg dann die Vor- und Nachteile der jeweiligen Angebote gegeneinander ab.

Bevor du dich für einen Spezialstudiengang entscheidest, schau dir den Modulplan im Internet genau an. Er zeigt dir quasi die Zutatenliste deines Studiengangs. So kannst du erkennen, was alles auf dem Stundenplan stehen wird, und besser beurteilen, ob dir das wirklich gefällt.

Wichtig zu wissen: Es ist ein weitverbreitetes Prinzip, neue Studiengänge aus Bestandteilen zusammenzubauen, die es an der Hochschule bereits gibt. Ein Studium der Medizintechnik kann zum Beispiel vorsehen, dass die Studenten Vorlesungen in Informatik, Physik, Mathe, Medizin und Elektrotechnik hören – zusammen mit Studenten anderer Fachrichtungen, etwa Ingenieuren oder Medizinern. Zusätzlich gibt es dann noch einige Angebote speziell für Medizintechniker.

Angebote genau prüfen

Es ist also nicht so, dass alle Veranstaltungen ausschließlich auf dein Spezialfach zugeschnitten sind. Das ist nicht schlimm, entspricht aber oft nicht den Erwartungen. Also schau genau hin, was du bekommen wirst.