Ein Student erzählt, wie es sich anfühlt, wenn die Zusage für den Studienplatz auf sich warten lässt.

Ich sitze am Pool in Spanien, in einem Hotel in Lloret de Mar an der Costa Brava, die Sonne knallt mir ins Gesicht. Um mich herum Abiturienten bei ihrer Abi-Fahrt. Denen vertreibe ich die Zeit mit Beachvolleyball, Trinkspielen, Abtanzen im Club. Mein eigenes Abi ist ein Jahr her, jetzt bin ich Animateur. Ein Job, bevor die Uni losgeht. Wenn sie denn losgeht.

Einer fragt mich: "Und was machst du, ist das hier dein Beruf?" Die Frage ist mir ein bisschen unangenehm. "Nee", antworte ich. "Ich hab mich an der Uni beworben, was mit Medien, aber mein Schnitt ist nicht der beste."

Acht Bewerbungen habe ich am Laufen, alle in Richtung Medienkommunikation. Komme ich da mit meiner 2,8 irgendwo rein? Wird schon klappen. Gute Chancen rechne ich mir an der Hochschule Mittweida aus, da schauen sie nicht nur auf die Note. Man sollte seine Motivation begründen und Arbeitsproben einschicken. Ich habe ein gutes Gefühl.

Kurz vor der Deadline waren meine Bewerbungen alle abgeschickt, und ich flog an die Costa Brava. Nach drei Wochen frage ich mich nun, ob ich nicht langsam mal was hören sollte, wenigstens von ein oder zwei Unis. Ich habe mich in ganz Deutschland beworben, neben Mittweida auch in Düsseldorf, Osnabrück, Hannover, Salzgitter, Pforzheim, Würzburg und Köln. Langsam wüsste ich schon gern, wo ich lande. Irgendwann muss ich mir ja auch ein Zimmer suchen.

Das Gute ist: Wenn ich nach außen gute Laune verbreite, geht’s mir auch innerlich gut. Ja, ich genieße Spanien. Wenigstens bin ich hier abgelenkt. Wenn Unsicherheit aufkommt, schiebe ich sie weg. Meinen Eltern sage ich, dass ich auf jeden Fall irgendwo einen Platz bekommen werde.

Die Tage vergehen. Ich bespaße die Gäste und trinke Long Island Ice Tea. Noch immer keine Nachricht, auch keine Absage.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2018/19.

Zu meinem Job gehören Nachtwachen im Hotel. Zwischen vier und fünf Uhr früh bin ich ganz allein, sitze im Foyer, noch ein bisschen betrunken vom Abend, esse ein Sandwich, schaue auf die Monitore der Überwachungskameras. Gucke aufs Handy, ob was gekommen ist. Die Gedanken beginnen zu schwirren. Hab ich mir genügend Mühe mit der Bewerbung gegeben? Hab ich meine besten Arbeitsproben eingereicht? War ich leichtsinnig und hätte mich auch noch für andere Fächer bewerben sollen? In Mittweida füllen sich bestimmt schon die Wohnheime. Viele andere Studiengänge sind dort zulassungsfrei, da können sich die Studenten schon einschreiben. Und mir die Wohnheimplätze wegnehmen.

Auch tagsüber wandert mein Blick jetzt immer häufiger aufs Handy. Allerdings nur im Hotel, denn am Strand habe ich kein Internet. Auch im Hotel ist das WLAN so schwach, dass die Nachrichten erst Stunden später zu mir durchkommen. Irgendwann wird der Brief von der Hochschule bei meinen Eltern landen, und dann melden sie sich bei mir. Und wenn es dann eine Absage ist?

Eines Morgens Mitte August, ich liege noch im Bett, sehe ich, dass meine Mutter über WhatsApp ein Foto von einem geöffneten Brief geschickt hat. Aus Mittweida. Endlich. Es ist eine Zusage. Hey, Leute, ich hab’s ja gewusst!

Am Abend hole ich zwei Paletten Bier und gebe meinen Kollegen einen aus. Ein bisschen Zeit habe ich noch, die Sonne zu genießen und am Pool zu sitzen, bevor die Uni losgeht. Das erste Mal seit Langem bin ich dabei wieder wirklich entspannt.