Eine Studentin erklärt Module, Creditpoints und Semesterwochenstunden

ZEIT Campus: Elisabeth, du berätst an der Uni Regensburg Erstsemester bei der Studienplanung. Worauf sollte man achten, wenn man einen Stundenplan erstellt?

Elisabeth Perzl: Als Erstes lädst du am besten von der Uni-Homepage deine Studienordnung und die Beschreibungen der Module herunter, die du belegen musst. Im Vorlesungsverzeichnis kannst du nachschauen, welche Veranstaltungen in diesem Semester angeboten werden.

ZEIT Campus: Was ist denn ein Modul?

Perzl: Module gliedern das Studium in kleinere Einheiten. Jedes Modul hat ein Thema oder ein Lernziel und besteht aus mehreren Veranstaltungen.

ZEIT Campus: Das klingt kompliziert. Hast du ein Beispiel?

Perzl: Ich muss in meinem Fach Geschichte das Modul "Neuere und Neueste Geschichte" absolvieren, dazu gehören ein Seminar, eine Vorlesung und ein Methodenkurs. Ich interessiere mich vor allem für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und belege deshalb ein Seminar zur juristischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus nach 1945. Methodenkurs und Vorlesung verschiebe ich auf nächstes Semester, weil aktuell nichts Interessantes angeboten wird.

ZEIT Campus: Im Vorlesungsverzeichnis stehen ganz schön viele Kurse. Wo fange ich an?

Perzl: Such dir Veranstaltungen aus, die dich neugierig machen. Wähle ruhig auch Kurse zu Themen, von denen du noch keine Ahnung hast.

ZEIT Campus: Sind Veranstaltungen mit vielen Creditpoints schwieriger als andere?

Perzl: Nicht unbedingt schwieriger, aber aufwendiger. Creditpoints legen den zeitlichen Arbeitsaufwand für eine Veranstaltung fest. Ein Creditpoint entspricht ungefähr 25 bis 30 Arbeitsstunden. Wenn ein Kurs sechs Punkte hat, musst du dafür im Semester insgesamt 150 bis 180 Stunden Arbeit investieren. Dazu zählt aber nicht nur der Kurs, sondern auch die Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Stunden und das Lernen für die Klausur oder das Schreiben einer Hausarbeit.

ZEIT Campus: Wie realistisch sind diese Zeitangaben?

Perzl: Sie sind nur ein grober Anhaltspunkt. Manche brauchen mehr Zeit, andere weniger. Das liegt nicht nur am unterschiedlichen Arbeitstempo, sondern auch daran, dass viele Studiengangplaner den Aufwand zu niedrig oder zu hoch einschätzen. Im Laufe des Studiums bekommst du ein Gespür dafür, wie schnell du tatsächlich bist.

ZEIT Campus: Vor- und Nachbereitung kontrolliert aber ja keiner, oder?

Perzl: Mitarbeitsnoten gibt es nicht. Aber wenn du Texte liest und mitdenkst, nimmst du mehr Wissen mit. Das macht sich dann auch in deinen Noten bemerkbar. Und es macht mehr Spaß!

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2018/19.

ZEIT Campus: Neben den Creditpoints gibt es noch die Semesterwochenstunden. Was bedeuten sie?

Perzl: Sie sind ein Maß dafür, wie viele Stunden du pro Woche in einem Kurs sitzt. Ich würde mich beim Erstellen des Stundenplans allerdings vor allem an den Creditpoints orientieren. Wenn du im Schnitt Kurse im Umfang von etwa 30 Creditpoints im Semester belegst, hast du wahrscheinlich genug mit deinem Studium zu tun, aber bist nicht überfordert.

ZEIT Campus: Was mache ich, wenn ich merke, dass mein Stundenplan zu vollgepackt ist?

Perzl: Erst mal: keine Panik. Überlege dir, was du weglassen kannst. Besser, du bestehst am Semesterende zwei Klausuren, als bei fünf anzutreten und durchzufallen, weil es zu viel war. Wenn du schwierige Kurse belegen musst, wähle insgesamt weniger Veranstaltungen, damit du genug Zeit zum Vor- und Nachbereiten hast. Wenn du sehr viel länger brauchst als deine Kommilitonen, solltest du dich möglichst früh an den Fachstudienberater wenden.

ZEIT Campus: Und was passiert, wenn ich die Regelstudienzeit überschreite?

Perzl: Ein oder zwei Semester mehr sind nicht schlimm. In meinem Studiengang kenne ich niemanden, der es in der Regelstudienzeit schafft. Aber in zusätzlichen Semestern gibt es kein Bafög.