Soll ich ins Ausland gehen?

Österreich

Gut zu wissen: Rund 20 Prozent aller deutschen Studierenden an ausländischen Unis sind in Österreich eingeschrieben. Viele sind dort, um dem NC zu entgehen, den gibt es hier nämlich nicht. Noch ein Pluspunkt für das Studium im Nachbarland: Es gibt keine sprachlichen Barrieren.

Kosten:Studiengebühren muss man nur zahlen, wenn man die Regelstudienzeit überschreitet. Die Lebenshaltungskosten liegen durchschnittlich bei rund 850 Euro im Monat.

Hürden: Für das Medizinstudium gilt eine Quotenregelung: Etwa 75 Prozent der Plätze sind für Österreicher reserviert, 20 Prozent gehen an andere EU-Bürger und fünf Prozent an Nicht-EU-Bürger. Zusätzlich gibt es Aufnahmetests. Auch für beliebte Fächer wie Psychologie oder Kommunikationswissenschaft muss man ein Testverfahren durchlaufen.

Besonders: Es wird viel Wert auf akademische Titel gelegt, also besser einmal zu viel als zu wenig "Frau Professorin" oder "Herr Professor" sagen.

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Frankreich

Gut zu wissen: Neben den Hochschulen gibt es sogenannte Grandes Écoles, die meist auf eine oder nur ein paar Fachrichtungen spezialisiert und sehr angesehen sind.

Kosten: Die staatlichen Hochschulen erheben keine Studiengebühren, man zahlt lediglich im Schnitt 180 Euro jährlich für die Einschreibung, hinzu kommen 90 Euro für das Studentenwerk. An privaten Hochschulen liegen die Gebühren bei bis zu 15.000 Euro pro Jahr. Gut zu wissen: Jeder Studierende kann in Frankreich Wohngeld beantragen, auch wenn er aus dem Ausland kommt.

Hürden: Für viele Studiengänge reicht das Abi, es gibt aber Ausnahmen. Manche Studiengänge entscheiden dennoch nach Noten, wen sie zulassen. Gerade in Medizin, Psychologie, Jura und Sport kriegt nicht jeder einen Platz. Ausländische Studierende müssen in der Regel ihre Sprachkenntnisse nachweisen. Unterstützung bei der Bewerbung bietet Campus France Deutschland, eine Einrichtung der französischen Botschaft.

Besonders: Die Deutsch-Französische Hochschule, kurz DFH, ist ein Netzwerk, über das fast 200 Unis, FHs und Grandes Écoles Studiengänge anbieten, die zu einem Teil in Deutschland und zum anderen Teil in Frankreich absolviert werden.

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Niederlande

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2019/20. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Gut zu wissen: Die Niederlande haben an ihren Hochschulen ein großes Angebot an englischsprachigen Studiengängen.

Kosten: Die Studiengebühren liegen bei etwa 2000 Euro pro Jahr. Deutsche Studierende können ein Teilstipendium bekommen.

Hürden: Fast 90 Prozent der Studiengänge sind zulassungsfrei. Wenn Hochschulen mit zu vielen Bewerbern rechnen, kann ein "Numerus fixus" erlassen werden, dann wird per Auswahlprüfungen entschieden, wer einen Platz bekommt. Bei der Einschreibung für einen englischsprachigen Studiengang muss man Englischkenntnisse nachweisen, auch niederländische Sprachkenntnisse sind manchmal erforderlich.

Besonders: Die Studierenden haben mehrere kürzere Ferien und damit weniger Gelegenheit zu längeren Praktika als in Deutschland.

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Schweden

Gut zu wissen In Schweden gibt es zwei Arten von Hochschulen: Universitäten und University Colleges, an den Universitäten wird mehr geforscht. Kosten: EU-Bürger müssen normalerweise keine Studiengebühren zahlen. Zum Leben sollte man pro Monat mit mindestens 800 Euro rechnen. In Stockholm braucht man noch mehr.

Hürden: Die Kriterien für die Zulassung legt die Hochschule fest. Das können zum Beispiel der Notendurchschnitt, ein Test oder Arbeitsproben sein. Die Bewerbung zum Studium erfolgt über eine zentrale Plattform.

Besonders: Mensen wie an deutschen Universitäten gibt es in Schweden selten – nur vereinzelt gibt es Cafeterias. Professoren werden mit dem Vornamen angesprochen.

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USA

Gut zu wissen Außerhalb Europas sind die USA das häufigste Studienziel für Deutsche. Die Hochschulen sehen sich als Dienstleister, das zeigt sich in der guten Betreuung der Studierenden und den üppigen Ressourcen vieler Universitäten.

Kosten: Je nach Uni, Studiengang und Abschluss schwanken die Studiengebühren erheblich. Die Kosten liegen häufig zwischen 11.000 und 20.000 Euro pro Studienjahr. Stipendien vergeben zum Beispiel der DAAD und die Fulbright-Kommission.

Hürden: Um ein Studium aufnehmen zu können, muss man gute Noten, Empfehlungsschreiben, Essays, Sprachnachweise und Motivationsschreiben vorlegen. Häufig ist auch soziales Engagement gefragt. Zudem gilt es, Aufnahmeprüfungen wie ACT oder SAT zu bestehen.

Besonders: Die Hochschulen sind mit Mensen, Wohnhäusern, Fitnessstudios und manchmal sogar Supermärkten ausgestattet. Oft müssen Studierende den Campus gar nicht verlassen.

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Kanada

Gut zu wissen Der Bachelor dauert vier Jahre, davon sind die ersten Semester wie in den USA auch eher allgemeinbildend, fachlich spezialisiert man sich erst in den höheren Semestern.

Kosten: Ausländische Studierende müssen mehr zahlen als Kanadier: Die Gebühren für ein Studienjahr in einem Bachelorprogramm liegen durchschnittlich bei 15.500 Euro.

Hürden: Es gibt keine einheitlichen Zulassungskriterien, alles muss direkt mit der Wunschhochschule geklärt werden. Das bedeutet viel Recherche. Für englischsprachige Studiengänge muss man wie für Hochschulen in den USA meist einen TOEFL-Test oder IELTS machen, bei französischen Angeboten prüfen die Hochschulen ebenfalls, aber meist individuell. Zusätzlich können Motivations- und Empfehlungsschreiben verlangt werden. Für einige Fächer wie Medizin oder Jura braucht man einen Bachelorabschluss oder muss eine Zugangsprüfung ablegen.

Besonders: Ein Zimmer im Wohnheim kostet häufig genauso viel wie ein Einzelappartement. Am günstigsten sind WGs.

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Argentinien

Gut zu wissen Das Studium ist etwas anders gegliedert als in Deutschland. Das Grundstudium ("Licenciatura") dauert meist fünf Jahre. Mit dem Abschluss kann man den Master machen, aber auch eine Promotion beginnen.

Kosten: An den staatlichen Unis ist das Grundstudium in der Regel kostenlos.

Hürden: Das deutsche Abitur wird in Argentinien nicht immer anerkannt. Manche Studiengänge setzen etwa Fächer zur Geschichte Argentiniens voraus. Gegebenenfalls muss man solche Kurse nachholen und zusätzlich eine Zulassungsprüfung bestehen. Wenn der Studienaufenthalt länger als 90 Tage dauert, müssen internationale Studierende ein Visum beantragen. Die Kurse sind fast ausschließlich auf Spanisch, daher muss man auch Spanischkenntnisse nachweisen.

Besonders: Nach dem Abschluss des Studiums kann es bis zu einem Jahr dauern, bis das Zeugnis ausgestellt wird. Die Absolventen erhalten zunächst eine Bescheinigung über die Leistungen, die sie erbracht haben.

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Südafrika

Gut zu wissen Während des Studiums herrscht Anwesenheitspflicht, mindestens 80 Prozent der Zeit müssen Studierende vor Ort sein.

Kosten: Die Studiengebühren für internationale Studierende sind an manchen Hochschulen doppelt so hoch wie für Einheimische oder Studierende aus anderen afrikanischen Ländern. Sie schwanken zwischen circa 700 und 4000 Euro pro Jahr. Zusätzlich fallen in der Regel je nach Hochschule weitere Gebühren an.

Hürden: Zulassungsbedingungen wie Aufnahmetests kann jede Hochschule festlegen. Deutsche Abiturienten müssen zum Beispiel für manche Studienfächer nachweisen, dass sie Mathe, Physik oder Chemie als Abiturfächer hatten.

Besonders: Die beliebtesten Studiengänge in Südafrika sind Wirtschaftswissenschaften und Lehramt – fast die Hälfte aller Studierenden entscheidet sich für eines dieser beiden Fächer.

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Australien

Gut zu wissen Ein Studienjahr dauert in der Regel von Februar bis November. Zusätzlich zu Bachelor- und Masterabschlüssen kann man sogenannte kleine Abschlüsse machen: Das "Graduate Certificate" ist ein einsemestriges Aufbaustudium, das "Graduate Diploma" dauert ein Jahr.

Kosten: Die Studiengebühren unterscheiden sich je nach Uni und Studienfach. Für Geisteswissenschaften liegen sie bei etwa 9400 Euro, für Naturwissenschaften bei rund 15.700 Euro pro Jahr. Privat-Unis kosten bis zu 22.000 Euro. Ausländische Studierende zahlen im Schnitt 19.100 Euro pro Jahr. Für die Lebenshaltungskosten sollte man 1000 Euro im Monat einplanen.

Hürden: Ausländische Studierende müssen Sprachkenntnisse mit Zertifikaten wie TOEFL oder IELTS nachweisen. Teilweise wird auch ein früherer Aufenthalt in einem englischsprachigen Land anerkannt. Die Bewerbung für einen Studienplatz ist aufwendig. Gemeinnützige Vereine wie das Institut Ranke-Heinemann unterstützen kostenlos und vergeben Stipendien.

Besonders: Um das Studium zu beschleunigen, kann man an manchen Unis Intensivkurse in den Sommerferien belegen.

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China

Gut zu wissen Für einen Bachelorabschluss müssen Studierende vier bis sechs Jahre einplanen. Der Master dauert noch einmal zwei bis drei Jahre. Das Studienjahr in China dauert von September bis Juli und ist in zwei Semester unterteilt. Generell ist das chinesische System deutlich verschulter als in Deutschland. In den meisten Kursen herrscht eine strikte Anwesenheitspflicht.

Kosten: Chinesische Unis verlangen Studiengebühren, ein Bachelorstudium kostet jährlich 2000 bis 5000 Euro. Für medizinische und künstlerische Studiengänge zahlt man mehr. Englischsprachige Angebote sind oft teurer, internationale Studierende entrichten höhere Gebühren.

Hürden: Um zu einem chinesischsprachigen Studiengang zugelassen zu werden, muss man die Standardprüfung für modernes Hochchinesisch ablegen, kurz HSK. Zusätzlich können Unis Motivations- und Empfehlungsschreiben verlangen.

Besonders: Die Qualität der Hochschulen ist sehr unterschiedlich. Während einige dem DAAD zufolge zu den besten Universitäten der Welt zählen, erreichen andere nicht das Bildungsniveau deutscher Hochschulen.

Mitarbeit: Lara Malberger

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