Studienfinanzierung

ZEIT Studienführer: Marius, du kennst dich mit Themen wie Bafög und Jobben aus, an deiner Uni berätst du andere Studierende dazu. Worum muss man sich unbedingt rechtzeitig kümmern?

Marius Ziegenbein: Mit den Anträgen für Bafög und Stipendien sollte man früh anfangen. Wer zum Semesterstart im Oktober das erste Bafög bekommen will, sollte den Antrag möglichst schon im Juli stellen. Sonst kann es passieren, dass man die ersten Monate selbst finanzieren muss. Die Bearbeitung dauert nämlich circa vier bis zwölf Wochen.

ZEIT Studienführer: Der Bafög-Antrag gilt als Inbegriff der Bürokratie. Ist er wirklich so aufwendig?

Marius: Der erste Antrag kann ein bisschen anstrengend sein. Da muss man mit drei, vier Stunden rechnen. Aber wenn man den einmal fertig hat und sich die Vorlage abspeichert, ist es in den folgenden Jahren nur noch eine Geschichte von 20 Minuten.

ZEIT Studienführer: Start-ups wie DeineStudienfinanzierung werben damit, dass der Bafög-Antrag über sie bequemer und schneller geht. Stimmt das?

Marius: Solche Online-Angebote können praktisch sein, weil einem direkt gesagt wird, welche Unterlagen noch fehlen. Außerdem übersetzen die Anbieter den Antrag in eine einfachere Sprache, man muss sich also nicht mit Behördendeutsch herumschlagen. Aber wer die Fragen sorgfältig durchliest, kann das auch selbst hinbekommen.

ZEIT Studienführer: Mit Bafög-Rechnern im Internet kann man seine Aussichten auf Bafög abschätzen. Wie realistisch sind die?

Marius: Die sind zum Teil ziemlich realistisch. Nur verbringt man damit oft schon ein bis zwei Stunden. In dieser Zeit hat man ja schon die Hälfte eines richtigen Bafög-Antrags ausgefüllt und bekommt dann auch eine verbindliche Antwort.

ZEIT Studienführer: Welche Versicherungen braucht man?

Marius: Unverzichtbar sind die Kranken- und die Pflegeversicherung. Solange man nicht mehr als 450 Euro verdient und unter 25 Jahre alt ist, läuft das meistens über die Eltern. Ansonsten kostet die studentische Krankenversicherung um die 80 Euro im Monat. Man kann sie bei derselben Krankenversicherung beantragen, in der man bisher versichert war, das geht relativ einfach.

ZEIT Studienführer: Worum muss man sich noch kümmern?

Marius: Um eine Haftpflichtversicherung. Wenn es zu einem Schadensfall kommt, wenn ich etwa einen Teppich ruiniere, ist es eine Riesenerleichterung, das nicht komplett selbst zahlen zu müssen.

ZEIT Studienführer: Was muss man genau tun?

Marius: Zunächst mal checken, ob man bei den Eltern mitversichert ist. Das ist häufig der Fall. Der elterlichen Versicherung sollte man dann mitteilen, dass man jetzt studiert. Stellt sich heraus, dass man nicht versichert ist, sollte man eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen. Für Studierende gibt es sie schon ab drei bis vier Euro im Monat.

ZEIT Studienführer: Was muss ich beim Jobben bedenken?

Marius: Wer Bafög bekommt, muss darauf achten, weniger als 450 Euro im Monat zu verdienen, da ansonsten Teile des Bafög wieder gestrichen werden. Bei Stipendien ist das oft genauso, weil Stipendiaten sich ja dem Studium widmen sollen. Was toleriert wird, ist zusätzliche ehrenamtliche Arbeit. Es gibt aber auch zeitliche Begrenzungen.

ZEIT Studienführer: Welche?

Marius: Wenn man mehr als 20 Arbeitsstunden die Woche arbeitet, gilt man nicht mehr als Vollzeitstudierender und wird sozialversicherungspflichtig. Anders ist es, wenn man in den Semesterferien richtig viel arbeitet. Das wird meistens akzeptiert.

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ZEIT Studienführer: Was mache ich, wenn ich durch diese ganzen Vorschriften nicht durchblicke?

Marius: Fragen, fragen, fragen und um Hilfe bitten. Manchmal können schon Freunde oder Bekannte weiterhelfen. Wenn nicht, gibt es viele Anlaufstellen. Wir vom studentischen Bafög- und Sozialreferat in Ulm bieten Sprechstunden an, das gibt es auch an anderen Hochschulen. Bei Fragen zum Bafög kann man sich ans Bafög-Amt wenden. Auch die Studierendenwerke bieten Beratung rund um die Studienfinanzierung.