Ich bekomme ein Stipendium

Als ich mich im zweiten Semester für das Deutschlandstipendium bewarb, war ich unsicher, ob ich überhaupt eine Chance auf die 300 Euro habe. Mit 2,4 war mein Abi nicht gerade super. Im Studium war ich zwar besser, aber nicht spitze. Die Noten waren aber nicht das Wichtigste. Engagement zählte auch. Ich war in der Fachschaft aktiv und habe kirchliche Kindergruppen betreut. Bei mir hat auch die Familie eine Rolle gespielt: Vor vier Jahren ist mein Vater gestorben. Damit hatte ich sehr zu kämpfen, was sich auch auf mein Abi ausgewirkt hat.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Studienführer 2019/20. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Das habe ich im Motivationsschreiben kurz erklärt. Das Stipendium habe ich tatsächlich bekommen und damit sogar einen Nebenjob gefunden: Die Hälfte des Stipendiums zahlt eine Baufirma, die mir eine Stelle angeboten hat. Mit den 300 Euro, die ich dort verdiene, 150 Euro Waisenrente, Kindergeld und Stipendium komme ich auf 940 Euro im Monat. Das reicht, um sogar noch für Festivals zu sparen.

Lisa Pohler, 21, studiert an der Hochschule Karlsruhe Bauingenieurwesen

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Ich wohne gut und günstig

Obwohl Hamburg eine teure Stadt ist, komme ich mit den knapp 1200 Euro, die ich im Monat habe, gut zurecht. Das liegt vor allem daran, dass ich in einem Studentenwohnheim lebe. Für mein Zimmer in einer Sechser-WG zahle ich 320 Euro. Für Hamburg ist das günstig, zumal die Lage super ist. Mit meinen Mitbewohnern teile ich mir die Küche, ein Bad hat jeder in seinem Zimmer.

Klar, ein Wohnheim hat auch Nachteile. Es ist manchmal laut, auch dann, wenn man lernen muss. 580 Euro von meinem Einkommen sind Bafög. Außerdem bekomme ich Kindergeld, das sind rund 190 Euro. Um mir das restliche Geld zu verdienen, arbeite ich etwa acht Stunden pro Woche in einem Burgerladen. Ich bekomme 9,50 Euro die Stunde und etwa 110 Euro Trinkgeld im Monat. Um zu sparen, koche ich oft selbst. Wenn ich am Wochenende feiern will, gehe ich meist nicht in teure Clubs, sondern mit Freunden in günstige Bars.

Danilo Kryg, 24, studiert Soziologie und Lateinamerika-Studien an der Uni Hamburg

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Ich arbeite als Postbotin

Meine Kurse an der Uni Dortmund habe ich mir alle auf Montag bis Mittwoch gelegt, denn am Donnerstag, Freitag und Samstag arbeite ich den ganzen Tag. Mit einem Elektroauto der Post fahre ich durch die Kleinstadt Lüdinghausen und verteile Briefe und Pakete. 13,40 Euro bringt mir das pro Stunde. Lernen tue ich auf dem Weg dorthin, in der Bahn. Im Moment komme ich damit ganz gut klar, aber viel Freizeit bleibt mir nicht. Dafür sieht es auf meinem Konto gut aus.

Je nachdem, wie viele Stunden ich arbeite, habe ich pro Monat zusammen mit dem Kindergeld 1000 bis 1400 Euro. Meist spare ich sogar ein paar Hunderter für Reisen. Beim Essengehen und Feiern bin ich großzügig mit mir, dafür gehen schon mal 150, 200 Euro im Monat drauf. Sonst achte ich genau aufs Geld. Das Fitnessstudio habe ich gegen den Uni-Sport getauscht, und wenn ich mir Klamotten kaufe, verkaufe ich vorher etwas von meinen alten Sachen im Internet.

Franziska Dreisewerd, 20, studiert Lehramt an der TU Dortmund

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