Mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut ist er am Sonntag auf einem Gehweg in der Spandauer Schönwalder Straße gefunden worden. Die von Passanten alarmierte Feuerwehr brachte das zitternde und sich erbrechende Kind auf die Intensivstation. Gestern befand sich der Junge nicht mehr in Lebensgefahr und war wieder ansprechbar. Er wurde aber weiterhin im Krankenhaus behandelt.

"Ich bin sprachlos", sagte die Spandauer Jugendstadträtin Ursula Meys (SPD) dem Tagesspiegel. Sie habe in ihrer Amtszeit noch nie von einem ähnlich drastischen Fall gehört. "Wir prüfen derzeit, ob uns die Familie bekannt ist und werden unsere Hilfe anbieten."

Die Polizei ermittelt jetzt gegen eine Gruppe von 17- bis 19-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung. Sie sollen dem Kind den Alkohol gegeben haben. Der neunjährige Bruder war ebenfalls bei dem Trinkgelage auf einem Spielplatz dabei, nahm selbst aber keinen Alkohol zu sich. Die Polizei habe bereits mit den Eltern und dem Bruder des Jungen gesprochen, es werde aber nicht gegen sie ermittelt, hieß es. Als der Junge aufgefunden wurde, konnte er den Rettungskräften noch mitteilen, dass er das Wodka-Limonade-Gemisch von anderen Jugendlichen erhalten habe.

Inga Bensieck, stellvertretende Leiterin der Fachstelle Suchtprävention Berlin, geht von einem Einzelfall aus. "Trotzdem ist das Geschehene absolut dramatisch und ein deutliches Warnsignal." Generell würden zwar immer weniger Kinder und Jugendliche zum Alkohol greifen, aber diejenigen, die es tun, würden dabei sehr exzessiv vorgehen. "Das sogenannte Rauschtrinken ist ein Gruppenphänomen", sagt Bensieck. Wichtig sei es, Erwachsene so zu sensibilisieren, dass sie bei Alkoholmissbrauch durch Kinder eingreifen. "Es ist mir unverständlich wie jemand einfach vorbeigehen kann, wenn ein Siebenjähriger Alkohol trinkt."

Laut einer Studie der Fachstelle mussten im vergangenen Jahr 335 Jugendliche wegen Alkoholvergiftung in Kliniken behandelt werden. 2007 waren es noch 295. Insgesamt wurden 2008 mehr als 1200 alkoholisierte Jugendliche von Polizeibeamten aufgefunden, ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Im März 2007 war ein 16-Jähriger nach rund 40 Gläsern Tequila ins Koma gefallen und anschließend gestorben. Der Wirt wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Erschienen im Tagesspiegel vom 10.11.2009