"Mixtape! Yo, let's go, Sam, weil keiner mehr etwas kauft und ohne Kohle nix geht, machen Rapper jetzt Mixtapes, Paperchase". Diese Zeilen stammen aus einem improvisierten Sprechgesang vom Rapper Kool Savas. Er trat auf dem HipHop-Festival "Splash!" in Chemnitz auf, einem der größten Festivals Deutschlands. 25000 junger Leute mit weiten Hosen und Turnschuhen pflegen hier jedes Jahr für ein Wochenende den Kult der HipHop-Musik. Sie tanzen Breakdance und sprühen Graffiti, fahren Skateboard und üben sich im Platten auflegen.

Wenn es nach Stephan Habscheid und Jannis Androutsopoulos ginge, könnte man die Musik auf dem Splash!-Festival gleich weglassen. Allein die Sprache der Rapper interessiert die Chemnitzer Sprachwissenschaftler. Denn sie analysieren seit mehr als einem Jahr die Festival-Kommunikation: Wie reden Mitglieder der HipHop-Szene? Und wie spricht man sie an, wenn man ein Festival bewerben will?

Besonders der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit der "Splash!"-Organisatoren widmen sich die Wissenschaftler. Deren Besonderheit ist, dass sie nicht Mitarbeiter einer großen Konzertagentur sind, sondern selber aus der HipHop-Szene stammen. In ihrer Untersuchung geht es um die Frage, wie sich die Kommunikation in der HipHop-Szene durch die Professionalisierung des Festivals verändert. Außerdem ist für die Forscher interessant, wie die Organisatoren Jugendliche aus dem Kern der Szene ansprechen, aber auch solche, die nur entfernt mit HipHop in Verbindung stehen, begeistern.

Zu diesem Zweck haben Habscheid und Androutsopoulos die Werbeplakate der letzten sechs Jahre  analysiert. Dort sieht man männliche Künstler schwarzer Hautfarbe mit Mikrofonen, und andere, die in Gangstermanier posieren. Diese Werbung greift allgemeine Stilelemente der HipHop-Szene auf, etwa die Symbolik männlicher Dominanz oder Symbolfarben der Rastafaris, und begeistert doch ein breites Publikum. HipHop-Werte wie "Leistung und Erfolg, Coolness und Style, Körperlichkeit und sinnliche Erfahrung" seien wichtige Werbeelemente, sagt Habscheid. Sie sind der gemeinsame Nenner zwischen den allgemein jugendkulturell orientierten Mitläufern und den Hip-Hop-Fans. Auch das Ausblenden kritischer Themen wie sozialer Ungleichheit, Protest und politische Anteilnahme bringen Erfolg", so Habscheid.    

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