Eigentlich ist das Modell doch sehr einleuchtend: Auf einer Jobmesse präsentieren Unternehmen anschaulich sich und ihre Arbeit und die Bewerber stellen sich und ihre Fähigkeiten vor. Passen ein Kandidat und ein Unternehmen zusammen, schließen sie gleich vor Ort eine Vereinbarung über eine künftige Zusammenarbeit. Dieses Modell hat jahrelang überzeugt, das Geschäft florierte und die Veranstalter von Jobmessen konnten gut davon leben.

Leider hat die Stagnation der deutschen Wirtschaft auch vor den Jobmessen nicht Halt gemacht. Beobachter schätzen, dass der Umsatz der Veranstalter von Jobmessen im vergangenen Jahr um 40 Prozent zurückgegangen ist. Viele Unternehmen sind zwar noch auf Jobmessen vertreten, haben aber entweder keine Jobs im Angebot, oder nur solche mit allenfalls mittelmäßiger Bezahlung. Carsten Buchberger, Geschäftsführer der Firma bmv Consulting, die die Jobmesse "Talents 2004" in Hamburg und München veranstaltet, hat denn auch eine gewisse "Lethargie" bei den Kandidaten festgestellt: "Die sind enttäuscht, weil sich derzeit keine Spitzengehälter erzielen lassen."

Doch Unternehmen betrachten die Jobmessen noch immer als wichtiges Instrument zur Personalgewinnung, gleich nach den Online-Stellenmärkten und vor den Jobanzeigen in Zeitungen. In Deutschland gibt es pro Jahr etwa 250 verschiedene Jobmessen, obendrein zahlreiche kleinere Kontaktbörsen an den Unversitäten. Die Art der Messen und Kontaktbörsen unterscheidet sich - es gibt sie sozusagen in allen Formen und Farben: So veranstaltet etwa Siemens einen "Ausbildungs-Chat", die Deutsche Bank organisiert für die Suche nach Bankmanagerinnen mehrmals im Jahr eine Art Arbeits- und Kennenlernfrühstück und nennt das neudeutsch "Junior Women Bankers Brunch". Dasselbe bietet die Bank noch einmal auf der Cebit in Hannover, wo sie nach Fachfrauen aus der Informationstechnik fahndet.

Eine Rekrutierungsveranstaltung mit karitativem Charakter bietet die Unternehmensberatung McKinsey. Unter dem Motto "Passion Wanted: Wissen schenken" bietet die Firma Studenten und Doktoranden die Möglichkeit, im Rahmen eines Pro-bono-Projekts das Projekt "museum kunst palast" in Düsseldorf zu unterstützen. Zusammen mit Mitarbeitern des Museums und McKinseys sollen die hoffnungsvollen Kandidaten die "Vorreiterrolle" des Museums ausbauen helfen. Die Unternehmensberatung tut dies freilich nicht nur aus altruistischen Motiven: McKinsey gewinnt so möglicherweise ganz nebenbei neue, engagierte Berater. Aber auch die Kandidaten können profitieren: Sie haben die Chance, die Arbeit in einer der größten Unternehmensberatungen der Welt und die eines engagierten Museumsprojekts kennen zu lernen. Ein ähnliches Projekt startet McKinsey im Spätsommer an der Berliner Humboldt-Universität.

Veranstalter Buchberger verteidigt die Jobmessen als bewährtes Instrument. Unternehmen könnten so eine ganze Reihe von Kandidaten persönlich kennen lernen. Messen vereinten eine Reihe von "recruiting tools" wie Workshops, vorterminierte Gespräche (für die sich die Kandidaten lange vor der Messe schriftlich beworben haben) und den ganz normalen Messebetrieb. Dabei könnten Unternehmen wie Kandidaten auch mal einen Zufallstreffer landen. Für mittelständische Unternehmen, die in der Öffentlichkeit wenig bekannt sind, wie etwa der Autozulieferer Mahle, sei es geradezu unerlässlich, auf Jobmessen präsent zu sein.

Ob Mittelständler oder Großkonzern: der ideale Bewerber ist zwischen 27 und 35 Jahre alt, frischgebackener Absolvent oder hat bis zu sieben Jahre Berufserfahrung. Geringe Abweichungen sind möglich: "Es geht doch vor allem um die Frage, ob der Kandidat nach Fähigkeiten und Hintergrund zum Unternehmen passt oder nicht", sagt Messerveranstalter Buchberger. Stolz verweist er auf die Bilanz der Jobmesse "Talents 2003" in München: etwa sechs Wochen nach der Veranstaltung waren bereits 16 Kandidaten fest eingestellt und in konkreten Projekten tätig.

Positiv sieht auch ein Ingenieur und Verfahrenstechniker seine Erfahrungen mit Jobmessen: "Es war immer sehr nett mit den Firmenvertretern zu sprechen, aber es lohnt sich eigentlich erst so richtig, wenn man kurz vor dem Studienabschluss steht."Als Studienanfänger könne man sich über eventuelle Vertiefungen seiner Studienrichtung informieren, ohne jedoch zu wissen, ob die Spezialisierung nach Studienabschluss für diese Firma noch aktuell sei. Der Ingenieur rät: "Kurz vor dem Abschluss sollten Bewerber ihre Unterlagen mitnehmen und sich vorher schon informiert haben, um gezielt mit den Firmenvertretern sprechen zu können".