Traditionell wird es für Patrick Simon jedes Jahr im Dezember noch mal richtig stressig: "Alle wollen Ihre Aufnahmen rechtzeitig fertig gemixt haben", sagt der Produzent des Kabarett Label WortArt. 2002 ging die Hektik jedoch bereits im Herbst los. "Ich hatte kaum noch Zeit für mich selber und habe irgendwann festgestellt: Es macht keinen Spaß mehr." Als Konsequenz nahm sich der heute 31-Jährige vor, in diesem Jahr etwas kürzer zu treten. "Ich bin dann selbst in turbulenten Zeiten einfach pünktlich gegangen und habe dafür mehr Aufgaben verteilt."

 Alle Jahre wieder überlegt sich Simon, wie die letzten zwölf Monate beruflich gelaufen sind und zieht daraus Schlüsse für die nächste Saison. "Das sind aber keine konkreten Ziele." Die guten Vorsätze entstehen bei ihm sowieso nebenbei, wenn der Produzent in einer ruhigen Minute die Gedanken schweifen lässt. Bis jetzt hat sich die lockere Herangehensweise bewährt.

Dass sich der Jahreswechsel dazu eignet, nicht nur mit dem Rauchen aufzuhören, sondern sich auch berufliche Ziele zu setzen, liegt auf der Hand. Experten warnen jedoch davor, es zu übertreiben. "Zwei, maximal drei Ziele sowohl für den Beruf als auch privat, reichen völlig aus", sagt etwa Madeleine Leitner, Karriereberaterin aus München. "Es macht keinen Sinn, eine völlig andere Person werden zu wollen." Ein geduldiger Gemütsmensch werde sich 2004 nicht zum Turbo entwickeln und umgekehrt.

Träume haben, aber auf dem Boden bleiben Realistisch zu bleiben ist auch dann angesagt, wenn der Job grundsätzlich unzufrieden macht. "Möglichst konkret werden", rät Karriereexpertin Gitte Härter für die Bestandsaufnahme vor Sylvester. "Was gefällt mir nicht an meinem Job? Was meine ich, wenn ich mich beruflich verbessern will? Was strebe ich genau an (in puncto Arbeitsumgebung, Chef, Kollegen, Tätigkeit etc.)? Wie sieht mein Traumjob eigentlich aus?"

Wer sich über die konkreten Ursachen seiner Unzufriedenheit sowie über seine Ziele und Wünsche nicht im klaren ist, schleppt sie schlimmstenfalls mit in den neuen Job - wenn ein Wechsel überhaupt möglich ist: Angesichts der Arbeitsmarktsituation lohnt sich die Frage, ob sich die Einstellung zur aktuellen Arbeit nicht ändern lässt. Vielleicht lassen sich die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen im neuen Jahr besser einsetzen?

Jobsuche 2004 mit neuem Akku Wer ins neue Jahr als Arbeitsuchender zieht, für den sieht die Perspektive noch einmal ganz anders aus. "Manche sind regelrecht krank, weil sie schon seit längerer Zeit keine Stelle gefunden haben", weiß Madeleine Leitner. Für diese Kandidaten gilt erst mal, sich bewusst zu machen, dass die Jobsuche für die meisten momentan länger als sonst dauert. "Es liegt nicht an der Person - man muss heute einfach nur mehr Ausdauer bei der Suche haben", sagt Leitner.

Umgekehrt liegt es auch nicht an "der Wirtschaft", "den Unternehmen", den "Personalern". Pauschalisierungen wie diese erhöhen nur den Frust. "Selbst wenn scheinbar eine Schreckensmeldung aus der Wirtschaft die andere jagt - es geht nicht jedem Unternehmen schlecht und es gibt durchaus Firmen, die gute neue Mitarbeiter suchen", sagt Härter.