Hinweise und Anregungen, Lob und Kritik sind herzlich willkommen:mailto:jobnewsletter@zeit.de http://newsletter.zeit.de/*** INHALT ***1. Neuorientierung II: Wie finde ich den passenden Beruf?2. Studie: Virtuelle Teamarbeit setzt sich durch, ist aber unbeliebt3. Einstellungskriterium: Lebenserfahrung4. Job-Chance in der Krise: Freier Berater und Manager auf Zeit *** 1. Neuorientierung II: Wie finde ich den passenden Beruf? *** Von Felix UllmannWaren das noch Zeiten, als die Tageszeitungen mit Stellenangeboten nahezu überquollen. Momentan sieht es dagegen auf dem deutschen Arbeitsmarkt düster aus. Fast täglich treffen neue Hiobsbotschaften ein, hier Massenentlassungen, dort Insolvenzen, Arbeitnehmer bangen um ihre Jobs. Was aber ist mit jenen, die bereits auf der Straße sitzen?Traumjob anvisierenTrotz der düsteren Aussichten: Arbeitssuchende sollten sich nicht nur die Frage stellen, wie sie einen Job finden, sondern auch grundsätzlich überlegen, ob der alte Job oder die bisherige Qualifikation eigentlich das richtige war. Unter Umständen erhöhen sich die Chancen bei der Jobsuche, wenn sich plötzlich neue Berufsziele und damit auch Perspektiven eröffnen."Was kann ich? Was will ich?": Diese Fragen helfen, eigene Stärken und Schwächen herauszufinden und das Wunscharbeitsumfeld zu beschreiben (Z.B.: Der Beruf sollte nur bedingt mit Kunden zu tun haben, gelegentliche Außentermine sind OK, eine harmonische Arbeitsatmosphäre ist entscheidend: Siehe Neuorientierung I, ZEIT-Jobnewsletter Nr. 12/03). Dann stellen sich die Fragen: Welcher Beruf passt zu mir? Wie komme ich an meinen Wunsch-Job?Welcher Beruf passt zu mir?Nach der Selbstanalyse sollte dem Jobsuchenden klar sein, in welcher Branche er arbeiten möchte. Anschließend muss er seine Wunschvorstellungen zu einem konkreten Berufsbild verdichten. Wichtige Informationen wie Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen finden sich auf der Homepage des Arbeitsamtes. Unter Umständen lohnt sich auch ein Blick auf die Homepage des jeweiligen Branchenverbandes oder auf die Informationsportale von Bund und Ländern (siehe unten).Keine noch so gute Publikation kann aber Informationen aus erster Hand ersetzen: "Sprechen sie mit jemandem aus der Branche, die sie interessiert", rät Madeleine Leitner, Karriereexpertin aus München. "Finden sie gemeinsam heraus, wie die Position heißen könnte, die sie interessiert und für die sie sich qualifiziert fühlen. Anschließend erkundigen sie sich nach Details: Arbeitsabläufe, Jobaussichten, Gehalt, etc."Es lohnt zudem, sich selbst ein Bild von den Arbeitsmöglichkeiten vor Ort zu machen, falls das möglich ist. Ein Praktikum hat den Vorteil, dass sie außer Informationen über die Wunschbranche oder den Wunschberuf, Kontakte knüpfen und konkrete Berufserfahrung sammeln. Ist ein Praktikum nicht möglich, reicht vielleicht schon ein Spaziergang, um sich Inspiration zu holen. Beispiel: "Wenn sie nur wissen, dass sie einen Beruf haben wollen, der mit Flüssen zu tun hat, dann spazieren sie einfach mal einen Fluss entlang und halten sie die Augen dabei offen", sagt die studierte Diplompsychologin Leitner. Im besten Fall inspiriere der Anblick von Hotels, Rollerbladern, Dampfschiffen, Wasserpolizisten und Eisverkäufern zu einem konkreten Berufswunsch.Wie finde ich meinen Traum-Job?Wer einen Job sucht, muss heutzutage bereit sein mehr zu tun, als nur in die Zeitung oder in das Internet zu gucken. Zum einen ist die Auswahl dünn gesät. Zum anderen ist die Konkurrenz groß: "Nicht selten bewerben sich 800 Jobsuchende auf eine Anzeige", schätzt Leitner. Selbst für gute Kandidaten wird es da eng.Verdeckter StellenmarktAuf der anderen Seite werden zwei von drei Stellen nicht öffentlich ausgeschrieben, hat eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergeben. Grund: "Die Firmen ersticken in einer Flut von Bewerbungsunterlagen", sagt die Karriere-Expertin. Anzeigen zu schalten sei zudem teuer. Außerdem stellen viele Unternehmen am liebsten Jobsuchende ein, die sie kennen oder die sie empfohlen bekommen haben.SichtbarkeitUm diese verdeckten Stellen zu finden, gilt es, sich sichtbar zu machen. Zum einen ganz konkret bei den Entscheidern in den Unternehmen aber auch generell in der Branche. Das funktioniert aber nicht, in dem man sich "Ich suche einen Job" auf die Stirn schreibt und an die Tür klopft. Nach der Methode der kreativen Jobsuche des US-Autors Richard Bolles, mit dessen Methode Madeleine Leitner arbeitet, geht es darum, Kontakte zu knüpfen, ohne dass sich die Entscheider ausgenützt fühlen."Besuchen sie Branchenveranstaltungen, Messen, Vorträge und unterhalten sie sich mit Menschen in den Kaffeepausen", rät Leitner. Small Talk ist angesagt. Das Gespräch darf über banales wie ein ansprechendes Krawattenmuster anknüpfen. Sinnvoll ist dann, so viele Informationen wie möglich über die Wunschbranche herauszufinden, weitere Ansprechpartner genannt zu bekommen und am Ende vielleicht noch die Visitenkarten auszutauschen. "Es geht nicht darum, über diese Gespräche an einen Job zu kommen, sondern vielmehr darum, dem Zufall bei der Jobsuche auf die Sprünge zu helfen".Angst zu haben vor der Kontaktaufnahme ist unnötig. "Zum einen sind viele Leute sehr hilfsbereit und sie erzählen auch gern über sich selbst, wenn man sich wirklich für sie interessiert", weiß Madeleine Leitner. Grundsätzlich gilt, nirgendwo als Bittsteller aufzutreten, sondern als Problemlöser. Dafür muss der Interessent versuchen, vorab so viele Informationen wie möglich über ein Unternehmen zu erhalten.Je größer das Netzwerk an Informanten und Bekannten wird, desto eher spricht sich die Tatsache der eigenen Jobsuche rum. Irgendwann erfährt der richtige Mann im richtigen Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt von dem Kandidaten oder umgekehrt der Jobsuchende von einer vakanten Stelle. Dafür dürfen auch bestehende Netzwerke, wie Verwandte und Freunde aktiviert werden.Dem Zufall auf die Sprünge helfen außerdem Initiativbewerbungen. "Der Grund für den relativ großen Erfolg von Initiativbewerbungen liegt darin, dass Personalchefs diese Art als Hinweis auf eine starke Motivation interpretieren", heißt es auf der Homepage des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. Ein weiterer Vorteil: Wer sich ungefragt bewirbt, hat weniger Konkurrenz, als bei einer ausgeschriebenen Stelle.Allerdings ist auch die Gefahr, dass die Unterlagen im Papierkorb landen, wesentlich größer. Je besser man sich über die Bedürfnisse des Unternehmens im klaren ist, desto erfolgsversprechender ist die Bewerbung. Im Schreiben sollte dem Unternehmen deutlich gemacht werden, warum sich der Jobsuchende ausgerechnet bei dieser Firma bewirbt und nicht bei der Konkurrenz.Demnächst: Berufliche Neuorientierung Teil III: " Wie bewerbe ich mich als Seiteneinsteiger?"Neuorientierung im Internet* Neuorientierung I"Weg hier - aber wohin?" Im ersten Abschnitt der vierteiligen Serie "Neuorientierung" beschäftigte sich ZEIT-Online mit dem Thema Selbstanalyse - "Was kann ich? Was will ich?":http://www.zeit.de/chancen/jobletter/jl0317#1* Welcher Beruf passt zu mir?Die Homepage des Arbeitsamtes ist nicht die beste. Das Berufsinformationszentrum (BIZ) bietet jedoch Infos über Berufsbilder, Weiterbildungen, Umschulungen und über Arbeitsmarkt-Entwicklungen (http://www.arbeitsamt.de/hst/services/bsw/biz/index.html).Außerdem hat das Arbeitsamt eine Datenbank mit Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen ins Netz gestellt.http://berufenet.arbeitsamt.de/Das Informationsportal des Bundes und der Länder informiert mit vielen Verweisen im Internet rund um das Thema Bildung / Weiterbildung. Adressaten sind primär "Lehrer, Ausbilder, Schüler, Eltern, Administratoren, Wissenschaftler, Journalisten". Die Informationen in der Rubrik "Weiterbildung und Erwachsenbildung" gehen jedoch weit über diese Klientel hinaus.http://www.bildungsserver.de/Eine gute Job-Site bietet außerdem die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderunghttp://www.berufswahl.de/fmg.htm* Wie finde ich meinen Traumjob?Karriereberaterin Madeleine Leitner berät auf Grundlagen des amerikanischen Arbeitsforschers Richard Bolles. Im Mai und Juni tourt sie mit einem Workshop zur Karriereplanung durch Frankfurt, Berlin, München, Köln und Hamburg.http://www.karriere-management.deLiteratur: Richard Nelson Bolles. Durchstarten zum Traumjob. Campus 2002, 21,50 Euro.* InitiativbewerbungSchicken Sie einem Unternehmen Unterlagen zu, obwohl es keine konkrete Stellenanzeige inseriert hat. Wichtig dabei: Sie müssen den Namen eines Adressaten herausfinden.http://www.jobware.de/ra/bk/be/be/1.htmlManche Unternehmen fordern von sich aus Initiativbewerbungen, z.B. der Früchteanbieter Döhler Gruppe oder Scout24, einem Netzwerk für Online-Marktplätze.http://www.doehler.com/servlets/main/carreer_joffers_inititativbewe_de.htmlhttp://www.scout24.de/profile.asp*LiteraturHesse, Jürgen, Schrader, Hans Christian, Die 100 wichtigsten Tips zur Initiativbewerbung. Für eine optimale Vorbereitung in kürzester Zeit, Eichborn 2000, 160 Seiten, 7,95 Euro.Alternativ dazu, bietet sich folgendes Werk an:Püttjer, Christian, Schnierda, Uwe: Die erfolgreiche Initiativbewerbung.Der Praxisratgeber für Auf- und Umsteiger. Campus 2002, 254 Seiten, 17,90 Euro. *** 2. Studie: Virtuelle Teamarbeit setzt sich durch, ist aber unbeliebt *** Der Texter sitzt in Hamburg, der Designer in Frankfurt, der Programmierer in Heidelberg und der Vorgesetzte in München - und doch produziert die Arbeitsgruppe eine gemeinsame Website. Virtuelle Teamarbeit wie diese kommt in Deutschland immer häufiger vor. Dies belegt eine Studie des Seminaranbieters für Managementfortbildungen "Die Akademie". 62 Prozent der 376 befragten Manager arbeiten zumindest teilweise in virtuellen Teams.Hauptgrund für diese Entwicklung ist die wachsende Internationalisierung. Die Unternehmen sparen eine Menge Geld, wenn die Mitarbeiter aus verschiedenen Städten nicht für jedes Meeting zusammenkommen müssen. Die Technik machtŽs möglich, dass Teamarbeit auch über große Entfernungen funktioniert.Doch besonders beliebt ist die virtuelle Gruppenarbeit bei den Deutschen nicht. Über die Hälfte der in der Akademie-Studie befragten Manager gibt an, dass Ihnen die Zusammenarbeit per E-Mail und Telefon nicht gefällt. Sie bevorzugen den direkten Kontakt zu den Kollegen. Bei der virtuellen Teamarbeit fehlt den Teilnehmern die soziale Komponente: Knappe E-Mails ersetzen nicht den "Flurfunk" und den Smalltalk in der Teeküche. Diesen empfinden die Manager jedoch als äußerst wichtig für die Zusammenarbeit. Ohne direkten Kontakt lässt sich nur schwer Vertrauen zwischen den Teammitgliedern aufbauen - und ohne dieses ist die Zusammenarbeit meist zum Scheitern verurteilt, meint ein Großteil der Befragten.Was im Virtuellen nicht immer funktioniert, scheint im Realen gut anzukommen. Teamarbeit mit persönlichem Kontakt ist in Deutschland weit verbreitet und sehr beliebt. 97 Prozent der Befragten schätzen die Zusammenarbeit mit Kollegen vor allem deshalb, weil man im Team mehr erreicht als allein.Die komplette Studie mit Checklisten zur Teamdiagnose können Sie unter der folgenden - etwas ungewöhnlichen - Adresse kostenlos anfordern oder herunterladen:http://www.die-akademie.de/Mythos%20Team%20auf%20dem%20Pr%fcfstand%20(2002).htm *** 3. Einstellungskriterium: Lebenserfahrung *** 200 Fach- und Führungskräfte über 45 Jahren will das Familienunternehmen Brose einstellen. Dafür wirbt es in ganzseitigen Annoncen mit der Überschrift "Senioren gesucht". In der ersten Woche kamen täglich 150 schriftliche Bewerbungen ins Haus, dazu zahlreiche Mails und Telefonate.Eine firmeninterne Untersuchung hatte ergeben, dass es im Betrieb kaum ältere Mitarbeiter gibt. Das Durchschnittsalter der 7000 Mitarbeiter liegt derzeit bei 37 Jahren. Das will der Kfz-Zulieferer von Türsystemen und Sitzverstellungen durch die neue Kampagne ändern. Denn die Untersuchung hat auch gezeigt, dass Teams am besten funktionieren, wenn sie aus Jüngeren und Älteren bestehen. Die Oldies sollen vor allem in verantwortungsvollen Positionen arbeiten, wo neben den beruflichen Qualifikationen auch Lebenserfahrung und Persönlichkeit zählen.Um höhere Kosten muss sich die Personalabteilung keine Sorgen machen: Brose zahlt seine Mitarbeiter unabhängig von Alter und Dienstjahren ausschließlich leistungsbezogen. Dadurch sei die Motivation der Mitarbeiter deutlich gestiegen.Noch ist Brose mit der Idee, gezielt Arbeitnehmer über 45 anzusprechen, eine Ausnahme, aber ganz allein steht das Unternehmen nicht. Das Ingenieurbüro Fahrion aus Kaisersbach hat im vergangenen Jahr ebenfalls mit einer Anzeige ältere Ingenieure geworben - und fand auf diese Weise viele qualifizierte Mitarbeiter. Fahrion handelte bei dieser Aktion ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen: Die Integrationszeit bei Älteren ist sehr viel kürzer, außerdem werden Jüngere häufig von außen abgeworben - was für das Unternehmen einen enormen Schaden bedeuten kann.Trotz dieser Beispiele gibt es zahlreiche arbeitslose Ingenieure über 45. Um diese kümmert sich die Initiative "Qwai" (Qualifizierung und Wiedereingliederung älterer, arbeitssuchender Ingenieure). Das durch öffentliche Gelder geförderte Gemeinschaftsprojekt von Gewerkschaften und Arbeitgebern vermittelt über ihre Internetseite den Kontakt zwischen Firmen und Bewerbern ab 45 Jahren.http://www.brose.dehttp://www.fahrion.dehttp://www.qwai.de *** 4. Job-Chance in der Krise: Freier Berater und Manager auf Zeit *** Arbeitslose Manager sollten sich als freie Berater selbstständig machen. Immer mehr Unternehmen suchten künftig externe Berater, die vorübergehend Führungspositionen besetzen, prognostiziert der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Interim-Management könne der Start in eine erfolgreiche Selbstständigkeit sein, heißt es in der Presseerklärung. Selbständige Berater sollten aber darauf achten, dass sie mindestens zwei Arbeitgeber gleichzeitig haben, sonst gelten sie als scheinselbstständig.Der Anteil von Interimtätigkeiten in der Beraterbranche lag 2002 bei einem halben Prozent. Bis 2004 soll er sich laut BDU verdoppeln. Der Jahres-Umsatz in diesem Segment werde im kommenden Jahr auf 100 Millionen Euro steigen. Auch Beratungsunternehmen schicken ihre Mitarbeiter auf Zeit in die Unternehmen. "Mit Neueinstellungen ist hier aber nur in Einzelfällen zu rechnen", sagte ein Sprecher gegenüber ZEIT-online. Im Zuge der zunehmenden Flexibilisierung des Arbeitsmarktes werde der Trend zum Interim-Management über das Jahr 2004 hinaus anhalten.Ein Manager auf Zeit verdient durchschnittlich 140 000 bis 150 000 Euro im Jahr. Er kümmert sich um die Neustrukturierung eines Betriebes in Schwierigkeiten oder füllt Lücken in der Generationennachfolge in Familienunternehmen. Sein Engagement kann mehrere Jahre dauern - deutlich länger als ein normales Beratungsverhältnis. Darüber hinaus ist der Interim-Manager stärker in das Unternehmen eingebunden.Die Gründe für den vermehrten Einsatz von Interim-Managern resultieren vor allem aus der Wirtschaftskrise: Umsatzeinbrüche, Restrukturierungen und drohenden Insolvenzen führten vor allem bei mittelständischen Firmen zu erhöhtem Bedarf nach Hilfe von außen, so BDU-Vizepräsident Joachim Staude. "Aber auch die Angst spielt eine Rolle, einmal eingestelltes Fachpersonal dann dauerhaft halten zu müssen, wenn sich die Unternehmenslage verschlechtert oder ein Projekt abgebrochen wird".