Spanische Regionen - insbesondere die Mittelmeerküste, Mallorca und die Kanarischen Inseln - sind ein beliebter Altersruhesitz deutscher Rentner. Als touristische Reiseziele sind diese Gegenden bei Urlaubern aus Deutschland ähnlich beliebt. Service- und Dienstleistungsangebote für diese Zielgruppen bieten einen wachsenden Beschäftigungsmarkt, auf dem deutsche Bewerber erhöhte Einstellungschancen haben. Insbesondere Rentner wünschen zunehmend Dienstleistungen, die ein höheres Qualifikationsniveau als das eines Animateurs oder Surflehrers erfordern. Aber auch aufgrund der klimatischen Bedingungen ist Spanien ein Land, das für viele als dauerhafter Wohnsitz interessant ist. Hier zu leben und zu arbeiten gilt als äußerst attraktiv. Allerdings ist zu viel Euphorie nicht angebracht, sollte man sich für eine berufliche Karriere außerhalb der Tourismusbranche interessieren. Spanien zählt zu den EU-Ländern mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist also ähnlich schlecht wie in Deutschland. Die spanische Regierung hat in den letzten Jahren versucht, mit gesetzlichen Mitteln die hohe Arbeitslosigkeit zu senken. Gefördert werden seitdem insbesondere Teilzeit- und befristete Beschäftigung. Darüber hinaus gibt es für Unternehmen Ermäßigungen bei den Sozialabgaben, wenn sie bestimmte Personen (etwa Behinderte oder ältere Arbeitslose über 45) einstellen. Als EU-Bürger hat man das Recht, in Spanien zu arbeiten. Bei der Besetzung von Arbeitsstellen müssen allen EU-Bürgern grundsätzlich die gleichen Chancen eingeräumt werden. Einschränkungen dieses Gleichbehandlungsgebots sind nur bei bestimmten hoheitlichen Aufgaben vor allem im Öffentlichen Dienst zulässig. Ausschlaggebend darf bei der Besetzung von Stellen nicht die Nationalität des Bewerbers sein, sondern nur dessen Qualifikation. Erforderliche Sprachkenntnisse, Berufserfahrung oder Branchenkenntnisse sowie spezifische Ausbildungsabschlüsse können den Zugang zum spanischen Arbeitsmarkt jedoch erschweren. Wer sich länger als drei Monate in Spanien aufhalten will - um eine Stelle zu suchen oder zu arbeiten - benötigt eine Aufenthaltserlaubnis. Diese muss spätestens dreißig Tage nach der Einreise bei der "Oficina de Extranjeros" oder dem Polizeikommissariat der Provinz beantragt werden. Berufstätigen wird der Aufenthalt mindestens für die Dauer des Arbeitsvertrages genehmigt, bei unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen wird zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für fünf Jahre erteilt. Das System von Stellensuche und Bewerbung in Spanien ähnelt in vielen Bereichen den Gewohnheiten bzw. Erfordernissen in Deutschland. Üblich sind Bewerbungen auf Stellenanzeigen, die man in Fachzeitschriften sowie regionalen und überregionalen Tageszeitungen finden kann (insbesondere in den Sonntagsausgaben). Einige der ü berregionalen Zeitungen wie "El País" sind auch in Deutschland erhältlich. Über Berufsverbände und Gewerkschaften kann man Kontakt zu den spanischen Partnerverbänden bekommen. Diese geben oft entsprechende Fachzeitschriften heraus, führen Stellenbörsen und haben gute Branchenkenntnisse, sie bieten nützliche Informationen und Beratungen für ihre Mitglieder an. In Spanien sind auch Stellenanzeigen ohne konkrete Ausschreibung üblich. Besonders größere Konzerne fordern in solchen eher allgemein gefassten Anzeigen die Interessenten auf, sich zu bewerben. Auch Initiativbewerbungen sind verbreitet. Besondere Bedeutung bei der Arbeitssuche in Spanien haben jedoch persönliche Kontakte: Empfehlungen und Bekanntschaften durch Geschäftsbeziehungen sind noch stärker als in Deutschland für den Bewerbungsprozess von Bedeutung. Gutes Networking und frü hzeitiges Absolvieren von Praktika in Spanien oder in spanischen Unternehmen sind sehr hilfreich für den Zugang zum spanischen Arbeitsmarkt. Die staatliche Arbeitsverwaltung, die für die Vermittlung von Stellen zuständig ist, heißt "Instituto Nacional de Empleo" (INEM), sie unterhält die örtlichen Vermittlungsbüros ("oficinas de empleo"). Die nationale spanische Arbeitsverwaltung hatte bis vor kurzem ein Monopol inne, mittlerweile ist jedoch auch die private Vermittlung von Arbeit möglich. Private Arbeitsvermittler benötigen eine Erlaubnis vom INEM. Anspruch auf Vermittlung und Beratung durch das INEM hat jeder EU-Bürger. Grundsätzlich erfolgt die Neubesetzung von Stellen ausschließlich über das INEM - sowohl Arbeitnehmer auf Stellensuche als auch Unternehmen mit freien Stellen müssen sich beim INEM melden. Für die Unternehmen ist die freie Suche nach Bewerbern jedoch schon nach sehr kurzer Frist möglich, wenn ihnen keine geeigneten Kandidaten vermittelt wurden. Arbeitnehmer können parallel private Arbeitsvermittler konsultieren und ebenfalls auf dem Freien Markt eine Stelle suchen. An einigen Universitäten gibt es spezielle Beratungsbüros des INEM für Hochschulabsolventen ("Centros de Orientación e Información y Empleo" - C.O.I.E). Auch Bewerbungsschreiben und Lebenslauf ähneln in Spanien weitgehend den deutschen Gepflogenheiten. Sie sollten getippt werden, handschriftliche Ausfertigungen sind nicht üblich (nur in seltenen Fällen auf ausdrückliches Verlangen). Der Umfang des Anschreibens sollte eine Seite betragen, der Lebenslauf nicht länger als zwei Seiten sein. Das Anschreiben muss im Briefkopf die Referenznummer oder Chiffre der Anzeige enthalten, auf die sich die Bewerbung bezieht. Initiativbewerbungen müssen mit einem entsprechenden Hinweis versehen werden. Eine Bezugnahme auf die Stellenausschreibung oder gewünschte Tätigkeit bildet den Beginn des eigentlichen Textes. Anschließend werden Berufsausbildung und Erfahrungen, die für die Stelle qualifizieren, zusammengefasst. Auf keinen Fall fehlen darf eine abschließende Formel, die bekräftigt, dass man eine Antwort erwartet (gewählt werden sollten Formulierungen wie "En espera de sus noticias, les saluda atentamente."). Beim Lebenslauf sind mehr Freiheiten möglich als in Deutschland. Wer nichts falsch machen will, sollte sich an den (in Deutschland) bekannten Empfehlungen orientieren: Persönliche Daten, aktuelles Foto sowie die stichwortartige Zusammenfassung von Ausbildung, Berufserfahrung (chronologisch oder thematisch sortiert), etwaigen Zusatzqualifikationen und eventuell Hobbys oder Freizeitaktivitäten. Bei den persönlichen Daten muss auf jeden Fall die Nummer von Pass oder Personalausweis angegeben werden. Möglich sind aber auch freiere Formen des Lebenslaufs, beispielsweise ein zusammenhängender Text, in dem man seinen bisherigen Ausbildungs- und Berufsweg zusammenfasst und künftige Karriereziele beschreibt. Als Nicht-Spanier sollte man seine (spanischen) Sprachkenntnisse möglichst detailliert beschreiben. Urkunden und Zertifikate über Bildungsabschlüsse sollten dem Bewerbungsschreiben beigef ügt werden. Das in Deutschland übliche "qualifizierte Zeugnis" von Arbeitgebern ist in Spanien allerdings unbekannt. Sehr hilfreich ist es, Referenzen anzugeben. Man kann davon ausgehen, dass bei den angegebenen Personen auch tatsächlich nachgefragt wird, daher sollte man unbedingt die jeweiligen Spanischkenntnisse erwähnen. Das weitere Bewerbungsverfahren kann sich über einige Zeit hinziehen. Es dauert bis zu mehreren Wochen, manchmal sogar Monaten, bis man Antwort auf eine Bewerbung bekommt. Meist werden mehrere Bewerbungsgespräche geführt. Nach einem kurzen, eher formellen Gespräch zum persönlichen Kennenlernen können zunächst verschiedene psychologische Tests erfolgen, anhand derer Verhalten und Qualifikation des Bewerbers beurteilt werden. In einer anschließenden Folge von Gesprächen nimmt man sich dann Zeit, den Bewerber und besonders seine persönlichen Eigenschaften kennen zu lernen. Fragen bezüglich des Gehalts sind im Anfangsstadium nicht ratsam. Über dieses Thema wird erst gesprochen, wenn dem Bewerber die Stelle explizit angeboten wurde. Die Qualifizierung für Führungspositionen erfolgt in Spanien in der Regel auf innerbetrieblichem Weg. Trainee-Programme, in denen gezielt Führungsnachwuchs rekrutiert und herangebildet werden soll, sind eher selten. Für Beschäftigte jedes Qualifikationsniveaus gibt es detaillierte Pläne zur beruflichen Weiterbildung, die von den Tarifparteien unter Beteiligung staatlicher Stellen festgelegt und verhandelt werden. Kommt ein Arbeitsvertrag zustande, muss dieser in jedem Fall dem INEM gemeldet werden (in der Regel durch den Arbeitgeber). Ausnahmen hiervon bilden nur mündliche Verträge, die ebenfalls zulässig sind. Auf Wunsch von Arbeitnehmer oder Arbeitgeber muss der Arbeitsvertrag jedoch schriftlich abgefasst sein. Die Steuer wird in Spanien "an der Quelle" erhoben. Das bedeutet, dass man sich als normaler Arbeitnehmer zunächst nicht darum kümmern muss. Der Steuersatz orientiert sich an der Höhe des Einkommens. Übersteigt das Gesamt-Jahreseinkommen eine bestimmte Grenze, ist man zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Ähnlich unkompliziert erfolg der Zugang zur Sozialversicherung. Alle Arbeitnehmer sind sozialversicherungspflichtig. Bei der ersten Aufnahme einer Tätigkeit wird man vom Arbeitgeber angemeldet und erhält eine Versicherungskarte. Die Versicherungsbeiträge werden anteilig jeweils vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer gezahlt, sie berechnen sich auf Grundlage des Einkommens. Der Arbeitgeber zahlt die Beiträge (auch den Arbeitnehmeranteil) direkt an die Versicherung. Abgedeckt werden: Krankheit, befristete Arbeitsunfähigkeit, Mutterschaft, Invalidität, Teilinvalidität, Ausscheiden aus dem Erwerbsleben (Rente), Todesfall und Arbeitslosigkeit. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auch auf Unterhaltsberechtigte. Wer sich in Spanien bewerben möchte, sollte seine Chancen nicht überschätzen. Doch mit langem Atem kann man sich gezielt auf eine berufliche Karriere in Spanien vorbereiten: Praktika in Spanien sind sehr hilfreich, sie unterstützen gleichzeitig den Spracherwerb. Aber auch ein Praktikum in einem spanischen Unternehmen kann nützlich sein, selbst wenn es nicht in Spanien absolviert wird. Persönliche Empfehlungen und Referenzen bringen enorme Vorteile gegenüber Mitbewerbern. Wenn man nicht über derlei Erfahrungen und Kontakte verfügt, sollte man versuchen, sich bei spanischen Unternehmen zu bewerben, die geschäftlich in Deutschland tätig sind. Einige Regionen in Spanien legen großen Wert auf ihre kulturelle und sprachliche Autonomie. Die jeweiligen Sprachkenntnisse vorzuweisen (Katalanisch, Galicisch oder Baskisch), kann förderlich sein. Informationen im Internet: Dialog mit den Bürgern - Spanien
Länderinformationen der EU - ausführlich und informativ, aber leider sehr schlecht strukturiert http://europa.eu.int/scadplus/citizens/de/es/home.htm Einige direkte Links zu interessanten Artikeln im Angebot von "Dialog mit den Bürgern": Zugang zum Arbeitsmarkt:
http://europa.eu.int/scadplus/citizens/de/es/010002.htm Anerkennung der Diplome - Detailbestimmungen für einzelne Berufsgruppen:
http://europa.eu.int/scadplus/citizens/de/es/1079833.htm Steuern:
http://europa.eu.int/scadplus/citizens/de/es/1080.htm Sozialversicherung:
http://europa.eu.int/scadplus/citizens/de/es/0107983.htm "Dialog mit Bürgern und Unternehmen" - Spanien
EU-Informationssystem, ähnlich wie der "Dialog mit den Bürgern", teilweise identische Inhalte (aber nicht ganz so umfangreich), etwas ansprechender und strukturierter aufgemacht
http://citizens.eu.int/de/de/es/origdest.htm ESTIA -Projekt der EU zur Förderung der Mobilität
Informationen zu Spanien (vor allem einige nützliche Links):
http://www.mec.es/Estia/estiaindex.html Bundesanstalt für Arbeit - EURES
Informationsblatt "Arbeiten in Spanien (PDF-Datei)
http://www.arbeitsamt.de/hst/international/publinks/publikationen/arbine.pdf Eurograduate
Bewerbungstipps für Spanien, knapp und übersichtlich, die Informationen beruhen offenbar auf den Angaben aus "Dialog mit den Bürgern" bzw. "Dialog mit Bürgern und Unternehmen"
http://www.eurograduate.com/S%20Europe%20folder/planseu.htm#spain Auswärtiges Amt - Länderinformationen (Spanien)
http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14 &land_id=157 Europäisches Beschäftigungsobservatorium - Basisinformationsbericht Spanien
Informationen zur Arbeitsmarktpolitik in Spanien (PDF-Datei)
http://www.eu-employment-observatory.net/ersep/e_d/bir_es2002.pdf EURES (European Employment Services)
Hier findet sich auch eine europaweite Online-Stellenboerse
http://europa.eu.int/comm/employment_social/elm/eures/de/index.htm INEM
Instituto Nacional de Empleo
http://www.inem.es/