Rund 500 Kommentare erhielt die Besprechung des neuen Buches von Thilo Sarazzin, Der neue Tugendterror, innerhalb eines Tages nach Veröffentlichung. Wer sich nicht die Mühe machen will, alle zu lesen, wirft einfach einen Blick auf unsere Liste der beliebtesten Sarrazin-Reaktionen. Wir haben dafür die Kommentare zu unseren Beiträgen über die Sarrazin-Publikationen Deutschland schafft sich ab (2010), Europa braucht den Euro nicht (2012) und Der neue Tugendterror verglichen und eine gewisse Argumentationskongruenz ausgemacht. Die folgenden zehn Kommentartypen finden sich in jeder Diskussion um Sarrazins Bücher.

  • Warum geben Sie dem Mann ein Podium? Gibt’s kein wichtigeres Thema? Verdienen Sie etwa an den Buchverkäufen mit?
  • Jawoll, endlich sagt’s mal einer. Er hat recht, auch wenn es vielen nicht gefällt.
  • Die Journaille sollte sich mal an die eigene Nase fassen, mit dem Buch seid ihr selber gemeint, liebe ZEIT/ZEIT ONLINE, Obertugendwächter, Moralapostel, Gutmenschenkolonie!
  • Ich bin ja kein Sarrazin-Fan, aber...
  • Der Skandal ist nicht Sarrazin. Der Skandal ist der Zuspruch, den er findet.
  • Typisch, das Buch noch nicht gelesen und bereits eine Meinung gebildet.
  • Diese Kommentare machen mir Spaß, werde mir jetzt doch das Buch kaufen.
  • Ich muss das Buch nicht lesen, um zu wissen, was drinsteht.
  • Wie recht der Mann hat damit, dass man nicht sagen darf, was mal gesagt werden muss, sieht man ja daran, wie hier im Kommentarbereich zensiert wird.
  • Wie recht der Mann hat damit, dass man nicht sagen darf, was mal gesagt werden muss, sieht man ja daran, wie tendenziös diese Buchbesprechung ist.

Nicht-kategorisierbare Kommentare gibt es natürlich auch. Zum Beispiel solche, welche die Mechanismen der Sarrazinschen Argumentationsgeflechte und der Medienberichterstattung untersuchen (zum Beispiel die Kommentare der Leser Hubert Marcks, titanicus und Demetrios I. Poliorketes). Das Buch gelesen hatte zum Zeitpunkt der zitierten Debatte noch keiner der Leser. Damit handelt es sich hier um eine jener seltenen Debatten, die ganz ohne Kenntnis ihres Gegenstandes auskommen. Und das macht jeden Kommentar, der nicht die in solchen Fällen typische Schablonenhaftigkeit aufweist, umso bemerkenswerter.

(Annika von Taube)