Laut einer neuen Tabakrichtlinie sollen Zigarettenschachteln mit abschreckenden Abbildungen versehen, Aromen und Zusatzstoffe eingeschränkt und Mentholzigaretten ganz verboten werden. Die Reaktionen der Leser auf einen Kommentar unseres Autors Ulrich Greiner, in dem er ein Aussterben von Freiheitsidealen und eine Diktatur der Gesundheitsvorsorge ausmachte, fielen gemischt aus.

Raucher schaden nicht nur sich selbst, sondern auch der Gesellschaft, argumentieren Befürworter der Tabakrichtlinie. Aber Raucher sterben doch früher, und Alte oder Arbeitslose kosten die Gesellschaft viel mehr, erwidern die Gegner. Der Staat habe die Verantwortung, seine Bürger vor Risiken zu bewahren, finden die Befürworter. Dann müsste der Staat den Bürgern aber auch das Skifahren oder die Teilnahme am Straßenverkehr untersagen, widersprechen die Gegner. Ein mündiger Bürger sei für sich selbst verantwortlich und frei in seinen Entscheidungen, betonen sie. Welche Freiheit?, halten die Befürworter dagegen. Wer abhängig von Zigaretten ist, der sei eh nicht frei. Darauf die Gegner: Es liegt in der Natur des Genusses, sich ihm hinzugeben. Vor Genuss zu warnen mache ihn nur verlockender, und überhaupt, in Deutschland herrsche geradezu ein Klima von Genussfeindlichkeit.

Die Debatte um die Kontrolle von Genussmitteln führt also auch zur Frage: Was ist Genuss? Offensichtlich ist sie nicht so leicht zu beantworten. Gibt es Genuss ohne Reue, ohne Folgen, ohne Konflikte? Ist Genuss etwas Egoistisches, eine rücksichtslose, unverantwortliche Form der Selbstbefriedigung? Oder machen im Gegenteil Kontrolle und Einschränkung den Genuss erst vollkommen? Erhöht das gelegentliche Versagen von Genuss seine Intensität?

Was ist Genuss für Sie?

Wir wollen von Ihnen wissen: Was ist Genuss für Sie? Beschreiben Sie Situationen, in denen Sie uneingeschränkten Genuss erlebt haben – oder Genussfeindlichkeit. Ist Ihr Genuss mit Konflikten verbunden? Stellen Sie bestimmte Regeln für Ihren Genuss auf? Bitte antworten Sie so konkret und so nah wie möglich an ihrem persönlichen Erleben, entweder hier im Kommentarbereich oder per E-Mail an leserartikel@zeit.de mit der Betreffzeile "Genuss".