Unter einem Artikel zum 60. Geburtstag der Fernsehsendung Wort zum Sonntag kommentiert Leser Skarsgard: "Mein Opa nannte das Wort zum Sonntag schlicht 'Das Wort zum Bier holen'... Man holte für den folgenden Film was zu trinken, ging aufs Klo oder rauchte noch schnell eine auf dem Balkon. Die etwas älteren Kinder, die den [nachfolgenden] Film noch gucken durften, waren genervt von dem 'Gelaber'."

Diese Erinnerung beschreibt eine Zeit, als das Fernsehprogramm noch den Ablauf des häuslichen Lebens prägte. Zu unterschiedlichen Zeiten fanden sich Familie und Freunde in unterschiedlichen Konstellationen vor dem Gerät ein. Fernsehen war ein ritualisiertes Gemeinschaftserlebnis. Samstags schauten die Männer Fußball. Kleine Kinder wussten, dass es nach der Sesamstraße ins Bett ging, größere durften am Sonntag die Lindenstraße nicht verpassen, wenn sie am Montag in der Schule mitreden wollten. Hausfrauen legten ihre Bügelarbeit auf die Sendezeit der nachmittäglichen Telenovela. Und wenn sich die ganze Familie zur großen Samstagabendschau vor dem Fernseher versammelte, brachte Mutti den Fernsehteller (Schnittchen, mit Gürckchen).

Erzählen Sie uns von Ihren Fernsehritualen

Abgesehen vom Tatort als letztem verbliebenen Sendeplatz für eine generationenübergreifende, kollektive Fernseherfahrung erzeugen nur noch Großereignisse wie die Fußball-WM oder der Eurovision Song Contest ein fernsehbasiertes Gemeinschaftsgefühl. Dank neuer Distributionskanäle und Abspielmöglichkeiten ist Fernsehen zunehmend losgelöst von zeitlichen und technischen Vorgaben, und auch wenn sich noch Fangemeinschaften um bestimmte Formate oder Serien bilden: Seine bedingungslose Verfügbarkeit hat das Fernseherlebnis trivialisiert.

Die eingangs beschriebene Erinnerung nehmen wir zum Anlass, Sie nach Ihren Fernseherinnerungen zu fragen. Welchen Stellenwert hatte das Fernsehen für Sie, bevor Sie Sendungen per Streaming auf dem Laptop schauen konnten? Welche Konflikte gingen mit der Fernsehplanung einher, welche Rituale wurden bei Ihnen zu Hause rund um das Fernsehen gepflegt? Oder schauen Sie immer noch genauso fern wie vor zwanzig Jahren? Teilen Sie Ihre Erinnerungen mit uns, hier im Kommentarbereich oder per E-mail an leseraufruf@zeit.de, Betreff "Fernsehen". Eine Auswahl der schönsten Fernsehanekdoten veröffentlichen wir in Kürze.