Fußballfreie Zone: Bald ist es ja endlich vorbei

Die letzten Tage der WM werden in diesem Blog noch einmal richtig spannend für Nicht-Fußballfans: Wir sprechen über Rasenpflege und Traditionssportarten wie Käserollen.
Ausgerechnet ein US-Amerikaner gewinnt 2013 das traditionsreiche britische Käserollen von Cooper's Hill in der Disziplin Double Gloucester-Käse. © Carl Court/​AFP/​Getty Images

  • 08.07.2014  14:35
    Im Freien auf eine Leinwand schauen, das geht auch ohne Fußball. Wir haben unsere Leser nach den schönsten Freiluftkinos gefragt. Offensichtlich fühlen sich Open Air-Leinwände in der Nähe von Denkmälern, in Innenhöfen historisch wertvoller Gebäude und vor Schloss- oder Festungskulisse am wohlsten. Das „Kino auf der Burg“, nämlich der Burg Esslingen, gilt gleich als „das schönste Kino der Welt“, aber auch das "Festungsflimmern" in Würzburg lockt mit „atemberaubender Kulisse“, nämlich jenem der Festung Marienberg. Ebenfalls in der Nähe gehobener Wohnanlagen befinden sich das Schlossberg Kino Herrenberg, das Kino im Burghof in Waldburg und die Open Air Kinonächte am Schloss Gottesaue in Karlsruhe. Romantisches Ambiente bieten auch die Waldbühne am Hermannsdenkmal in Detmold und das Open Air Kino Siegen. Hier schaut man „unter dem Blätterdach jahrhundertealter Bäume und“ – wie sollte es auch anders sein – „vor der Kulisse des illuminierten Oberen Schlosses“.

    Die ungewöhnlichsten Orte für Freiluftkinos: ein stillgelegter Hochofen in Duisburg, das Kino Utopia am Stoa bei Wasserburg am Inn, „eine Art Naturbühne mit einem Findling aus der letzten Eiszeit“, und in Krefeld wird im Sommer die Galopprennbahn zum Kino.

    Mehrfach erwähnt wurden „Kino, Mond und Sterne“ im Westpark München, das "Talfimmern" in Wuppertal und das „Schiff“ in Wiesbaden, ein Freiluftkinofestival, das allerdings nicht auf einem solchen stattfindet. Am häufigsten genannt wurden die Filmnächte am Elbufer Dresden (natürlich wegen der „atemberaubenden Kulisse“). Achtung, hier werden auch die WM-Spiele übertragen - kostenfrei übrigens, während Kinofilme Eintritt kosten. Immerhin verlängert der Veranstalter das Kinoprogramm um jeden Abend, an dem Filmfreunde wegen einer Spielübertragung leer ausgehen. Wir finden ja, für jedes kostenfreie WM-Spiel sollte auch ein Film kostenfrei gezeigt werden.

    Foto© Sommerkino Braunschweig

    Besondere Erwähnung verdient übrigens das Sommerkino in Braunschweig im Garten des Kunstvereins: Man beachte die Spielfeldhaftigkeit des Arrangements und die Positionierung der Leinwand in Korrespondenz mit einem außerhalb des Filmfeldes befindlichen Fußballtores. Hier sollen entweder Filminteressierte mittels subtiler Manipulationstechniken auch zu Fußballinteressierten gemacht werden, oder die Fußballreferenzen dem Umstand Nachdruck verleihen, dass Film einfach stärker ist als Fußball.

  • 08.07.2014  10:38

    Kommentator unlogisch über sein Outing als Nicht-Fußballfan:
    "Man kann Fußball nicht ausweichen, ohne sich zu isolieren. […] Ich war bei Rewe einkaufen. An der Kasse sitzt vermutlich ein Afrikaner. Seiner Hautfarbe her und späteren Reaktion habe ich das für mich abgeleitet. Er war lustig drauf, unterhielt sich mit den Leuten über die WM. Ich stellte mich an seiner Kasse an und dann kam diese Frage: 'Na, und sind Sie für Ghana oder Deutschland?' Da dachte ich mir jetzt bist du mal ehrlich und sagst, 'Fußball interessiert mich nicht!' Es wurde still im großen Rewe, an den Kassen drehten sich die Leute um, es war richtig unheimlich. Überall die Fußball-Artikel - die Leute trugen T-Shirts, kauften Knabberspaß, ich dachte in dem Moment, so muß man sich fühlen unter Rassisten auch wenn das damit nichts zu tun hat. Jedenfalls schaue ich alle Deutschlandspiele, um mit den Kollegen auf Arbeit Kontakt zu haben. Wer das nicht auf dem Schirm hat, macht sich zum Außenseiter, gilt als Spießer und Spaßverderber. Wie habe ich mir in den letzten Tagen gewünscht, dass alles vorbei ist, um wieder über andere Dinge zu reden."

  • 07.07.2014  16:40

    "War schon mal mehr los in Schland", stellt einer unserer Autoren angesichts der aktuell eher gedämpften WM-Euphorie in Deutschland fest. War schon mal mehr los, das gilt auch für dieses Blog, aber wenn man für Nicht-Begeisterte über die Nicht-Begeisterung für eine Sache schreibt, dann kann es passieren, dass einen die Begeisterung für das Nicht-Begeistertsein verlässt, erst recht, wenn sich dann noch die Begeisterten nicht so begeistert zeigen, wie sie es eigentlich sollten, um eine begeistertenfreie Zone für Nicht-Begeisterte zu legitimieren. Aber wenn morgen Deutschland gegen Brasilien spielt, wird sich zeigen, dass diese Fußballfreie Zone doch ihre Notwendigkeit hat.

  • 03.07.2014  15:50
    Wollen Sie vielleicht an unserer Umfrage zum Thema Tor teilnehmen? Hat garantiert nichts mit Fußball zu tun. Sondern mit Anonymisierung. Sie finden die Umfrage auf Facebook.

  • 28.06.2014  11:23
    Aktueller Zwischenstand: Die Facebook-Gruppe "Fußballfreie Zone", die wir vor kurzem hier erwähnten, obwohl sie nichts mit uns zu tun hat, zählt aktuell 71 Mitglieder. Das sind schon 12 mehr als zum Zeitpunkt unserer Erwähnung. Interessensgemeinschaften können anscheinend durchaus auch auf Basis von mangelndem Interesse entstehen, wenn auch das Interesse an ihnen sehr viel geringer ausfällt als das an den auf Interesse basierenden (wie man an den Mitgliederzahlen aller Facebook-Gruppen ablesen kann, die etwas mit Fußball zu tun haben).

  • 27.06.2014  12:55
    Es ist Donnerstag, 18:15, und ganz Deutschland sieht sich das Spiel zwischen der deutschen und der US-Nationalmannschaft an. Ganz Deutschland? Wir nicht: Wir sitzen auf der Terrasse des Schmargendorfer Weinrestaurants Hardy’s. Wir, das sind Thomas, Anja, Armin, und ich. Anja ist studierte Geowissenschaftlerin, heute lebt und arbeitet sie als Künstlerin im Berliner Stadtteil Schmargendorf. Thomas besitzt das Weinrestaurant Hardy’s seit 18 Jahren. Armin ist fünf Jahre alt, eine französische Bulldogge und schnarcht unentwegt, auch wenn er wach ist.

    Weshalb ich ausgerechnet hier bin? Weil Thomas seine Gastronomie während der WM als "Fußballfreie Zone" bewirbt. Den entscheidenden Hinweis auf das kleine Weinrestaurant inmitten von Schmargendorf erhielt ich von einer Kollegin. Schmargendorf? Das ist ein schmaler Streifen im ehemals goldenen Westen Berlins, eingeklemmt zwischen Dahlem und Wilmersdorf. Einer dieser Orte, die darauf warten, dass eines Tages Rainald Grebe vorbeikommt, ihre Bedeutungslosigkeit wahrnimmt und ein Lied drüber schreibt. Zweifellos ideal, um der WM-Euphorie zu entgehen.



    Ein wenig trügt aber die Idylle den gestressten Großstädter, der von Fußball nichts wissen will. Denn der Aufenthalt gestaltet sich nicht ganz wie erwartet. Was ich erwartet hatte: Grimmige, bierbäuchige Westberliner mit Doppelkinn und weißem Stoppelbart in brüchiger Lederweste, die die Spiele nicht sehen, weil das System ein Scheißsystem ist und Fußball Kapitalismus. Oder so ähnlich. Thomas Pechmann ist zwar Westberliner, aber ein gepflegter, schlaksiger Typ, der mich freundlich empfängt und – Achtung! – mit Fußball eigentlich überhaupt kein Problem hat. Einen Fernseher aufzustellen würde sich hier, in der Idylle von Schmargendorf, nur gar nicht rentieren. Wenn er frei hätte, würde er das Spiel sogar gucken, sagt er, aber eine Regelmäßigkeit im Restaurantbetrieb sei ihm wichtiger, selbst wenn dann nur zwei Gäste kommen. Und Anja? Anja findet die Spiele einfach zu aufregend. Ihr hoher Blutdruck mache das nicht mit.

    Ich bin ein bisschen enttäuscht. Ob wohl wenigstens der Koch absolutes Fußballdesinteresse beweist, frage ich mich, und besuche ihn in der Küche. Christopher heißt er, ist 22 Jahre alt, steht am Herd – und sieht das Spiel auf dem kleinen Fernseher, den Thomas ihm extra hingestellt hat. Er sei zwar sonst kein Fan von Fußball, aber WM und EM schaue er eben trotzdem, sagt Christopher.

    Bleibt mir als Verbündeter also nur Armin, die chronisch schnarchende Bulldogge. Immerhin erweckt Armin den Anschein völliger Gleichgültigkeit, nicht nur dem Spiel gegenüber. Kein Mensch kommt vorbei, hier in Schmargendorf. Die Spätabendsonne lugt durch die Baumwipfel, in der Ferne grollt ein Donner. Um 18:55 tutet eine einsame Vuvuzela irgendwo nördlich von uns, ein Böller knallt. Christopher kommt ohne Eile aus der Küche hervor: „Eins zu null, Thomas!“ „Für Deutschland?“ „Jo!“

    David Schmidt

  • 25.06.2014  17:06
    Auch die Nicht-Fußballfans unter unseren Lesern sind Toren zugewandt. Laut der Ergebnisse einer Facebook-Debatte zum Thema haben die meisten Leser die größte Nähe zum Moni-Tor. Auch sehr geschätzt werden Häufungen von Toren, zum Beispiel die Vier Tore von Neubrandenburg oder Die Sieben Tore von den Drei Fragezeichen. Das Tor auf dem alten 50-Mark-Schein wünschen sich manche zurück, und auch mit dem Motiva-Tor hätten gern mehr Leser zu tun. Saisonabhängig, nämlich auf die heiße Phase des Sommers beschränkt, ist das Interesse am Ventila-Tor.
    Und dann gibt es noch das Interesse am Tor, welches Kommenta-Tor no-panic sehr schön formuliert hat: „Ein Tor, welcher die Torheit, über Toren zu reden, nicht nutzen mag. Lassen Sie uns über Toren reden, gibt es sie doch überall. Toren finden sich im gemeinen Volk ebenso, wie in den durchlauchten Schichten von Politik, Business und Glitzerfunkelwelten. Jeder soll einmal ein Tor sein dürfen und sich eine Torheit leisten können, denn den Toren gehört die unbeschwerte Welt und die Leichtigkeit. Lasst uns töricht sein und nun über Tore reden.“

  • 24.06.2014  12:24
    Wir interessieren uns nicht für Fußball, aber über Tore sprechen können wir trotzdem. Es gibt ja ganz wunderbare Tore von großen Dimensionen und historischem Wert. Tore wie das Brandenburger Tor, das Holstentor oder das Neuperver Tor gehören in die erste Liga der Tore. Aber auch auf Lokalebene gibt es schöne Tore zu sehen, Gartentore zum Beispiel.
    Sie kennen sich gut aus mit Toren, können unseren Lesern die Bedeutung eines bestimmten Tors in der Geschichte der Tore erklären? Oder wissen, was man beim Kauf eines Gartentors beachten muss? Dann raus damit. Es reden doch gerade alle davon, wie wunderbar leer die Baumärkte während der Spielübertragungen sind, eine gute Gelegenheit also, sich in der Gartenbauabteilung ein Tor zu besorgen – sozusagen ein Eigentor.
    Übrigens: Wenn Sie Zuhause ein schönes Tor haben, dann haben Sie vielleicht auch einen passenden Torwart dazu? Schicken Sie uns ein Foto von Ihrem Wachhund vor Tür oder Tor. Bitte alle Fotos oder sonstigen Informationen, die Sie nicht hier im Kommentarbereich teilen können, an fussballfrei@zeit.de, Betreff „Tor“.

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