Für mich war die Selbständigkeit mit der Aussicht auf einen sozialen Wiederaufstieg verbunden. Seit 2005 habe ich aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls eine Geh- und Stehbehinderung mit einem Grad von GdB 80.

In Sachsen bin ich damit aus dem Angestelltenleben ausgeschlossen. Kein öffentlicher und schon gar kein privatwirtschaftlicher Arbeitgeber stellt hier behinderte Menschen ein. Der Weg in eine Werkstatt für behinderte Menschen hingegen war für mich als Akademiker mit gutem Abschluss und zahlreichen Weiterbildungen kaum vorstellbar.

Mein Unfallgegner war nach deutschem Recht zur Zahlung von 60 Tagessätzen verurteilt worden – zu Gunsten der Staatskasse. Seine Kfz-Haftpflichtversicherung zahlte mir nur einen lächerlich geringen Betrag als Schmerzensgeld. Wie sollte ich so meine drei Kinder ernähren?

Ich hatte zwar nach meiner Genesung einige schlecht bezahlte Jobs, die mir aufgrund des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes angeboten worden waren. Direkt nach dem Auslaufen der Zuschüsse wurde ich jedoch sofort wieder gekündigt und durch den nächsten Schwerbehinderten ersetzt. Ein Irrweg, der von der Regierung des Freistaats Sachsen seit Jahren intensiv ausgebaut wird.

Selbständigkeit schien mir zunächst unrealistisch, sogar bedrohlich, weil ich wegen der Unfallfolgen ständiger medizinischer Betreuung bedarf. Auch die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in Höhe von 700 Euro im Monat wären zu Beginn einer Selbständigkeit eine große Last gewesen.

Dennoch habe ich mich Anfang des Jahres als Qualitätsmanager selbständig gemacht. Wenn man zum zweiten Mal und mit Nachdruck fragt, stößt man immer wieder auf Leistungen und Auswege, von denen man zuvor noch nicht gehört hat. Und so nahm ich die zahlreichen Hürden auf dem Weg zur Selbständigkeit, schließlich wollen IHK, Finanzamt und einige andere Organisationen mitverdienen, auch ohne dafür relevante Leistungen zu erbringen.

Den Schritt in die Selbständigkeit habe ich bisher nicht bereut. Zum ersten Mal habe ich die Möglichkeit zu beweisen, dass meine Ideen funktionieren, sehr gut sogar. Ich habe keinen Selbstdarsteller als Chef mehr, der alles in Zweifel zieht, muss nicht mehr von neun bis fünf stupide herumsitzen, auch wenn wirklich nichts zu tun ist, und bekomme endlich Anerkennung für meine Erfolge.

Den Weg in die Selbstständigkeit kann ich eigentlich jedem empfehlen, auch wenn die deutsche Politik diesen Weg noch immer sträflich vernachlässigt. Natürlich trägt man als Selbständiger ein größeres finanzielles Risiko, aber zugleich ist auch die Chance höher, erfolgreich und zufrieden zu sein.