Der Fall eines prominenten Footballspielers, der seine Frau geschlagen hat, sorgt in den USA aktuell nicht nur für Empörung, sondern auch für eine Welle von Offenbarungen durch Opfer häuslicher Gewalt. Und zwar auf Twitter.

Häusliche Gewalt gilt als Tabuthema, nur wenige Opfer geben ihre Geschichte preis. Vielleicht auch deshalb, weil sie auf Unverständnis stoßen, wenn sie es doch tun. Dass jemand freiwillig in einer von Gewalt geprägten Beziehung bleibt, können Außenstehende nicht verstehen. Genau diesen Aspekt beleuchtet die aktuell auf Twitter virulente Debatte mithilfe von zwei Hashtags: #WhyIStayed und #WhyILeft. In der Mehrzahl weibliche Opfer erklären hier, warum sie es so lange in einer gewaltgeprägten Beziehung aushielten, bevor sie an den Punkt gelangten, daraus ausbrechen zu können. Die Folge: Auch Nichtbetroffene äußern sich – und zwar vor allem verständnisvoll.

Hashtag Activism ist im angelsächsischen Raum weit verbreitet. Von #BringBackOurGirls über #HandsUpDontShoot bis zur #icebucketchallenge sorgen Hashtags für Aufmerksamkeit und Debattenimpulse. In Deutschland ist #aufschrei das bislang einzige Beispiel. Das zeigt aber immerhin, dass über Twitter auch hierzulande Debatten angestoßen werden können.

Warum wird Twitter nicht aktivistischer genutzt? Weil deutsche Nutzer nicht gern öffentlich Position beziehen? Weil man sich halt nicht in Dinge einmischt, die einen persönlich nichts angehen? Weil es am Ende eh nichts bringt?