Es macht einfach Spaß, Menschen zu beleidigen, die man nicht persönlich kennt. Selber beleidigt zu werden dagegen macht überhaupt keinen Spaß. Weshalb sich Kommentatoren, die sich mit Beleidigungen konfrontiert sehen, darüber bei der Moderation beschweren, und das zu Recht. Immer wenn sich Kommentatoren gegenseitig geistiger Unzulänglichkeiten bezichtigen, führt das zu einer unguten Gewichtung von emotionaler Intensität zu inhaltlicher Substanz. Das Entfernen von Beleidigungen durch die Moderation erfolgt also zum Vorteil aller.

Ganz anders verhält es sich bei Beleidigungen von Personen außerhalb des Kommentarbereichs. Sportler, Schauspieler oder Politiker dürfen nach Meinung einiger Kommentatoren ungestraft beleidigt werden. Ganz besonders letztere übrigens, denn die erbringen im Gegensatz zu den erstgenannten nicht nur keine guten, sondern überhaupt keine Leistungen. Wenn es sich bei Politikern überhaupt um Menschen handelt, dann um schlechte. Das heißt also, Politiker haben entweder keine Gefühle oder Beleidigungen verdient. Und selbst wenn doch: Politiker lesen keine Leserkommentare, also ist es eh egal, was man über sie schreibt.

So denken einige Kommentatoren. Und deshalb beschweren sie sich über Bevormundung und Maßregelung (siehe zum Beispiel diesen Kommentarstrang zu Recep Tayyip Erdoğan), wenn die Moderation den Strauß der pejorativen Politiker-Spitznamen um die kessesten Blüten ausdünnt. Manche sehen sogar die Demokratie in Gefahr. In einer echten Demokratie müsse es schließlich erlaubt sein, Politiker zu beleidigen, ganz besonders Vertreter nichtdemokratischer Systeme, und solche Beleidigungen zu entfernen bedeute einen Angriff auf demokratische Werte.

Nein, die Staatsoberhäupter dieser Welt mit lustigen, beleidigenden, herausfordernden oder einfach nur dummen Schmähnamen zu belegen ist für uns keine Manifestation demokratischer Werte. Wir wollen keine Mutti, keinen Sultan oder Sonnengott, keinen Schokomann oder Nato-Pfaffen und keine Flinten-Uschi im Kommentarbereich sehen. Und auch keine Verballhornungen mit Verweis auf Holzmännchen mit langen Nasen. Wir wollen, dass unsere Kommentatoren sich selbst und dem Gegenstand ihrer Kritik mit Würde begegnen. Wer will, darf sich gern echauffieren, amüsieren oder eine wohlabgemessene Prise Polemik einstreuen – aber wer will, dass seine Kritik ernstgenommen wird (gerade wenn sie heftig ausfällt, was besonders in Bezug auf Staatsoberhäupter oft der Fall ist), sollte seinen Witz nutzen, anstatt den Gegenstand seiner Kritik zur Witzfigur zu machen.