Weil Brittany Maynard an einem unheilbaren Gehirntumor litt, ließ sie sich von ihrem Arzt eine tödliche Medikamentendosis verschreiben, um den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen zu können. Maynard kündigte ihren Tod öffentlich an, weil sie sich dafür einsetzte, aktive Sterbehilfe in allen Bundesstaaten der USA zu legalisieren. Bisher ist sie dort nur in Oregon, Washington und Montana erlaubt.

In Deutschland hätte Brittany Maynard vermutlich keinen Arzt gefunden, der ihr ein Schlafmittel in ausreichend hoher Dosis verschrieben hätte, um damit ihr Leben zu beenden. Denn bisher gibt es kein Gesetz, das die Beihilfe zum Suizid regelt. Sie ist nicht strafbar, aber Ärzte, die ihren todkranken Patienten die nötigen Medikamente verschreiben, riskieren den Verlust ihrer Zulassung, weil ihr Standesrecht es ihnen verbietet. Das könnte sich aber bald ändern. Denn der Bundestag wird (beginnend mit einer sogenannten Orientierungsdebatte am Donnerstag, den 13.11.2014) über mehrere Gesetzesanträge beraten, die eine klare Regelung zur Sterbehilfe treffen wollen. Offen ist, ob das Gesetz am Ende liberal oder restriktiv ausfallen wird. Sicher aber ist, dass die öffentlichen Diskussionen in den kommenden Monaten kontrovers und emotional geführt werden. Es wird um das Recht auf Selbstbestimmung gehen, die Würde des Sterbens und den Wert des Lebens.

Wir wollen die Debatte mit Geschichten begleiten, die davon erzählen, um was es vor allem anderen geht: das Sterben. Um das Abschiednehmen, den Verlust, die Trauer. Erzählen Sie uns, wie Sie Sterben und Tod erlebt haben. Ob in Ihrer Familie, im Freundeskreis oder bei der Arbeit, beispielsweise als Ärztin, Pfleger oder Sterbebegleiter. Senden Sie Ihre Geschichten an leseraufruf@zeit.de, Betreff "Sterben". Eine Auswahl der Einsendungen werden wir in den kommenden Wochen veröffentlichen und damit unserer Berichterstattung zu diesem Thema eine subjektive und realitätsspiegelnde Komponente zur Seite stellen.

Die Orientierungsdebatte im Bundestag am Donnerstag, den 13.11.2014 (Beginn 9 Uhr, Dauer rund vier Stunden), können Sie im Parlamentsfernsehen des Bundestags live mitverfolgen.