Ungemein früh stand für mich fest, dass ich keine Menschenkinder in die Welt setzen werde. Ich war etwa zwölf und mein Lebensplan sah so aus: Autorin werden, unabhängig und finanziell frei leben und viele, viele Bücher schreiben, die die Menschen erreichen. Bücherkinder also.

Ich bin mittlerweile 27. Zwei meiner Bücherkinder haben bereits das Licht der Welt erblickt, mit zwei weiteren gehe ich derzeit schwanger.

Meinen Freundeskreis habe ich entsprechend ausgewählt: Alle wissen um meinen unbedingten Keine-Kinder-Wunsch. Angehende Langzeitliebhaber informiere ich frühzeitig über diese Entscheidung. Auch meine Familie hat sich endlich damit abgefunden, dass aus meiner Gebärmutter keine Stammhalter erwachsen werden. Bis dahin war es aber ein langer Kampf.

Eine heranwachsende Frau wird ständig mit ihrer Rolle in der Gesellschaft konfrontiert, eigentlich jeden Tag. Mein Uterus begann Eier abzuspalten, und ich musste die dummen Sprüche ertragen. Jahr für Jahr. Sexistische Kackscheiße über weibliche Sexualität und ihre Aufgabe. Seit meine Lebensvision feststand, halte ich dagegen. Mal mehr, mal weniger undamenhaft aggressiv – aber immer entschlossen. Vorletztes Jahr endlich verstanden wenigstens meine Eltern, dass ich es ernst meine. Dass es sich eben nicht ändern, dass der Kinderwunsch nicht doch noch kommen wird, wenn ich nur den richtigen Mann kennenlerne. Ich bin stolz darauf – in meiner Familie ist diese Einsicht, die Anerkennung meiner Entscheidung, ein großes kleines Wunder.

Seither ruhe ich mich gerne darauf aus. Nur langsam lasse ich heutzutage neue Leute dicht an mich heran. Ehe ich mich ihnen mitteile, prüfe ich, wie es um ihre Gesinnung steht. Denn ich bin zwar gewappnet gegen die dummen Sprüche, verletzen tun sie aber nach wie vor. "Ach, das kommt noch." "Du wirst es bereuen, wenn es nicht mehr geht." "Das ist egoistisch von dir." "Was sagt denn dein Mann dazu?" All diese Äußerungen bedeuten doch letztlich nur: "Ich traue dir nicht zu, deine eigenen Entscheidungen zu treffen." Und das tut weh.

Es ist hart, wie viele Freundschaften in meinem jungen Leben schon zerbrochen sind, weil die andere Seite meine Entscheidung nicht tolerieren konnte. Wahrscheinlich blüht mir das noch öfter, denn ich komme jetzt in das Alter, in dem man heutzutage Familien gründet. Meine beste Freundin beispielsweise will unbedingt Kinder. Ich habe Verständnis dafür, werde sie unterstützen und ihre kleinen Ableger vermutlich so lieben wie meine Neffen und Nichten. Mir liegt es fern, sie zu fragen: "Hast du dir das auch gut überlegt? Stell dir vor, du bist 45 oder 50 und dir fällt auf, dass du sie doch nicht willst – was machst du dann?"

Es hilft mir zu wissen, dass ich mein Leben wohlwollend gestalte. Ich schütze mich, lasse mich auf keine Diskussionen ein. Sobald ich bemerke, mein Gegenüber ist nicht offen, sondern will mich nur bekämpfen, wähle ich den Rückzug: "Ich merke, du bist nicht bereit, mit mir darüber zu reden, also lassen wir es. Wenn du soweit bist, können wir gerne fortfahren. Bis dahin: Schönes Leben!"

Dieser Beitrag ist eine Reaktion auf unseren Leseraufruf "Partnerlos, kinderlos, was ist los?".