Eine aktuelle Kampagne aus der Schweiz versucht mit Humor, auch Erwachsene zur Impfung zu bewegen. © stopmasern.ch

Wie es weitergehen kann

Das Polarisierungsprinzip ist mächtig und verführerisch. Aber es ist sinnlos und langweilig. Denn wo liegt die Herausforderung, wo bleibt die Lust am argumentativen Kräftemessen, am Ausweis rhetorischer Geschicklichkeit, wenn alle Beteiligten ohnehin schon wissen, was sie sagen, wie sie sich verhalten, noch bevor sie den Kommentarbereich betreten?

Eine Debatte kann nur entstehen, wenn auch vermittelnde und abwägende Stimmen gehört werden. Es gibt sie durchaus: Impfbefürworter, die Verständnis für Impfgegner zeigen, so wie skygazer: "Bei aller Liebe zur gesamt-gesellschaftlichen Betrachtung und zum großen Nutzen der Impfungen muss auch klar sein, dass sich das Individuum eben frei entscheiden kann. Und ein ernsthafter Versuch, Impfskeptiker zu überzeugen, liegt in der Auseinandersetzung mit ihren Argumenten. Da kommen aber meistens nur Dummheitsvorwürfe." Es gibt Impfgegner mit Fragen, die den einen banal, den anderen aber diskussionswürdig erscheinen. Es gibt sogar eine Betroffene, die einen Impfschaden erlitten hat, und sagt: "Jedoch lehne ich aufgrund dieser Erfahrung nur für mich Impfungen ab, keineswegs pauschal. Impfungen sind sinnvoll."

Solche Aussagen sind Angebote von Kommentatoren, die sich austauschen und weiterbilden wollen, die Impulse setzen. Aber die Teilhabe an der Diskussion bleibt ihnen größtenteils verwehrt. Dabei könnten gerade die vermittelnden Positionen dazu beitragen, Impfskeptikern die Entscheidungsfindung zu erleichtern und Impfbefürworter über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären. Man müsste nur auf sie reagieren. Einen Versuch wäre es wert – zum Beispiel im Kommentarbereich unter diesem Stück.