Solange man in unserer Gesellschaft stets das Gefühl vermittelt bekommt, dass das "Kinder haben" eher ein individueller (Un-)Glücksfall ist, ohne Hilfe oder eine Möglichkeit, aus dieser "Selbst Schuld"-Falle entkommen zu können, wenn es sehr schwierig für den Einzelnen wird, muss man sich nicht wundern, wenn sich immer wieder Reue einstellt oder sich v. a. junge Frauen gegen ein solch reglementiertes und oft chancenloses "Vegetieren" am Rande der Gesellschaft entscheiden.
Jenny Sprenger auf Facebook

Das hat im Übrigen nichts damit zu tun, dass betroffene Eltern ihre eigenen Zöglinge hassen würden. Viele bereuende Eltern machen sich selbst Vorwürfe dafür, dass sie ihre Elternschaft ablehnen, die Kinder aber doch lieben. Klingt paradox – so ist der Mensch.
Kommentar von Ricochet

Ich kann mich noch gut an die erste Zeit nach der Geburt erinnern, die ich eben nicht als großes Glück, sondern als große Anstrengung erlebt habe. Vielleicht beschreibt "Wochenbettdepression" den Zustand medizinisch korrekt, erfahren habe ich jedenfalls Zweifel, Sorgen, Tränen, Druck, Stress und Kaputtsein. Es gab schon überwältigende Momente, etwa die ersten Minuten als Familie allein im Kreissaal, aber rasch auch viel Unsicherheit. Und zu Hause dann die Fragen: Vielleicht hätten wir doch noch etwas warten sollen? Ist das Leben jetzt vorüber? Wir sind doch erst Mitte zwanzig! Was sollen wir jetzt mit diesem hilflosen, schreienden Bündel? Irgendwie habe ich es schon lieb und fühle mich verantwortlich, aber innige, tiefe Zuneigung und Zärtlichkeit gegenüber dem kleinen Wesen? Eher Fehlanzeige. Die mussten erst wachsen. Es dauerte, sich aneinander zu gewöhnen, sich kennen- und lieben zu lernen. Ich musste auch lernen zu akzeptieren, wie wenig rational, dafür aber stark von Hormonen und sozialem Erwartungsdruck mein ganzes Handeln in dieser Zeit gelenkt war. (...) Auf Hürden wie Wochenbettdepression und starke Stillschmerzen war ich jedenfalls nicht gefasst. Ein offener Diskurs darüber, was mit der Elternschaft auf einen zukommen kann, wäre sicher eine Entlastung für alle, die kämpfen und Schwierigkeiten haben in dieser romantisch-kitschigen Werbungsversion von Familie, die so verbreitet ist.
Anonym, per E-Mail

Eltern sein ist nicht nur mit Friede, Freunde, Eierkuchen verbunden – ich glaube das ist allen bewusst. Kinder werden krank, geraten auf die schiefe Bahn, haben soziale und schulische Probleme und die Eltern leiden meist immer mit. Somit haben die Eltern nicht nur ihre eigenen Sorgen (Berufsleben, Beziehung, Geld), sondern sie belasten sich auch noch mit den Sorgen ihrer Kinder. Ich denke nicht, dass zu wenig darüber gesprochen wird – man sieht es täglich bei ganz normalen Familien. Was würde es ändern, das öffentlich zu diskutieren? Davon werden die Kinder nicht gesund und die Probleme werden nicht weniger. Aber das gehört dazu, wenn man für ein Menschenleben die Verantwortung übernimmt. Dass es Egoisten gibt, die im Nachhinein ihre Elternschaft wirklich bereuen, ist vermutlich eine Ausnahme. Warum also danach suchen?
Kommentar von MarryS

Meine Kinder waren die schwierigste, anspruchsvollste und mich am allermeisten fordernde Aufgabe, die das Leben (bisher) an mich gestellt hat (mein Empfinden). Sie sind das Beste, was mir passieren konnte, denn sie haben mich gezwungen, meine "dunklen" Anteile anzusehen und wo es möglich war, zu integrieren. Dadurch hat mein Leben sehr an Tiefe gewonnen. Sie haben mich wahrscheinlich wesentlich stärker erzogen als umgekehrt. Das war allerdings (ziemlich) anders – als ich es mir vorgestellt hatte.
Kommentar von Elisabeth von Randow

Das Kind kam spät und unerwartet in das Leben zweier Menschen mit chronischen Krankheiten. Die Mutter hat nach einem Schicksalsschlag den Kampf gegen die Sucht verloren, der Vater zog die Notbremse – Scheidung, Kontaktabbruch. Seitdem kämpft er gegen die Zeit und die MS, um seinen Sohn wenigstens noch auf eigene Beine zu helfen bevor sein Körper crasht. Familie und Freunde unterstützen, jeder nach seinen Möglichkeiten. Beide Eltern lieben ihren Sohn – aber um seinetwillen zweifeln sie schon in dunklen Stunden an der Entscheidung bei Thema Abbruch ja/nein. Und ja, wir haben als Familie sehr lange und intensiv auch mit Profis beraten, ob Vollpflegschaft oder Sorgerechtsverzicht der bessere Weg wäre. Bisher jedoch läuft es relativ gut. (...) Es tut gut, in der Anonymität des Internets sehen zu können: Ich/wir sind nicht die einzigen. Wir sind keine Monster, sondern da draußen in der Welt gibt es noch mehr, die so fühlen/denken. Das ist eine große emotionale Entlastung, die letztlich den Kindern zugute kommt. Außerdem können die Lösungen anderer auch helfen, eigene Lösungen zu finden. Oder sich eben schon vorher darauf einzustellen, dass Elternschaft kein Never-Ending-Weichspülerwerbespot ist – und so nicht ganz so ungebremst aufzuschlagen, mit allem was dazugehört.
Kommentar von LenaRöhler

Bereut habe ich meine drei Kinder nie. Ich kann mir mein Leben anders nicht mehr vorstellen. Ich mag es, wie es ist. Aber ich kann auch jeden Menschen verstehen, der sich bewusst gegen Kinder entscheidet, denn Kinder bekommen gleicht – etwas übertrieben ausgedrückt – einem Suizid. Das alte Ich, das alte Leben, wird mit einem Schlag ausgelöscht. Man bekommt zwar ein neues geschenkt, aber man muss es erst lieben lernen. Einige meiner engen Freundinnen von früher sind noch immer kinderlos und führen ein, wie ich finde, unbeschwertes und sorgenfreies Leben. Und natürlich blinzele ich manchmal neidvoll zu ihnen hinüber. Aber nur ganz kurz.
Anonym, per E-Mail