Ich habe inzwischen sechs Jahre polyamore Lebensweise hinter mir, gegenüber lediglich vier Jahren Erfahrung mit Monogamie. Und ich sehe nicht, dass ich jemals zur Monogamie zurückkehren werde. Sie passt nicht zu mir. Ich verliebe mich immer wieder in neue Menschen, und ich will nicht, dass diese wunderbaren Gefühle als etwas Schlechtes oder Bedrohliches angesehen werden. Es geht einerseits darum, Gefühle anzuerkennen, wobei ein "Ich bin in dich verliebt" noch lange nicht heißt "Ich will etwas mit dir anfangen". Andererseits ist mir wichtig, dass eine schöne Beziehung mit einem Menschen nicht bedeutet, dass ich mit anderen Menschen ganz viele Sachen nicht machen darf. Ich bin dagegen, sich gegenseitig so einzuschränken. Ob ein Partner nun mit Freunden Fußball spielen geht oder auf eine Sexparty, fühlt sich nicht mehr besonders unterschiedlich an. Beides bedroht mich nicht, denn ich weiß: Dieser Mensch will ganz unabhängig davon mit mir zusammen sein.

Meine drei Partnerinnen kennen sich wie gesagt alle und haben sich gern – so gern, dass Charlotte vor einiger Zeit die Idee in den Raum warf, ob wir nicht versuchen wollen, auch räumlich näher zusammenzurücken und vielleicht sogar eine polyamore Wohngemeinschaft zu bilden. Nach den Erfahrungen in meinem ersten Netzwerk bin ich etwas vorsichtig, diesen Wunschtraum nun zu sehr in die Höhe zu heben. Ich will nicht noch einmal über meine zugegeben etwas abgefahrenen Wünsche und Hoffnungen den Blick auf die Realität verlieren. Es ist auch nicht so, dass die Beziehungen sich nicht führen ließen, falls wir diesen Schritt nicht gehen werden. In jedem Fall bin ich sehr gespannt, wie sich unsere gemeinsamen Leben weiterentwickeln werden. Derzeit pendeln wir viel zwischen Berlin und meinem Wohnort bei Köln hin und her. Wir teilen online unsere Kalender, skypen öfter miteinander und haben einen gemeinsamen Gruppenchat. Das Internet hilft uns allgemein sehr bei unserer Kommunikation, die viel effizienter ist, wenn nicht jeder die gleiche Sache dreimal erzählen muss, sondern alle mitlesen können. 

Ich wünsche mir auch eine Familie und hätte gerne bald eigene Kinder. Mit Maria bin ich schon lange genug zusammen, so dass sich dieser Gedanke für uns nicht mehr gruselig, sondern schön anfühlt. Aber auch mit Charlotte und Elisa schließe ich es für die Zukunft überhaupt nicht aus. Wir wünschen uns in jedem Fall mehr Bezugspersonen als bloß zwei Eltern für die Kinder, denn wir fühlen uns von dem Gedanken überfordert, bloß als Paar eines oder mehrere Kinder aufzuziehen. Früher war es selbstverständlich, dass die Großeltern mit im Haus lebten und bei der Reproduktionsarbeit halfen. Eine Wunschfamilie mit vielen sich wertschätzenden Menschen klingt für uns wie eine moderne Form eines guten Familienlebens. Es ist schade, dass es für solche Lebensweisen keine vergleichbare Unterstützung vom Staat gibt wie für die Kleinfamilie. Niemand wird sich deshalb davon abhalten lassen, aber es wäre nicht zuletzt für die Kinder eine große Unterstützung, wenn es da mehr Sichtbarkeit und Anerkennung gäbe.

Mit diesem Beitrag beenden wir unsere Serie Mit viel Liebe. Wir bedanken uns bei unseren Lesern für die vielen Einsendungen, Kommentare und Diskussionen.

Der Autor schreibt unter Pseudonym. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.