Doch inzwischen wagen sich kleine Biotech-Firmen an den Gegenbeweis. Zum Beispiel das Start-up Phagomed aus Wien. 5,5 Millionen Euro hat die Firma bei privaten Investoren und öffentlichen Förderern eingesammelt. "Wir glauben, dass man Phagenmedikamente sehr wohl patentieren lassen kann. Außerdem gibt es viele Arzneimittel mit limitiertem Schutzrecht, die allein aufgrund des großen Bedarfs profitabel sind", sagt der Mikrobiologe und ehemalige Unternehmensberater Lorenzo Corsini, der Phagomed vor zwei Jahren mit einem Kollegen gegründet hat. Die Schutzrechte müssten nur anders begründet werden. Eine Idee: Die natürlichen Phagen sind oft nicht stark genug. Die Viren, die am besten Bakterien zerstören, werden im Labor von Phagomed zu Höchstleistungen weitergezüchtet – und sind am Ende idealerweise schützbar, so wie auch Obstbauern die von ihnen neu kultivierten Apfelsorten als Eigenkreation eintragen lassen können. "In unseren Medikamenten werden wir außerdem nicht eine Phage verwenden, sondern in der Regel eine Kombination aus mehreren Phagen", sagt Corsini. "Das ist ein bisschen wie bei Coca-Cola. Die einzelnen Zutaten sind vielleicht nicht geschützt, aber das genaue Rezept kann keiner nachkochen – und ist möglicherweise patentiert."

Die Therapie müssen Patienten selbst bezahlen

Bis die Phagen in Europa zugelassen sind, suchen Patientinnen und Patienten wie Ekkehard Eichler die Wege neben dem offiziellen Gesundheitssystem. Auf eigenes Risiko, und auf eigene Kosten. Rund 8.000 Euro musste er für die Reise nach Tiflis investieren, allein 3.900 Euro verlangt das Eliava-Institut für die Behandlung. Eichler hat versucht, das Geld von der Krankenkasse zurückzubekommen – bislang vergebens, weil die Therapie nicht anerkannt ist. "Ich bin trotzdem froh, dass ich hingefahren bin", sagt er.

In Georgien hat man ihm eine Phagenlösung zum Schlucken mitgegeben. Sie schmecke, sagt Eichler, wie dünner Kaffee mit ein wenig Brühe. Und sie hilft, glaubt er. Die Beschwerden seien deutlich zurückgegangen; ins Krankenhaus, um die Wunden auszupumpen, habe er nicht mehr gemusst. "Hut ab vor den Georgiern", sagt Eichler. Dass es ihm so viel besser geht, könnte an der Phagentherapie liegen. Mit letzter Sicherheit sagen kann man es aber nicht.

Bald sind Eichlers Vorräte aufgebraucht. Er braucht neue Phagen. Bloß woher? Den Arzt oder Apotheker kann er nicht fragen. "Ich werde wahrscheinlich wieder nach Tiflis fliegen müssen."