Die Zahlen der Polizei Berlin sind deutlich rückläufig. Während im Jahr 2012 noch 44 Fälle und im Jahr darauf 73 Fälle registriert wurden, in denen "K.-o.-Tropfen oder verwandte Mittel verabreicht wurden", waren es 2018 nur neun Fälle. Im Jahr 2014 standen 16 Fälle im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, im Jahr danach noch drei. Von der Polizei Berlin heißt es allerdings auch, dass man keine validen Zahlen übermitteln könne. Die Verabreichung von K.-o.-Tropfen gehe "oft mit dem Konsum alkoholischer Getränke einher, sodass Opfer sich eventuelle Gedächtnislücken und sonstige körperliche Beschwerden teilweise mit diesem erklären und gar nicht vermuten, dass ihnen etwas verabreicht wurde". Es könnte also durchaus mehr Fälle geben.
Mehr als 100 Substanzen gelten als K.-o.-Mittel
K.-o.-Tropfen und -Mittel sind Überbegriffe für eine Vielzahl an Substanzen, die eine Person außer Gefecht setzen, sie manipulierbar, wehrlos und bewusstlos machen können. Flüssig sein müssen sie nicht. Mehr als 100 Substanzen verfügen zumindest ansatzweise über Eigenschaften, die den Missbrauch als K.-o.-Mittel ermöglichen. Darunter sind viele Medikamente, etwa Benzodiazepine, eine Gruppe von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Aber auch bestimmte Medikamente, die zur Behandlung allergischer Symptome oder von Depressionen und Schizophrenie genutzt werden, zählen dazu. Einige dieser potenziellen K.-o.-Mittel entfalten ihre ausknockende Wirkung gerade in Kombination mit Alkohol.
Und dann gibt es noch zwei Stoffe, die besonders oft mit dem Begriff K.-o.-Tropfen assoziiert werden: Die seit 2002 in Deutschland verbotene Substanz GHB, die auch als Partydroge konsumiert wird. Und GBL, eine Substanz, die im Körper zu GHB umgewandelt wird, aber sehr viel leichter zu bekommen ist, da sie als Lösungsmittel in der Industrie verwendet wird.
Gamma-Hydroxybuttersäure, wie GHB eigentlich heißt, ist auch unter dem Namen "Liquid Ecstasy" oder kurz "G" bekannt. GHB ist farb- und geruchlos, der leicht salzige Eigengeschmack im Getränk kaum zu erkennen. Die Wirkung von GHB ähnelt der von Alkohol. In sehr geringer Dosierung wirkt die Substanz euphorisierend, enthemmend und sexuell stimulierend – der Grund, warum GHB auch willentlich konsumiert wird. Doch in etwas höherer Dosierung führt sie zu Schwindel, Koordinationsproblemen und Schläfrigkeit. Noch etwas mehr kann zu Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall zum Tod durch Atemlähmung führen – vor allem im Zusammenspiel mit Alkohol. Es geht dabei um wenige Milliliter Unterschied in der Dosierung.
So funktioniert der Schnelltest
Das Xantus-Drinkcheck-Armband von Kim Eisenmann testet auf das potenziell tödliche GHB. Aus Tätersicht sei GHB aber die ideale Substanz, sagt Eisenmann: "Das Opfer und andere Menschen denken, dass die Person betrunken ist, GHB erzeugt einen Filmriss und ist nach zwölf Stunden im Körper nicht mehr nachweisbar."
Das weiße Papierarmband, das im Doppelpack für 5,45 Euro verkauft wird, erinnert an ein Festivalbändchen. Jedes Armband hat zwei runde, pastellgrüne Testfelder. Wer befürchtet, heimlich GHB ins Glas gemischt bekommen zu haben, kann ein paar Tropfen des Getränks auf eines der Felder tupfen. Falls GHB enthalten ist, soll sich das Testfeld innerhalb von zwei Minuten blau färben. Das Problem: Das leichter erhältliche, ebenso gefährliche GBL und andere K.-o.-Mittel erkennt der Test nicht.
Eisenmann sagt, das Armband sei gemeinsam mit einem Chemiker entwickelt worden. Ein Institut habe anschließend überprüft, dass der Test GHB zuverlässig in Dutzenden verschiedenen Getränken nachweisen könne: Er funktioniere sowohl bei Apfelschorle und Cola als auch bei Bier, Rotwein und Gin Tonic. Nur für reines Wasser sei der Test nicht geeignet. Denn das Armband schlage bei Kontakt mit Wasser falschen Alarm. "Das ist eine Warnung, dass der Test nicht mehr funktioniert, nachdem er nass geworden ist", erklärt Eisenmann. "Etwa wenn beim Händewaschen Wasser auf das Testfeld spritzt, oder wenn es auf einem Festival anfängt zu regnen." Der Bayerische Rundfunk hat die Wirksamkeit des Armbands unabhängig überprüfen lassen – mit positivem Ergebnis: Bei vier verschiedenen Getränken funktionierte der Schnelltest auf GHB zuverlässig.
Die Zahlen der Polizei Berlin sind deutlich rückläufig. Während im Jahr 2012 noch 44 Fälle und im Jahr darauf 73 Fälle registriert wurden, in denen "K.-o.-Tropfen oder verwandte Mittel verabreicht wurden", waren es 2018 nur neun Fälle. Im Jahr 2014 standen 16 Fälle im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, im Jahr danach noch drei. Von der Polizei Berlin heißt es allerdings auch, dass man keine validen Zahlen übermitteln könne. Die Verabreichung von K.-o.-Tropfen gehe "oft mit dem Konsum alkoholischer Getränke einher, sodass Opfer sich eventuelle Gedächtnislücken und sonstige körperliche Beschwerden teilweise mit diesem erklären und gar nicht vermuten, dass ihnen etwas verabreicht wurde". Es könnte also durchaus mehr Fälle geben.