Irma Hausdorf organisiert die Berliner Demonstrationen zu Fridays for Future. An diesem Montag spricht auch sie zu den Prominenten in der Einhorn-Zentrale. Sie erklärt, dass dringend gehandelt werden müsse. Am Rande der Veranstaltung sagt sie, dass die Aktivistinnen und Aktivisten lange darüber nachgedacht hätten, ob sie mit Einhorn zusammenarbeiten wollen. Einerseits drohe die Gefahr, sich von Unternehmen instrumentalisieren zu lassen. Andererseits bräuchten sie starke Partner, um Kampagnen starten zu können. 

Schon lange gibt es in der Klimabewegung einen Richtungsstreit. Kann der Klimawandel überhaupt im derzeitigen System bekämpft werden? Viele streiten darüber, ob man mit oder gegen Unternehmen arbeiten müsse. "Wir haben keine Zeit, erst den Kapitalismus abzuschaffen, um dann die Klimakrise zu lösen", sagt Hausdorf. Die Wirtschaft sollte generell politischer werden, findet sie.

Damit ist Hausdorf nicht allein: Eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey hat ergeben, dass jeder zweite Deutsche es befürwortet, wenn Unternehmen politische Haltungen zeigen. Wenn der Uhrenhersteller Nomos Glashütte ankündigt, keine AfD-Mitglieder beschäftigen zu wollen. Wenn der Textilriese Patagonia zum Klimastreik alle seine Geschäfte schließt oder der Hafermilchhersteller Oatly medienwirksam die Einführung einer Co2-Kennzeichnung auf Lebensmitteln fordert. Das kann Überzeugung sein, ist aber auch immer Kalkül. Längst gibt es mit "Greenwashing" auch einen Begriff dafür. Denn mit politischer Haltung können sich Unternehmen profilieren, ihre Marke stärken, die junge Greta-Generation und Influencer an sich binden.

Nach der Planungsrunde an diesem Montag stehen rund fünfzig Moderatorinnen, Sänger und Models mit dem Rücken vor einer Leinwand. Auf ihr ist der neue Instagram-Account für die Bürgerversammlung zu sehen: 12062020olympia, ein Kompromiss aus Datum und Ort der Veranstaltung. Sie zücken ihre Smartphones, machen Selfies. "Wenn das jeder macht, können wir noch heute 100.000 Follower erreichen", sagt Zeiler. Am Ende des Abends deaktiviert Instagram vorübergehend den Account. Er ist zu schnell gewachsen, sie vermuten einen Bot. Am nächsten Tag verkündet Zeiler die Rückkehr. Auf seinem privaten Account, den er mit dem Hashtag "Dauerwerbesendung" gekennzeichnet hat.