Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat entschieden, dass das Speichern und Ausdrucken von digitalen Texten dem Urheberrecht widerspreche. In dem Eilverfahren von bundesweiter Bedeutung ging es um eine Auseinandersetzung zwischen der Technischen Universität Darmstadt und dem Eugen Ulmer Verlag in Stuttgart. In der ersten Instanz hatte das Frankfurter Landgericht lediglich das Herunterladen untersagt. Die Richter erweiterten das Urteil jetzt jedoch um das Verbot des Ausdrucks.

Die TU Darmstadt bedauerte diese Entscheidung. Sie schränke die Nutzung von Medien ein, die Bibliotheken eigenständig digitalisiert hätten. Wissenschaftliches Arbeiten sei nur möglich, wenn Kopien von Textteilen erstellt werden könnten, um zuverlässig zitieren zu können. Das Urteil zwinge die Nutzer nun zum Abschreiben mit der Hand. "In Zeiten elektronischer Medien, des Internets und der e-science ist das ein Anachronismus." Im Interview mit dem Uniradio Mephisto 97,6 spricht Ulrich Johannes Schneider, der Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, von einer "Beschneidung wissenschaftlichen Arbeitens."

Ursprünglich hatte der Eugen Ulmer Verlag – unterstützt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – erreichen wollen, dass die Universität den Benutzern der Bibliothek wissenschaftliche Literatur prinzipiell nicht kostenlos elektronisch zur Verfügung stellen darf. Das Landgericht wertete jedoch in der ersten Instanz die elektronischen Leseplätze nicht als Verstoß gegen das Urheberrecht. Dem schloss sich das Oberlandesgericht an.

Der Börsenverein hingegen bewertete die Entscheidung als Stärkung des geistigen Eigentums. Das Recht am eigenen Werk sei Fundament der Arbeit von Autoren und Verlagen. Damit Studenten die Auflagen des Gerichts einhalten könnten, müsse in die Ausstattung der Bibliotheken investiert werden. "Hier ist die Bildungspolitik gefragt, das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen", sagte der Geschäftsführer des Dachverbands der Buchbranche, Alexander Skipis.