Den größten Eindruck macht das 3D-Ereignis noch vor dem Spiel. Als die Kamera in die Zuschauerreihen hält und dort eine Südafrikanerin ganz vorn ihre Freunde fotografiert. Dann sieht es so aus, als wolle hier ein Mensch im Stadion in Johannesburg über 9000 Kilometer Distanz einen deutschen Fußballfan in der ersten Reihe im Kino in Hamburg ablichten. Durch die Life-3D-Verbindung entsteht eine fast unheimliche Einheit von Zeit und weit entferntem Raum.

Plötzlich lösen sich aus den Publikumsmassen einzelne Figuren: Links nestelt eine Frau an ihrem Telefon, etwas weiter hinten tritt ein dünner Herr von einem Bein aufs andere und schaukelt sich in Stimmung. Und dann beginnt das Spiel: Ghana gegen Deutschland.

Nach einer Testvorführung in drei Kinos überträgt Sony per Satellit zum ersten Mal ein Fußballspiel in 3D in 22 deutschen UCI-Kinos – ohne Kommentator, das pure Spiel. Um es vorweg zu nehmen: Es ist ein Erlebnis. Gerne werden in der Fußballprosa aus den Spielen Dramen oder Tragödien, nicht immer passt diese Metapher. Im 3D-Kino aber ist Fußball genau das: ein Bühnenschauspiel auf schräger Ebene, bei dem man rechts und links am Rande noch meint einen Blick hinter die Kulissen erhaschen zu können. Und wie eine leibhaftige Theatervorführung ist auch Fußball in 3D auf der Großleinwand unmittelbarer als ein planer Kinofilm.

Dem anfänglichen Staunen folgt nach dem Anstoß allerdings die Ernüchterung. Schon nach wenigen Sekunden ist klar, dass dieses 3D-Event Arbeit für die Sehrinde ist. Wobei in diesem Fall die vielen Patzer in der deutschen Mannschaft, die verlorenen Bälle, die offene Abwehr den Stresslevel zusätzlich in die Höhe treiben. Wenn das Auge sich darüber hinaus noch anstrengen muss, um dem verwischten Ball auf der Leinwand zu folgen, kann das für sensible Naturen zu viel sein. Noch ist die Bildwiederholungsfrequenz zu niedrig, um Gegenstände, die sich schnell bewegen auch isoliert und detailreich abbilden zu können.