"Sehr begehrte Damen und Herren" ist so ein klassischer Fehler, den Spracherkennungsprogramme gern machen. Man muss sie sich vorstellen wie einen Achtzigjährigen, der sein Leben lang laute Rockmusik gehört hat. Oder wie stille Post. Spracherkennung versteht einfach hin und wieder etwas falsch. Trotzdem glauben viele an das Potenzial und die Fähigkeiten solcher Programme.

Google Voice etwa bietet einen Dienst, der Anrufe auf der Mailbox automatisch in Textnachrichten umwandelt und per SMS an den Empfänger verschickt. Dabei kommt es gelegentlich zu Wortverdrehungen. Besonders lustige hat das Technikblog Cnet gesammelt . Und hier sind noch mehr davon .

Um Entscheidungen in Atomkraftwerken, in Gefechtspausen oder im Operationssaal zu treffen, sollte man automatische Spracherkennung (ASR) also nicht verwenden. Da die Fehlerrate inzwischen aber auf immerhin 30 Prozent gesenkt werden konnte, und sicherlich weiter sinken wird, wird ASR in immer mehr Kontexten sinnvoll eingesetzt.

Catchup zum Beispiel ist ein Programm, das Menschen hilft, die verspätet zu Konferenzen oder Meetings kommen. Catchup ist in der Lage, die bereits verpassten Reden so zusammenzufassen, dass das Wichtigste darin enthalten bleibt. Da das Programm sein Resultat wieder als kurzes Audio vorspielt, bleibt auch die Anmutung der Sprecher erhalten – schließlich liegen auch darin wichtige Informationen. Immerhin 80 Prozent der Verspäteten können so dank Catchups in Testsituationen erfassen, was sie verpasst hätten, versprechen Forscher der Universität Sheffield , die das System untersuchten.

Ähnliche Trefferquoten erreicht die sogenannte algorithmische Textanalyse. Das sind Programme, die Muster in Texten erkennen. Ob ein Satz sarkastisch gemeint ist zum Beispiel. Manchmal ist der Computer dabei sogar besser als der Mensch. Er lässt sich nicht so leicht ablenken, etwa durch ein hübsches Layout oder ein freundliches Lächeln. Und er kann, richtig gefüttert, oft auf eine viel größere Datenbank zurückgreifen und mehr lernen, als die meisten Menschen in ihrem Leben an Erfahrung sammeln.

Wissenschaftler der Universität von Lancaster etwa haben ein Programm geschrieben, das Chatprotokolle analysiert und anhand des Sprachstils das Alter und das Geschlecht des Chatters bestimmt. Die Treffsicherheit liegt bei mehr als neunzig Prozent. Jugendliche sind darin sehr viel schlechter: Nur jeder fünfte Schüler konnte bei ihren Untersuchungen sagen, ob er mit einem Altersgenossen oder einem älteren Erwachsenen gechattet hatte. Pädokriminelle nutzen eben diese Unsicherheit und die Möglichkeiten der Anonymität, um ihre Opfer zu täuschen. Die Software könne dabei helfen, hoffen die Wissenschaftler, solche Täter zu finden und Jugendliche zu schützen.

Hinter der Abkürzung Sasi verbirgt sich ein " Semi-supervised Algorithm for Sarcasm Identification ". Israelische Wissenschaftler können mit Sasi also sarkastische Sätze ermitteln. In 77 Prozent der Fälle liegen sie damit richtig. Trainiert haben die Forscher das System anhand von Produktrezensionen beim Online-Buchhändler Amazon. Sätze wie "Für dieses Buch mussten Bäume sterben?!" wurden zuvor von Menschen beurteilt, dann brachte man dem Computer bei, die Muster hinter solchen Formulierungen zu identifizieren.