Land der Geisterfahrer – Seite 1

Google hat zugegeben, mit Hilfe von Lobbyisten dafür gesorgt zu haben, dass der amerikanische Bundesstaat Nevada seine Gesetze ändert. Der will demnächst erlauben, dass Autos am Straßenverkehr teilnehmen dürfen, die nicht von Menschen gesteuert werden. Nevada wäre damit das erste Land überhaupt, das Roboterfahrzeuge zulässt.

Einem Bericht der New York Times zufolge hatte Google hinter den Kulissen heftig Werbung für diese Idee gemacht. Am Dienstag dann bestätigte der Konzern dieses Vorgehen.

Im vergangenen Jahr erst war öffentlich geworden, das Google bereits seit einiger Zeit an "autonomous cars", an Roboterautos forscht und solche auch auf öffentlichen Straßen testet. Das wird nun einfacher, sollte Nevada wie geplant Ende Juni die Gesetze verabschieden.

Eine der neuen Normen ist als Anhang einem Gesetz über Elektrofahrzeuge beigefügt und regelt die Zulassung von Tests solcher autonomen Autos. Das zweite Gesetz ist eine Ausnahmegenehmigung, die Fahrern solcher Autos erlauben würde, dass sie während des Fahrens SMS-Nachrichten schreiben und verschicken.

Laut New York Times wurden die beiden Gesetzesvorhaben ungefähr zur gleichen Zeit lanciert, zu der Googles Tests bekannt wurden. Die wurden allerdings in Kalifornien gemacht, ein Google-Ingenieur testete den Wagen unter anderem auf seinem Arbeitsweg zum Firmensitz. Warum nun ausgerechnet Nevada als Standort für die Roboterautos gewählt wurde, ist nicht klar. Man befinde sich auch noch in einer frühen Testphase, hieß es dazu von Google lediglich.

 

Beobachter spekulieren bereits, Nevada könnte zum Vorreiter einer wichtigen Entwicklung werden. Die NYT zitiert ungenannte Quellen, der Bundesstaat überlege, noch viel weiter zu gehen und beispielsweise autonome Taxis auf dem Las Vegas Casino Strip einzusetzen, der Straße, an der in Las Vegas die großen Spielcasinos stehen.

Gleichzeitig machen sich allenthalben Kritiker bemerkbar, die auf die Sicherheitsprobleme und die vielfach veraltete Gesetzgebung aufmerksam machen. Immerhin, so argumentieren sie, seien die Verkehrsregeln und Gesetze zum Teil noch aus der Ära der Pferdekutschen und längst nicht so weit, den Umgang mit Roboterautos zu regeln.

Bei einer Anhörung im Vorfeld der Gesetzgebung sagte der eigens für dieses Vorhaben angeheuerte Lobbyist David Goldwater, die autonome Technik sei sicherer und benzinsparender als bisherige Fahrzeuge. Außerdem würde sie die Wirtschaft ankurbeln. Vor allem letzteres könnte ein starkes Argument sein in den USA. Traditionell war die Autoindustrie dort sehr mächtig und bestimmend. Jedoch hat sie in den vergangenen Jahrzehnten heftig unter den Importen aus Asien und Europa gelitten und ihre Rolle als Innovator eingebüßt.

Offensichtlich gibt es die Hoffnung, sie mit der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen zurückzugewinnen. Auch amerikanische Autokonzerne forschen an diesem Konzept. Dass Google nun offensichtlich bereits konkret in die amerikanische Straßenverkehrsordnung einzugreifen versucht, zeigt immerhin, dass das selbstgesteuerte Elektroauto viel weniger Science-Fiction ist, als viele Menschen noch glauben mögen.