Einen freien Markt gibt es überall, sogar in Nordkorea oder Kuba. Dort existiert er neben dem offiziellen Wirtschaftssystem und heißt Schwarzmarkt. Es ist offensichtlich nicht möglich, die Mechanismen des freien Markts gänzlich zu unterdrücken.

Trotz dieser Erkenntnis gibt es aber auch in westlichen Ländern Bereiche, in denen sich die Mächtigen mit Entschlossenheit gegen die Kraft des Marktes stemmen – zum Beispiel wenn Branchenführer verzweifelt versuchen, ihr sterbendes Geschäftsmodell zu retten.

Das ist bei der Filmindustrie der Fall. Sie versucht ihre Umsätze zu sichern, indem sie die Ware Film künstlich verknappt. So laufen Filme in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten an. Anschließend wird der Verkauf der DVD- und Bluray-Versionen um Monate verzögert und durch Regionalcodes beschränkt. Im Netz werden die amerikanischen Streaming-Inhalte durch IP-Filter für europäische Zuschauer blockiert.

Diese eingeschränkte Verfügbarkeit der Filme soll das Geschäft der Filmindustrie schützen. Aber sie hat einen mächtigen Gegner: die Kundschaft. Da gibt es die Geduldigen, die auf die Vermarktungsstrategien nicht hereinfallen und einfach ein bis zwei Jahre warten, bis sie die Filme in ihrer Online-Videothek bestellen können. Oder die Ungeduldigen, die Streaming-Seiten besuchen, auf denen sie sich die aktuellen Filme schon kurz nach ihrem Kinostart anschauen. Dann gibt es noch die Downloader, die sich die amerikanischen Film- und Fernsehinhalte in der Originalsprache herunterladen. Sicherlich gibt es weitere kreative Arten, die Vertriebswege der Konzerne zu umgehen.

Der Filmwirtschaft geht es nun wie der kubanischen Regierung: Ein Schwarzmarkt hat sich etabliert, der die Schwäche ihrer ineffizienten Planwirtschaft entblößt. Auf diesem Schwarzmarkt fließt auch Geld, zum Beispiel an Online-Plattformen, die illegale Filmkopien zum Download bereitstellen. Dieses Geld geht der Filmindustrie verloren.

Es wäre an der Zeit, die Vertriebswege und Angebote dieses Schwarzmarkts in den freien Markt zu überführen. Dass die Marktführer von heute auch die Marktführer von morgen sein werden, ist nicht sicher. Eine Alternative gibt es jedoch nicht, denn die Kunden stimmen jeden Tag ab. Sie wollen das alte System nicht mehr haben.