In Frankreich ist die Empörung über die am Montag bekannt gewordene Spionage des US-Geheimdienstes NSA groß – US-Präsident Barack Obama hat sich deswegen direkt an den französischen Staatschef François Hollande gewandt. Die neuen Berichte, nach denen die NSA in Frankreich unter anderem massenhaft Telefonverbindungen überwacht hat, lieferten teilweise ein verzerrtes Bild, sagte Obama in einem persönlichen Telefonat mit Hollande. Einige Berichte stellten aber auch "berechtigte Fragen" über die Arbeit der NSA. Die USA hätten begonnen, ihre Methoden für die Sammlung von Informationen zu überprüfen, versicherte Obama nach Angaben des Weißen Hauses. 

In einer Erklärung des Élysée-Palast hieß es, Hollande habe in dem Gespräch seine "tiefe Missbilligung" solcher Praktiken deutlich gemacht. Sie seien "inakzeptabel unter Freunden und Alliierten". Hollande habe um weitere Erklärungen in diesem Zusammenhang gebeten. Beide Staatschefs seien übereingekommen, dass sie zusammenarbeiten wollten, um die Fakten und die Tragweite der von der Zeitung Le Monde veröffentlichten Überwachungsaktivitäten zu ermitteln.  


Frankreich bestellte den US-Botschafter ins Außenministerium ein. "Wir sind bereits im Juni alarmiert worden und haben deutlich reagiert, aber offensichtlich muss man weiter gehen", sagte Außenminister Laurent Fabius . Es müsse sehr schnell sichergestellt werden, dass sich diese Praktiken nicht wiederholten. Dem US-Botschafter wurde nach Angaben des Außenministeriums erläutert, die Vorgehensweise sei "völlig inakzeptabel".

Die NSA erklärte, sie nehme nicht zu konkreten Geheimdienstaktivitäten Stellung. Die USA sammelten Material wie "alle Länder". Man überprüfe derzeit aber die eigene Arbeit, wobei "legitime Sicherheitsbedürfnisse unserer Bürger und Verbündeten mit Datenschutz-Bedenken aller Menschen" in Einklang gebracht würden.

Die französische Tageszeitung Le Monde hatte berichtet, die NSA habe in Frankreich auch Personen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ausspioniert . So sollen Ende 2012 und Anfang 2013 rund 70,3 Millionen Datensätze zu Telefonverbindungen registriert worden sein. Der Spiegel hatte darüber bereits im Juni berichtet.  

Greenwald kündigt weitere Enthüllungen an

Unterdessen kündigte der amerikanische Journalist Glenn Greenwald – Koautor des Berichts über das millionenfache Erfassen französischer Telefondaten in Le Monde – weitere Enthüllungen über die ihm vom früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden überlassenen Dokumente an. Er sei entschlossen, über jedes Dokument von öffentlichem Interesse zu schreiben, sagte Greenwald in einer Videokonferenz mit einer Journalistentagung in Denver .