Nach dem Kompromiss mit der US-Regierung haben zahlreiche Internetfirmen neue Informationen über die Herausgabe von Kundendaten an Geheimdienste veröffentlicht. Die Unternehmen Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, LinkedIn und Tumblr dokumentierten, wie oft Regierungsbehörden im Zusammenhang mit Terrorermittlungen in den vergangenen Jahren Informationen über Kunden verlangt haben. Am häufigsten war Yahoo betroffen.

Die Unternehmen wollen damit das Misstrauen von Privat- und Firmenkunden über die Vertraulichkeit ihrer Daten zerstreuen. Aus den veröffentlichten Daten geht hervor, dass – gemessen an der Gesamtzahl – nur ein kleiner Kreis von Kunden überprüft wurde. Im ersten Halbjahr 2013 seien über das Gericht für die Überwachung der Auslandsgeheimdienste (FISA) bis zu 999 Anfragen gestellt worden, teilte Google in seinem Unternehmensblog mit. Davon betroffen waren insgesamt aber 9.000 bis 10.000 Nutzerkonten. Im ersten Halbjahr 2009 waren es noch weniger als 3.000 Konten gewesen.

Yahoo verzeichnete nach eigenen Angaben ebenfalls bis zu 999 Anfragen per FISA-Beschluss, die aber zwischen 30.000 und 31.000 Nutzerkonten betrafen. Dabei sei es um Mails, Kurznachrichten, Adressbücher, Kalendereinträge und Fotos gegangen, erklärte das Unternehmen. Microsoft sprach von 15.000 bis 16.000 betroffenen Konten bei weniger als 1.000 Anfragen. Und auch Facebook musste in den ersten sechs Monaten des Vorjahres nach eigenen Angaben bis zu 999 Mal Auskunft erteilen, wobei es um insgesamt 5.000 bis 6.000 Konten ging.

LinkedIn bekam in der ersten Jahreshälfte weniger als 250 FISA-Anfragen bei offenbar ebenso vielen betroffenen Konten, Tumblr bekam nach eigenen Angaben überhaupt keine. 

Damit haben allein US-Geheimdienste wie die NSA im ersten Halbjahr 2013 die Daten beziehungsweise Inhalte von mindestens 59.000 Nutzerkonten der beliebten US-Internetdienste verlangt. Diese Zahl beinhaltet weder die Anfragen aller anderen staatlichen Stellen (die aber aus den einzelnen Transparenzberichten hervorgehen), noch Angaben darüber, wie viele Daten sich etwa die NSA durch das heimliche Eindringen in die Leitungen und Rechenzentren verschafft.

Das US-Justizministerium hatte am Montag vor einer Woche eine Einigung mit den Unternehmen über die Veröffentlichung des Umfangs der Anfragen bekanntgegeben. Die Unternehmen hatten angesichts von Kundenbedenken auf die Freigabe der Daten gedrungen. Die Regierung hatte sie davor mit der Begründung abgelehnt, dass das Ermittlungen zur nationalen Sicherheit gefährden könnte. Nun dürfen die Unternehmen die Zahlen in Schritten von 250 oder 1.000 nennen. Bis zur Veröffentlichung muss mindestens ein halbes Jahr vergangen sein.