Die Folterer und die Lügner

Ein dänischer Geheimdienstoffizier wendet sich an die Medien

Wer zum Whistleblower wird, vor allem im Bereich des Militärs und der Geheimdienste, muss einen hohen Preis bezahlen. Ich habe meinen Job verloren, meine früheren Freunde. Sogar ein Großteil meiner Familie, in der es eine lange Militärtradition gibt, hat den Kontakt abgebrochen. Dafür habe ich meine Selbstachtung wiedergewonnen. Und ich habe neue Menschen gefunden, die mir gezeigt haben, dass ich nicht allein bin in diesem Kampf.

Ich brauchte acht Jahre, um ein Whistleblower zu werden. Im November 2004 war ich als Geheimdienstoffizier im Irak und sah Videos, die zeigten, wie irakische Gefangene zusammengeschlagen wurden. Ich erzählte meinen Vorgesetzten davon und versuchte später auch, das Verteidigungsministerium auf die Misshandlungen hinzuweisen. Aber niemand wollte, dass die Wahrheit herauskommt. Sie belogen sogar die Öffentlichkeit und bestritten, dass es Beweismaterial von dem Vorfall gibt. Also entschied ich mich, die Wahrheit öffentlich zu machen und gab das Video und andere Belege an die Medien weiter. Um Vertrauen in die Demokratie herzustellen, ist es wichtig, dass Fehlverhalten nicht hingenommen, sondern darüber geredet wird. Nur dann können wir dafür sorgen, dass es sich nicht wiederholt.

Moralische Standards zurückzuerobern: Darum geht es beim Whistleblowing.

Aufgezeichnet von Wolf Wiedmann-Schmidt

Anders Kærgaard, 41, war Offizier des dänischen Militärgeheimdienstes. Im Jahr 2012 gab er Hinweise auf Misshandlungen von gefangenen Irakern an die Medien weiter. Heute versucht er, afghanischen und irakischen Übersetzern, die wegen ihrer Arbeit für die Koalitionstruppen gefährdet sind, zu einem Aufenthaltsrecht in Dänemark zu verhelfen.